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Lauenburg Geesthacht möchte aus Archivgemeinschaft austreten
Lokales Lauenburg Geesthacht möchte aus Archivgemeinschaft austreten
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17:37 21.11.2018
Wolf Rüdiger Busch leitet das Archiv auf Basis einer geringfügigen Beschäftigung. Das sei ausreichend, meint die Verwaltung. Quelle: Timo Jann
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Geesthacht

Die Stadt Geesthacht wird voraussichtlich endgültig aus der Archivgemeinschaft aussteigen, die man 1985 gemeinsam unter anderem mit Lauenburg, Schwarzenbek und Wentorf gegründet hatte. Damals war Archivar Dr. William Boehart eingestellt worden. Seit er die Aufgabe 2011 aufgegeben hatte, ruht Geesthachts Mitgliedschaft bereits. Auslöser der von der Stadtverwaltung angeschobenen Diskussion sind die Kosten, die die Mitgliedschaft mit sich bringt. Geld, das man effektiver einsetzen könne, argumentiert die Verwaltung.

Geesthacht steigt voraussichtlich aus der Archivgemeinschaft aus

„Die Kündigung müsste zum Jahresende ausgesprochen werden, die Kündigungsfrist beträgt ein Jahr“, erklärte Christoph Wieck, der Leiter des Fachbereichs für Schule, Kultur und Soziales im Rathaus, jetzt im zuständigen Bildungsausschuss. „Verwaltungsseitig sind wir von der Kündigung überzeugt“, untermauerte er den Vorschlag. 2011 hatte die Stadt zuletzt 25.000 Euro in den Finanzierungstopf der Archivgemeinschaft überwiesen, Wieck geht davon aus, dass es jetzt wohl 35.000 Euro sein würden. „Die Aufgabe in unserem Archiv kann auch von einer Teilzeitkraft erledigt werden“, sagte er. Aktuell hat diese Aufgabe der frühere Museumsleiter Wolf-Rüdiger Busch inne, als Basis einer geringfügigen Beschäftigung. „Wir sehen keine Anhaltspunkte, die ruhende Mitgliedschaft wieder aufleben zu lassen“, so Wieck.

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Die Aufgaben im Archiv könnten auch von einer Teilzeitkraft erledigt werden, sagt Christoph Wieck

Die Ausschussmitglieder überraschte er mit diesem Verwaltungsvorschlag – zumal es vorab keine Beratungsvorlage gab. Deshalb soll das Vorhaben jetzt zunächst in den Fraktionen beraten werden, im Dezember soll dann der Beschluss fallen.

Zahlen und Fakten

Geesthachts Archiv, das im Keller des Rathauses untergebracht ist, umfasst aktuell etwa 600 laufende Meter Akten. Allein elf Meter nehmen Daten über Geburten, Hochzeiten und Sterbefälle in Anspruch. 2017 zählte Wolf-Rüdiger Busch, der das Archiv betreut, 62 Anfragen und 94 Besuche.

Unterstützt wird die Führung des Archivs auch durch den Heimatbund und Geschichtsverein. „Die Zusammenarbeit ist hervorragend“, so Busch. Unter anderem haben die Ehrenamtlichen bereits 12.000 Fotos digitalisiert. Die Digitalisierung ist ein großes Thema, Ziel ist eine optimale Verschlagwortung der Bestände, um alles per Mausclick finden zu können. Aktuell ist nur der Bestand 8 mit den Inhalten seit 1945 fast vollständig erfasst – es gibt aber 13 Bestände. Busch: „Wir müssen prüfen, wie wir da weiter verfahren. Ein Archiv kann nicht sagen, dass wir etwas nicht wissen.“ Bis 1937 finden sich die Unterlagen der Stadt außerdem im Hamburgischen Staatsarchiv – weil Geesthacht bis dahin zu Hamburg gehört hatte. 2017 wurde der Nachlass eines Geesthachts zur Historie des Düneberger Sportvereins integriert. „Das war in elf Umzugskartons verpackt“, sagt Busch.

Sven Minge (Pro Geesthacht) regte an, zu prüfen, ob man die Mitgliedschaft nicht weiterhin ruhen lassen könnte, zumal dadurch keine Kosten entstehen. „Wir sollten uns nicht aus der kommunalen Familie verabschieden und uns eine Tür offen lassen“, sagte Minge. Marcus Worm (Grüne) riet zu Nachverhandlungen, um die finanzielle Belastung der Stadt zu reduzieren. Wieck entgegnete, dass damit aber weiterhin unklar sei, wie stark sich der gemeinsame Archivar tatsächlich für Geesthacht einbringen würde. „Der Ansatz mit einem eigenen Archivar ist viel besser“, argumentierte Wieck. „Wir verbauen uns doch nichts, es weiter ruhen zu lassen“, meinte Hicran Hayik-Koller von der SPD.

Verwaltung wartet auf festen Beschluss, um die Mitgliedschaft zu beenden

Doch die Verwaltung möchte klare Verhältnisse. Wieck: „Aus dem System sind wir eh raus, jetzt wollen wir den entsprechenden Beschluss, um die Mitgliedschaft zu beenden. Wir wären dann nicht mehr in der Gemengelage der unterschiedlichen Interessen.“ Zur Aufgabe des Archivars der Gemeinschaft gehören neben der Archivierung der Verwaltungsdokumente auch die Begleitung von Sonderausstellungen und die Mitwirkung an Jubiläumsschriften. Durch thematisch unterschiedlich starke Beanspruchungen lässt sich der Arbeitsanteil pro Kommune nur schwer beurteilen.

Die Kosten für den gemeinsamen Archivar teilen sich die Kommunen, die Mitglied der Gemeinschaft sind, entsprechend ihrer Größe.

Timo Jann