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Lauenburg Die erste Testfahrt mit dem fahrerlosen Bus in Lauenburg
Lokales Lauenburg Die erste Testfahrt mit dem fahrerlosen Bus in Lauenburg
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09:48 23.07.2019
Premierenfahrt des fahrerlosen Busses der Marke „Navyo“ in Lauenburg. Quelle: Holger Marohn
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Lauenburg

Das autonome Buszeitalter in Lauenburg hat begonnen. Am späten Montagnachmittag ist der Elektrobus des Testzentrums für automatisiert verkehrende Busse im Kreis Herzogtum Lauenburg (Tabula) erstmals autonom vom Betriebshof der Stadtbetriebe Lauenburg auf die Bundesstraße B 5 gerollt, um dann nur wenige hundert Meter weiter am Zob einige Einparkübungen zu machen.

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In der Stadt hatte sich diese erste Orientierungsfahrt schnell herumgesprochen. So war Bürgervorsteher Wilhelm Bischoff wenige Minuten später persönlich am Zob. „Ich durfte vor einigen Wochen schon mal kurz mitfahren, aber nur auf dem Parkplatz vor dem Schloss“, sagt Bischoff sichtlich begeistert, während andere Passanten ihre Handys zückten.

Allerdings war am Montag lange fraglich, ob der Bus an diesem Tag schon überhaupt rollen wird. Der zuständige Ingenieur des französischen Herstellers Navyo war erst am Nachmittag mit dem Flugzeug in Fuhlsbüttel gelandet und dort von den Projektvertretern der TU Hamburg-Harburg abgeholt und direkt nach Lauenburg gebracht worden. Mindestens eine Woche lang wird der Spezialist das Fahrzeug mit der komplizierten Erkennungssoftware nun kalibrieren. Bei den Einmessfahrten werden dem Bus die verschiedenen Routen durch die Stadt „beigebracht“.

Bus ist mit Vielzahl an Sensoren ausgestattet

Für die fahrerlose Fahrt ist das Fahrzeug mit zahlreichen Sensoren ausgestattet. Hat der Tabula-Bus seine Strecke erlernt, soll er diese auch ohne ein Eingreifen des Begleitpersonals bewältigen. Dafür werden vor allem die GPS- sowie die Messdaten der anderen Sensoren an jedem Punkt der Strecke gespeichert, um diese später als „Soll-Daten“ mit den jeweils aktuellen Verhältnissen während der Fahrt abgleichen zu können.

Das Tabula-Projekt läuft seit fast eineinhalb Jahren. In dieser Vorbereitungszeit gab es für das Projektteam zahlreiche Herausforderungen zu bewältigen. So gelten bei dem Pilotprojekt in Lauenburg unter anderem das Einfügen in den fließenden Verkehr auf einer Bundesstraße, Kopfsteinpflasterpassagen und Steigungen sowie die engen Gassen der Altstadt mit teilweise abbrechendem Satellitenkontakt als besonders anspruchsvoll und waren ein Grund für die Auswahl Lauenburgs als Pilotrevier.

Auch die Kommunikation mit den Ampeln erwies sich als Herausforderung, da die Sensoren die Ampelfarben nicht immer einwandfrei hatten erkennen können. In Zusammenarbeit mit dem Projektpartner Siemens wurde daraufhin eine zusätzliche Kommunikation per Funktechnik entwickelt.

Mehr lesen: Autonom fahrender Bus auf Sylt wird gut angenommen

Erste Fahrten mit Fahrgästen ab Herbst 2019

Nach den Einrichtungsfahrten durch den Navyo-Ingenieur wird es zunächst noch weitere Testfahrten und Übungsfahrten für das Begleitpersonal geben. Ab Herbst 2019 können dann auch Fahrgäste das allradgetriebene Elektro-Shuttle nutzen. Zunächst wird es eine kleinere Runde in der Oberstadt geben, wenig später soll die Route dann auf Fahrten in die Altstadt erweitert werden. Während der Testphase mit Fahrgästen werden Mitfahrten im Shuttle kostenlos sein. Informationen zu den Betriebszeiten gibt es unter www.tabulashuttle.de.

Holger Marohn