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Lauenburg Die große Schau der Kunst in kleinen Dörfern
Lokales Lauenburg Die große Schau der Kunst in kleinen Dörfern
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21:25 01.08.2018
Arbeiten von Angelika Keusch-Wannags sind in Kittlitz bei Familie Zimmermann am Birkenweg 18 zu sehen. Die Bilder sind mit Acrylfarben, Pastellkreide und in Mischtechnik gefertigt.

Wir wandern, wir wandern, von einem Ort zum andern. Die Hauptausstellung im Dorfgemeinschaftshaus von Kittlitz zeigt, was das Konzept von Dörfer zeigen Kunst insgesamt prägt: eine beeindruckende Vielfalt der Kunst- und Stilrichtungen. Darüber hinaus hat der Ort, in dem die Eröffnungsfeier der Aktion stattfand, gezeigt, dass „Kunst to go“ auch auf dem platten Land möglich ist.

Die Arbeiten von 56 Künstlern und einer Malgruppe: Das bekommen Sie zu sehen, wenn Sie mit uns auf Kunst-Tour von Kittlitz über Seedorf, Sterley, Neu-Horst und Salem bis nach Bäk gehen. Stichwort gehen: In Kittlitz gibt es derzeit sogar einen Rundweg mit Kunst an mehreren Orten.

Dem Rundweg folgen, heißt, Kittlitz einmal anders zu erleben. Die Wände einer kleinen Garage hat Undine Cramer mit Zeichnungen und Fotos dekoriert. Im Pavillon der Familie Zimmermann am Birkenweg

18 sind Bilder mit Begleittexten von Debra Elizabeth Kühl-McGregor zu sehen. An der gleichen Adresse finden sich auch Bilder von Clara Louisa Ahlrichs und Angelika Keusch-Wannags. Im Garten von Andrea Sacker an der Dorfstraße 24 stehen Skulpturen und Objekte von Martina Koch, im Carport der Familie sind einige Fotos von Alexandra Luisa Weis zu sehen. Und überall im Ort überraschen Holzskulpturen von Bernd Wannags – ob kleine Holzblumen im Vorgarten oder um die zwei Meter lange Tulpen, ob Pinguine oder ein großer Erpel auf einer Treppe.

Bunter Stilmix in Seedorf

Weiter geht’s nach Seedorf. Hier ist die Sporthalle an der Dorfstraße Treffpunkt der Kunstinteressierten. Sabine Duwe (Patchwork und Textildesign) und Margot Schacht (Malen auf Porzellan und Taschen) sind die „alten Hasen“, wie Duwe erzählt: Ulrike Lutterbeck (Tierporträts), Heidi Martens (Schmuck), Britta Samelin (Handarbeiten) und Jörg Öle Meyerhoff (Metallarbeiten) sind zum ersten Mal dabei. Die Arbeiten, so unterschiedlich sie sind, ergänzen sich zu einer faszinierenden Ausstellung. Meyerhoffs Metall-Masken erinnern an Szenen der Erfolgsserie „Game of Thrones“ – auch wenn der Künstler sagt, er sei kein Fan. Das ewige Dilemma der Künstler: Intention und Wirkung – gehen oft völlig auseinander, aber gerade das macht die Kunstrezeption ja oft so spannend. Ebenso bunt ist der Stil- und Genremix der Ausstellung im Kulturzentrum „Alte Schule“ in Sterley. Wer Jahr um Jahr die Dörfer zeigen Kunst-Rundreise macht, findet auch hier vertraute Gesichter. Kerstin Alves (Atelier Tausendschön, Mölln), Angelika Feldner (Figuren), Traudel Fiebig (Acrylmalerei), Karin Henke (Keramik und Schmuck), Ekaterina Klik (Ölmalerei), Dirk Schröder (Fotografie) und Paul Spath (Acryl- und Aquarellmalerei) sind die Stammbesetzung – was den Besuch keineswegs langweilig macht, denn auch für sie (wie eigentlich für alle Aussteller der Aktion) ist es eine Ehrensache neue Arbeiten mitzubringen. Ebenfalls wieder mit von der Partie ist Anke Hellberg mit ihren wunderbaren Skulpturen. Sie hatte nur 2017 pausiert, „da habe ich in Albsfelde ausgestellt, weil ich die Künstler dort unterstützen wollte“.

Augen auf beim Kunstgenuss

„Bitte nicht auf das Kunstwerk treten“ gilt im Alten Gutshof in Neu- Horst. Heidrun und Hans Kuretzky haben „Rilke im Quadrat“, nämlich in Kalligraphie auf schwarzem Steinzeug, auf den Boden gelegt – und immer wieder sind Besucher, auf die Wände konzentriert, knapp davor, auf die Fliesen zu treten. Also: Augen auf (und auch mal nach unten richten) auch beim Kunstgenuss!

Stehen bleiben, lesen, wirken lassen – es lohnt sich. An den Wänden der Scheune finden sich Porträtfotos von Ursula Braun, Malerei in Mischtechnik von Adil Daaud, Acrylmalerei von Yvonne Hernes-Maraun, Malerei von Käthe Roch und Ölbilder von Monika Scheer. Den Gesamteindruck komplettieren Bronzeskulpturen von Monica Diamond, Arbeiten von Eleanor Burton, Skulpturen aus Holz, Stein und Ton von Aloys Kötter, Bücher, Alben und Kästen von Marianne von Mirbach und natürlich die „Lichtfarben“–Fotografie von Peter Röhl sowie die „TonArt“-Arbeiten von Pirkko Roinila und Sven Walter. Hier ist schon das Zusammenspiel der Kunstgegenstände an sich Kunst.

Ähnlich präsentieren sich die Arbeiten der Aussteller im Gemeindezentrum in Salem. „Quadrate“ ist der schlichte Titel der Arbeiten von Dörthe Ehmke, die sie als „zweieinhalb-dimensionale Einschnitte“ erklärt. Ihre Arbeiten ergeben mit der Malerei und der Zeichnung von Jasmin Andreae eine spektakuläre Wechselwirkung. Rudolf Ambrosius hat neue Motive in Öl aufgehängt. Bei Klaus Schneller, der Skulpturen und Ölbilder zeigt, dreht sich in diesem Jahr alles um die „Venus von Willendorf“. Angela Petschull ist ihrer Leidenschaft, dem Engagement für Frauenprojekte in Afrika, treu geblieben, sie zeigt erneut Objekte vom Dunklen Kontinent. Blickfang sind wie gewohnt die Skulpturen in Holz und Metall, für einige Arbeiten hat sie auch Lehmziegel aus einem entkernten Salemer Haus verwendet. Neu dazugekommen sind Petra Seltz mit großformatigen Bildern in Öl und Acryl auf Leinwand sowie Christel Maria Klinger mit Taschen und Kleidung, die sie unter dem Motto „Repurpose“ zeigt. Aus alt mach neu: Bei Klinger werden zum Beispiel aus den Beinen einer alten Jeans Ärmel einer Jacke.

Letzter Halt für heute: das Dorfgemeinschaftshaus in Bäk. Zu Annette Fabinski (Mischtechniken), Esther Rosenboom (Objekte) sowie Natalia Broner-Lipianski (Malerei, Zeichnungen, Porzellanmalerei und Skulpturen) und ihrer Tochter Isabella Lipianski (Postkarten, Aquarelle, Objekte, Keramik) haben sich in diesem Jahr erstmals Martin Fischer (alte und neue Dorfansichten), Jessika Naujoks (Zeichnungen), Ebba Sakel (Malerei, Grafik und Skulpturen) und schließlich die Christophorus-Malgruppe gesellt.

Öffnungszeiten: Alle hier genannten Ausstellungen sind während der gesamten Dörfer zeigen Kunst-Zeit bis einschließlich 19. August geöffnet, und zwar sonnabends und sonntags von 13 bis 18 Uhr. Ergänzend dazu – das ist neu! – sind in der Kulturscheune Salem, Seestraße 44, Fotografie von Julia Märker, Acrylmalerei von Martina Felsky-Seer und weitere Fotos von Martin und Andrea Behnke zu sehen, allerdings ausschließlich am 11. und 12. August.

Übrigens: Die Ausstellung in Buchholz in Knabjohanns Scheune ist nur noch am kommenden Wochenende,

am 4. und am 5. August, zu sehen.

Von Dorothea Baumm

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