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Lauenburg Die mysteriöse 701 im Namen einer Wählergemeinschaft
Lokales Lauenburg Die mysteriöse 701 im Namen einer Wählergemeinschaft
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10:21 22.05.2013
Michael Rebling, jetzt auch bei der FWS.
Ratzeburg

In den lauenburgischen Städten bestimmen vor allem die bundesweit aktiven Parteien das kommunalpolitische Geschehen. Deutlich anders geht‘s in den meisten der mehr als 100 Dörfer im Kreisgebiet zu, wo die Wählergemeinschaften die Szene beherrschen: In einigen Orten mit keinerlei Konkurrenz, weil es nur eine Gruppierung gibt, in anderen tauchen auf den Stimmzetteln kuriose Namen wie AAEFNW oder WGB-701 auf, und in zahlreichen Gemeinden müssen sich etablierte Kräfte mit Neulingen auf dem kommunalpolitischen Parkett auseinandersetzen.

Zu den Auffälligkeiten im Vergleich zu 2008 gehört, dass die Grünen jetzt auch kräftig in das Landgebiet drängen und diesmal unter anderem in Salem, Gudow und Wohltorf erstmals kandidieren. Hollenbek im Amt Lauenburgische Seen gehört neuerdings zu den Orten, in denen sich die Kommunalpolitiker keine Konkurrenz machen: SPD, AWH und FWG einigten sich Ende vergangenen Jahres darauf, künftig gemeinsame Sache zu machen — unter dem Namen Wählergemeinschaft Hollenbek (WGH), die am Sonntag alleine antritt. In Büchen stehen diesmal nur noch Sozial- und Christdemokraten auf dem Stimmzettel, weil die FBB nicht wieder kandidiert.

Im Amt Breitenfelde bewerben sich mit zwei Ausnahmen die gleichen Parteien und Wählergruppen wie 2008. Nur in Niendorf/Stecknitz, wo seit 2008 nur noch eine Wählergruppe existierte, stehen jetzt zwei zur Wahl. Neu ist hier die Neue Bürgerwahlgemeinschaft Niendorf. In Schretstaken wollten ebenfalls wieder zwei Wählergruppen antreten, doch die AWGSCH reichte ihre Unterlagen zu spät ein und kam damit nicht auf den Wahlzettel. In Borstorf, Grambek, Lehmrade und Talkau treten erneut zwei Wählergruppen an, in Bälau und Hornbek wie in Schretstaken nur eine. In Breitenfelde und Alt-Mölln kandidieren erneut je eine Wählergemeinschaft, aber auch die Parteien CDU und SPD. Von den amtierenden Bürgermeistern aus dem Amtsbereich scheiden zwei auf jeden Fall aus: Frauke Alpen in Bälau und Georg Weißleder in Woltersdorf stellen sich nicht erneut zur Wahl. Die anderen Bürgermeister könnten wiedergewählt werden.

Zu den Gruppierungen mit einem ungewöhnlichen Namen gehört die Buchholzer Wählergemeinschaft 701. Sie heißt so, weil sie im 701. Jahr seit Bestehen der etwa 240 Einwohner zählenden Gemeinde gegründet wurde. Das war 1984. Das Gründungsdatum einer ihrer Konkurrenten, nämlich der Allgemeinen Wählergemeinschaft Buchholz (AWGB), ist in der Wahlbekanntmachung des Amtes Lauenburgische Seen mit „1852“

angegeben — irrtümlich, denn tatsächlich existiert die AWGB erst seit 1952. Zu den größeren Gemeinden, in denen es plötzlich wieder eine Auswahl unter unterschiedlichen Bewerbern gibt, gehört Sandesneben. Die Freie Wählergemeinschaft Sandesneben (FWS) bewirbt sich am Sonntag erstmals um Mandate, die bisher alle von der WGS wahrgenommen werden. Spitzenkandidat ist Günther Peters, zu dessen Mitstreitern auch der CDU-Kreistagsabgeordnete und Bildungsexperte Michael Rebling gehört.

Spannend wird es am Sonntag in Aumühle bei der Wahl der Gemeindevertretung. „Meinen Abschied habe ich mir anders vorgestellt, aber so einfach werde ich nicht aufgeben“, sagt Bürgermeister Dieter Giese (75). Nach 13-jähriger Amtszeit wurde er von seiner eigenen CDU-Fraktion nicht mehr als Kandidat aufgestellt. Giese hat Konsequenzen gezogen und wirbt jetzt als „wählbarer Bürger“ um Stimmen.

Das geht auch ohne Fraktion. Ebenso erging es CDU-Fraktionschef Rolf Czerwinski (65). Auch er wurde nicht aufgestellt. „Es macht mir Spaß, und ich fühle mich verantwortlich für die Gemeinde“, nennt Giese seine Beweggründe, eine weitere Wahlperiode anzuhängen. Er habe stets einen konservativen, gemäßigten Stil gepflegt, der einigen jungen Leuten wohl nicht behagt habe. Besonders bitter empfinde er allerdings, dass er erst zwei Tage vor der Mitgliederversammlung erfahren habe, dass er raus aus dem Team sei.

Das sieht der CDU-Vorsitzende Henning Teetz (35) anders. Man habe oft versucht, miteinander zu reden. „Aber irgendwann waren die Fronten verhärtet.“ Zum Schluss sei sogar der Bundestagsabgeordnete Norbert Brackmann aus Lauenburg als Mediator gerufen worden. Sollte es Giese gelingen, erneut in die Gemeindevertretung zu kommen, stehen auch die Chancen, Bürgermeister zu werden, nicht schlecht.

Schon bei der vergangenen Wahl hatte sich die ebenfalls der Gemeindevertretung angehörende UWG klar hinter Giese gestellt.


Kommunalwahl
2013

M. Stein, S. Geercken, N. Dreessen und J. Burmeste