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Lauenburg Digitalfunk: „Kameraden lachen schon“
Lokales Lauenburg Digitalfunk: „Kameraden lachen schon“
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09:26 22.10.2014
„Wenn die Geräte aber einmal da sind und funktionieren, wird sicher auch die Akzeptanz da sein.“ Olaf Schulze, SPD-Landtagsabgeordneter
Ratzeburg

Ab 2016 sollten nach den letzten Plänen Feuerwehren, Rettungsdienst und Katastrophenschutz im Kreis auf den Digitalfunk umgestellt werden. Das ist zehn Jahre später als die ursprünglich zur Fußball-Weltmeisterschaft 2006 vorgesehene Einführung. Doch auch dieser Termin steht schon wieder in Frage — weil auf Landesebene geschlampt wurde. Die Bekanntgabe von Verzögerungen ist inzwischen auf jeder Feuerwehr-Versammlung ein Running-Gag. Dabei geht es um rund 2200 Handfunk-, Fahrzeugfunkgeräte und Anlagen in den Gerätehäusern und den Zentralen.

„Wenn das Thema Digitalfunk-Einführung bei einer Veranstaltung aufgerufen wird, geht immer ein mindestens Raunen durch den Raum. Oft lachen die Kameraden schon“, sagt Kreiswehrführer Michael Raddatz.

Die Reaktion der Mitglieder sei aus seiner Sicht auch zu Recht so. „Wir sind es leid und wollen die neuen Geräte endlich haben.“

Doch auch nach einer erfolgreichen Ausschreibung sieht Raddatz weitere Herausforderungen kommen — vor allem für die Werkstätten und Wehren. „Das Nachrüsten der Fahrzeuge für den neuen Funk ist noch eine ganz andere Baustelle“, sagt der Kreiswehrführer. „Das ist bei den ganzen neuen Kabeln eine abenteuerliche Angelegenheit“, so Raddatz. Vorteil der vielen Verzögerungen sei immerhin, dass viele der in den letzten Jahren angeschafften neuen Fahrzeuge bereits für den Digitalfunk vorbereitet seien. „Das erleichtert die Umstellung zumindest bei einem Teil der Fahrzeuge“, sagt Raddatz. Zu den betroffenen Ortswehren gehört die Feuerwehr Büchen. Dort holen die Kameraden heute ein neues Fahrzeug beim Hersteller ab. „Da haben wir natürlich einen kleinen Vorteil“, sagt Wehrführer Christian Bretzke.

Beim DRK-Kreisverband ist man zwar weniger betroffen, hat mit den Feuerwehren aber Mitleid. „Wir als DRK wären mit den Katastrophenschutz-Einheiten in den Ortsverbänden ohnehin als letzte ausgerüstet worden“, sagt DRK-Kreis-Geschäftsführer Stefan Krause. Aber „die Jungs bei der Feuerwehr“ täten ihm schon etwas leid, gesteht Krause. Ähnlich sieht das Stefan Fehrmann, Geschäftsführer beim DRK Schwarzenbek: „Mich erschreckt bei dieser Sache nichts mehr. Aber uns betrifft das nicht besonders. Wir funken sowieso nicht so viel — und benutzen sonst das Handy“, sagt Fehrmann.

Bereits gute Erfahrungen hat das Technische Hilfswerk im Kreis mit dem Digitalfunk gemacht. „Als THW benutzen wir die Geräte schon länger und sind sehr zufrieden“, sagt Andreas Timmermann, Ortsbeauftragter THW Ratzeburg. Im Zuge einer bundesweiten Beschaffung hätten sie die Geräte schon vor Jahren erhalten. „Während der Elbeflut konnten wir als THW der Feuerwehr einige Geräte quasi zum Test unter Realbedingungen erfolgreich zur Verfügung stellen“, sagt Timmermann. Durch das hohe Elbufer hatte es in Lauenburg immer wieder Probleme mit analogen Verbindungen bei Einsätzen gegeben.

Kritik an den Problemen kommt auch vom lauenburgischen SPD-Landtagsabgeordneten Olaf Schulze. „Das ist schlecht und es muss sichergestellt werden, dass es nun nicht noch weitere Verzögerungen gibt“, sagt Schulze. Wenn die Geräte aber einmal da seien und funktionierten, werde sicher auch die Akzeptanz da sein.

Holger Marohn