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Lauenburg Dilemma bei Planung der Möllner Mobilitätsdrehscheibe
Lokales Lauenburg Dilemma bei Planung der Möllner Mobilitätsdrehscheibe
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20:43 12.04.2019
Am Möllner Bahnhof, hier ein Bild aus dem Jahre 2016, ist zu wenig Platz für eine Mobilitätsdrehscheibe, sagen Experten. Die Stadtwerke hatte das Gebäude gekauft, um dort in einer sanierten Wartehalle ein Kundencenter zu eröffnen. Quelle: Grombein
Mölln

Die Planungen für eine Mobilitätsdrehscheibe in Mölln stecken fest. Das Dilemma: Am Bahnhof fehlt der Platz für einen zentralen Busbahnhof und für den Bau eines Kreisverkehrs, der den Verkehr auch für die neuesten Gelenkbusse mit großem Wendekreis in die Straßen vor Ort verteilen könnte. Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle Studie. Am Zob sehen die externen Planer einer Machbarkeitsstudie zwar bessere Bedingungen für Busse, jedoch hält dort bekanntlich kein Zug. Wenn Pendler etwa 500 Meter vom Zob bis zum Bahnhof gehen müssen, ist die Idee einer Drehscheibe für sämtliche Verkehrsteilnehmer aber stark aufgeweicht.

„Wir werden dieses Problem heute nicht abschließend klären“, sagte Uwe Schlegel (SPD), Vorsitzender des Bauausschusses am Donnerstag am Ende nach einer fast abendfüllenden Diskussion. Eine Entscheidung darüber, wie es weitergeht, ist zur Beratung in die Fraktionen verwiesen worden. Verwaltung und Politik hörten zuvor den Vortrag eines Mitarbeiters des Ingenieurbüros „Masuch + Olbrisch“ aus Oststeinbek, das die Aufgabe hatte zu prüfen, ob es möglich sei, die Mobilitätsdrehscheibe am Bahnhof zu ermöglichen.

Kernprojekt des klimafreundlichen Verkehrskonzeptes

Zum Hintergrund: Im Klimafreundlichen Verkehrskonzept von 2013 ist die Mobilitätsdrehscheibe eines der Kernprojekte. Mit einer Mobilitätsdrehscheibe sei laut Verwaltung die Verknüpfung der verschiedenen Angebote des öffentlichen Verkehrs, aber auch der Verkehrsträger insgesamt inklusive Bahn, Bus, Taxi , Fahrrad und Auto gemeint. In den vergangenen Jahren hatte die Verwaltung unter anderem eine verschließbare Fahrradgarage und moderne Schließfächer für Fahrräder am Bahnhof mit Fördergeldern realisiert.

Die Ideen der Stadtvertreter zu einer Lösung waren am Donnerstag vielfältig. So wurde unter anderem der Vorschlag gemacht, einen zweiten Bahnhalt am Zob zu errichten. Manfred Kuhmann, Leiter der Baubehörde, berichtete, dass die Verkehrsaufsicht sich zum Thema geäußert hätte. Dort werde ebenfalls der Standort Zob favorisiert. Auch die Idee, den Bahnhalt zum Zob zu verlegen, wäre grundsätzlich förderfähig. Der Fachmann für Bauwesen, Horst Kühl (CDU), brachte sogar einen Lift vom Zob zum etwas höher gelegenen Bahngleis ins Gespräch.

„Wir brauchen die Mobilitätsdrehscheibe. Am Bahnhof wäre sie eine Eulenspiegelei. Sie geht nur am Zob“, sagte Dieter Ruhland (FDP). Auch Jörg Steffen (CDU) stimmte Ruhland weitgehend zu. Seine Partei sei schon von Anfang an skeptisch gewesen, was die Verlegung der Mobilitätsdrehscheibe zum Bahnhof betreffe. Auch Horst Flöter (FMW), sieht den Standort am Bahnhof in Anbetracht des Ergebnisses der neuesten Machbarkeitsstudie mit Skepsis. Kühl sagte, eine Mobilitätsdrehscheibe zu 100 Prozent am Bahnhof, funktioniere nicht. Er empfehle, alles zu tun, um den Bahnhof dort zu behalten, wo er jetzt sei. Er sprach sich für einen weiteren Bahnhalt aus. Er verstehe, dass die Verkehrsaufsicht den Zob favorisiere. Aber sicher nur, weil das die einfachste Lösung sei.

Stadtwerke haben altes Bahnhofsgebäude gekauft

Gegen eine Verlegung des Bahnhofs sprach sich hingegen Bürgermeister Jan Wiegels (SPD) vehement aus. Die Bahn habe den Bahnsteig in Mölln bereits ausgebaut. „Ich bin gespannt, wie wir das der Bevölkerung verkaufen wollen“, sagte er. Er verwies darauf, dass das sanierungsbedürftige Bahnhofsgebäude an die Grundstücksgesellschaft der Stadtwerke verkauft worden sei. Das neue Kundenzentrum der Stadtwerke soll im alten Bahnhofsgebäude entstehen. Außerdem stünden andere finanzielle Herausforderungen in Mölln an. So etwa die Sanierung zweier Schulstandorte für geschätzt 30 Millionen Euro. „Für eine zweite Bahnhaltestelle würden wir ausgelacht werden“, erklärte auch Schlegel (SPD).

Regina Hälsig sprach sich für eine Mobilitätsdrehscheibe am Bahnhof aus. Sie kritisierte die neue Machbarkeitsstudie in Gänze. Sinngemäß zeige sie nicht genug Möglichkeiten auf und sei zu sehr auf ein Konzept fokussiert. Ihr fehle vor allem die Anbindung des Radverkehrs am Bahnhof. Sie schlug vor, weitere Varianten am Bahnhof zu prüfen.

Das Thema wird um einiges komplizierter werden, wenn der in Bau befindliche Fahradschnellweg durch Mölln mit der Mobilitätsdrehscheibe in Einklang gebracht werden soll. Denn auch Fahrradwege brauchen Platz.

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ZITAT: „Ich bin gespannt, wie wir das der Bevölkerung verkaufen wollen.“ Jan Wiegels, Möllner Bürgermeister

Florian Grombein

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