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Lauenburg Diskussion um Kartierung für Ortsumfahrung
Lokales Lauenburg Diskussion um Kartierung für Ortsumfahrung
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11:37 20.10.2018
Ortsumgehung Quelle: Timo Jann
Lauenburg

 Morgens um halb elf in Lauenburg. Auf den Tischen im Saal des ehemaligen Awo-Hauses der Begegnung steht Mineralwasser. Um beim Blick aus dem Fenster könnte man diesen vom Südbalkon Schleswig-Holsteins über die Elbniederung bis weit nach Niedersachsen hinein schweifen lassen – Wenn die in Herbstfarben leuchtenden Blätter der Bäume uns Büsche bereits gefallen wären.

Entlastung für 1200 Anwohner

Es ist ein Ort mit Symbolkraft, den die Veranstalter für den Scoping-Termin zur Ortsumgehung gewählt haben. Denn durch Teile dieser Niederung zwischen Elbe und Elbe-Lübeck-Kanal soll der östliche Teil der Umfahrung geführt werden. Oder er ist einfach nur gewählt worden, weil es nicht viele Räume in der Stadt gibt, der Platz zum diskutieren für etwa 40 Menschen hat, so wie sie an diesem Morgen gekommen sind.

Erst wird die Ostumgehung geplant

„Wir wollen hier heute über unseren Vorschlag zum vorläufigen Untersuchungsraum und die zu führenden Untersuchungen diskutieren“, sagt Landschaftsarchitektin Kerstin Berg. Berg ist vom Landesbetrieb mit den Vorplanungen beauftragt, die hoffentlich in zehn oder 15 Jahren einmal in einer Entlastung für etwa 1200 Anwohner der Lauenburger Hafenstraße münden. Dass es derzeit überhaupt möglich sei, mit den Planungen zu beginnen, sei dem Umstand zu verdanken, dass das Land die Planung der Autobahnen an den Bund abgegeben habe.

Marode Elbbrücke ein Problem

Insgesamt vier Varianten sind derzeit in der Überlegung. Sie alle haben ihren Ausgangspunkt an der B 209 südlich der Kanalbrücke. Auf verschiedenen Routen queren sie die Bahngleise und umfahren oder queren das Industriegebiet. Vor allem aber der Ausgangspunkt ist eine Grundlage, den die Stadt Lauenburg so nicht mal eben akzeptieren will. „Wir sollten in jedem Fall noch einmal über die Elbbrücke nachdenken“, warnt Lauenburgs Bauamtsleiter Reinhard Nieberg mit Hinweis auf den schlechten Zustand des Bauwerkes. Schon jetzt dürfen keine Autos über die Brücke fahren, wenn ein Zug kommt – Einsturzgefahr.

Hunderte Lastwagen schieben sich derzeit aus Niedersachsen kommend durch die Lauenburger Hafenstraße. Das soll sich mit der Ortsumgehung Ost ändern. Als problematisch gilt aber auch der bauliche Zustand der Lauenburger Elbbrücke. Quelle: Holger Marohn

Niebergs Befürchtung: Wenn in zehn oder 15 Jahren die Ortsumgehung eröffnet wird, stellt man fest, dass die Elbbrücke erneuert werden muss. Die Chance, den Autoverkehr bei einer neuen Brücke dann auf die andere Seite zu legen und damit viele Verkehrsprobleme zu lösen wäre dann vertan oder eine neue Brücke der Ortsumgehung über die Bahngleise umsonst gebaut. „Mal ganz einfach gesagt: Lassen Sie uns doch jetzt das Geld für eine neue Brücke über die Bahn sparen und lieber an Anteil für eine neue Elbbrücke nutzen“, fordert Nieberg.

Vier Varianten für Ostumgehung derzeit

Straßenbauvertreterin Britta Lüth kann den Wunsch nachvollziehen. „An eine neue Elbbrücke wird auch von uns gedacht“, sagt Lüth. Die gehöre jedoch der Bahn. Allerdings habe die Brücke tatsächlich schlechte Bauwerksnoten. „Wenn man sich aber ernsthaft den Raum anschaut, ist der Neubau einer Elbbrücke nicht etwas, was man mal eben macht“, gesteht Lüth. Vertieft wird das Thema daher nicht weiter im Laufe des Tages.

Vier Varianten sind in diesem frühen Planungsstadium im Gespräch. Und bei diesem ersten Termin geht es darum, sich überhaupt erst einmal mit den Vertretern von Stadt und Gemeinden, Vorhabenträgern, Wasserverbänden und Naturschutzverbänden über einen Untersuchungsraum zu verständigen. Und je größer der ist, desto räumlich umfangreicher müssen später auch die Gutachten werden.

BUND macht Vorschläge

Doch nicht nur von der Stadt kommen Vorschläge. BUND-Vertreter Hans-Heinrich Stamer könnte sich sogar vorstellen, vor der Lauenburger Schleuse eine zusätzliche Brücke über den Kanal zu bauen, die anschließend auch noch die Bahnlinie quere und den Verkehr so in das Industriegebiet zu führen. Dann müsse man nicht in die Niedermoorgebiete der Elbniederung, so seine Argumentation. „Wir können das aufnehmen. Allerdings müssen wir prüfen, ob damit überhaupt noch die eigentlichen Ziele der Umgehung erreicht werden“, sagt Lüth mit Blick auf die gewünschte Entlastung der Bürger und den Hochwasserschutz als definierte Ziele des auf rund 17 Millionen Euro Kosten geschätzten Projektes. Schließlich gehe es nicht darum, nur einen Teil – in diesem Fall die Natur – zu schützen.

Als es um die Untersuchungen zum Schutz von Flora und Fauna mit den zu untersuchenden Arten und die erforderlichen Gutachten und Kartierungen geht, macht sich Stamer aber auch Sorgen um den Seeadler. „Seeadler werden regelmäßig auf Straßen totgefahren“, sagt der BUND-Umweltexperte. Eine Berücksichtigung des Seeadlers hätte möglicherweise zur Folge, dass der Untersuchungsraum vergrößert werden müsste.

Die Aussage zum Seedlerkonflikt mit Straßen wird auf konkrete LN-Nachfrage von Thomas Neumann von der Projektgruppe Seeadlerschutz allerdings stark relativiert. „Dass Seeadler im Straßenverkehr umkommen, kommt sehr selten vor“, sagt das WWF-Mitglied. Viel gefährlicher seien die Hochgeschwindigkeitsstrecken der Bahn. Es seien gerade Jungtiere, die noch nicht gelernt hätten, selbst zu jagen. Diese würden auf an den Gleisen umgekommene Tiere aus sein.

Allerdings ist auch strittig, in wieweit der Seeadler tatsächlich in den Lauenburger Aue- und Söllerwiesen regelmäßig unterwegs ist. „Einen Seeadler habe ich da noch nie gesehen. Und ich wohne hier“, sagt Dirk Spiewok, Bürgermeister der Gemeinde Nostorf. „Ein zufälliges Überfliegen eines Seeadlers spielt für die zu führenden Untersuchungen keine Rolle“, sagt Dr. Ulrich Mierwald vom Kieler Institut für Landschaftsökologie.

Nicht alle Unterlagen bekannt

In anderen Bereichen bringt der Scoping-Termin hingegen konkrete praktische Hinweise. So weist die Untere Naturschutzbehörde (UNB) auf aktuelle Erhebungen des Wasser- und Bodenverbandes hin. Auch zur Brenndolde gibt es aktuelle Kartierungen. Alles Unterlagen, die den vom Land beauftragten Planern bislang nicht bekannt waren. „Wir sind dankbar für jeden Hinweis“, sagt Berg.

In einem anderen Bereich stoßen die Fachleute der Ratzeburger UNB allerdings an ihre Grenzen. Mit den in den Unterlagen genannten Codes verschiedener Methodikblätter könne man nicht viel anfangen. „Wir sind Gott sei Dank nicht ständig damit beschäftigt, Straßenbauprojekte zu betreuen“, sagt eine Mitarbeiterin. Diese Verweise würden daher „nicht der Erhellung“ dienen. Die Fachplaner zeigen Verständnis und geloben Besserung.

Nach knapp vier Stunden und damit eine Stunde früher als eingeplant herrscht über den Untersuchungsraum und die im ersten Untersuchungsschritt zu kartierenden Arten schließlich weitgehend Einigkeit. Im kommenden Jahr sollen nun die Kartierungen vorgenommen und damit ein weiterer Schritt in Richtung Lauenburger Ortsumgehung gemacht werden.

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Holger Marohn

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