Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Lauenburg Domsanierung: Gerüst an Ratzeburgs „Mutterkirche“ bleibt 2019 stehen
Lokales Lauenburg Domsanierung: Gerüst an Ratzeburgs „Mutterkirche“ bleibt 2019 stehen
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
08:02 22.04.2019
Der Dom zu Ratzeburg wird saniert: Nach der Eindeckung des Turmdachs mit neuen Kupferplatten werden nun die Schäden im Mauerwerk behoben. Blick von Südosten vom Eiscafé Bruhn auf den Dom. Quelle: Joachim Strunk
Ratzeburg

 Der Vergleich zwischen der römisch-katholischen Kathedrale Notre-Dame de Paris („Unsere Liebe Frau von Paris“, womit die Mutter Jesu, Maria, gemeint ist) und dem ebenfalls Maria und dem Evangelisten Johannes geweihten Dom zu Ratzeburg bringt einige Parallelen zutage.

So sind beide Häuser fast gleichaltrig. Welfenkönig Heinrich der Löwe ließ die Ratzeburger Kirche ab 1160 erbauen, sein königlicher „Kollege“ in Frankreich, Ludwig VII., begann drei Jahre später mit seinem Werk.

So sieht es heute am Gotteshaus aus – und so nach dem Brand von 1893

Beide Kirchen kamen glimpflich davon

Beide Kirchen haben – mindestens – einmal heftig gebrannt. Notre-Dame gerade erst in dieser Woche, beim Ratzeburger Dom ist es schon etwas länger her, nämlich fast 126 Jahre. Denn es war ein Augustgewitter, als der Blitz in den Turm und das Hauptdach einschlug. Zur Folge hatte es einen großen Brand, der damals – 1893 und in den Folgejahren – deutschlandweite Beachtung fand, wie der Ratzeburger Geschichtswissenschaftler Dr. Horst Otto Müller in seinem umfangreichen Werk „Ratzeburger Dom. Fotografische Facetten“ 2016 berichtet.

RatzeburgsMutterkirche“, wie sie der derzeitige Domprobst Gert-Axel Reuß einmal bezeichnete, kam – wie hoffentlich auch Notre-Dame jetzt – vergleichsweise glimpflich davon. So hieß es in dem bebilderten Artikel in der Familienzeitschrift „Vom Fels zum Meer“ 1894: „Zum Glück hat die durch einen Blitz entstandene Feuersbrunst nur den Turm und das Aeußere des Daches zerstört, während das Gewölbe des Mittelschiffs sogar der Wucht des kleineren Turms widerstand, der brennend auf das Gewölbe niederstürzte“.

Alter und Witterung erfordern Restaurierung

Die vielen Kunstschätze im Innenraum der Kirche – Hochaltar, geschnitzte Epitaphien, die Kanzel, eine Anzahl aus dem 14. und 15. Jahrhundert stammenden Gemälde – blieben „dank dem sicheren Gewölbe wohl erhalten, nur ein grosser messingener Kronleuchter . . . fiel ins Kircheninnere vor dem Hauptaltar nieder, ohne indes nennenswerten Schaden anzurichten“.

Beide Kirchen wurden oder werden zudem gerade restauriert. Was allerdings nicht verwunderlich ist angesichts des Alters und bezüglich der Witterungsverhältnisse, denen die Gotteshäuser ausgesetzt sind. Und das trifft im Übrigen auf fast alle mittelalterlichen Kirchen in Europa zu, die ständig überprüft, saniert und restauriert werden müssen.

Brandschutz im Dom

Laut Domprobst Gert-Axel Reuß gibt es auch im Dom zu Ratzeburg eine regelmäßige Brandverhütungsschau: „Tatsächlich sind wir gerade dabei – ganz unabhängig von dem aktuellen Anlass in Paris – das Brandschutzkonzept für den Ratzeburger Dom und das Kloster zu überarbeiten.“

Der aktuelle Stand sehe so aus: Im Turm des Ratzeburger Doms gibt es ein ausreichend dimensioniertes Rohr (Steigleitung), durch welches Wasser auf die Höhe des Dachstuhls (Kirchenschiff) gepumpt werden kann.

Es gibt Brandschutztüren, die das Dach des Kirchenschiffes unterteilen (Apsis und Vierung – Hauptschiff – Turm). Es gibt ein horizontal verlegtes Rohr, durch welches das Wasser, nachdem es auf die nötige Höhe gepumpt worden ist, an die richtige Stelle gebracht werden kann. Allerdings gebe es derzeit „keine Steigleitung bis auf die Höhe des Turmhelms“.

Auch existiert noch keine Brandmeldeanlage (Standleitung), die mit der Feuerwehr verbunden ist. Allerdings sei eine Aufstellfläche für das Teleskop-Mast-Fahrzeug der Ratzeburger Feuerwehr gerade neu befestigt worden – für den Fall eines „Löschangriffs“. Weitere zwei Aufstellflächen waren zuvor schon ausreichend befestigt worden. Auch sei die Ratzeburger Wehr mit den Örtlichkeiten vertraut.

In Ratzeburg stand im vergangenen Jahr die Erneuerung des kupfernen Turmdaches an. Domprobst Gert-Axel Reuß: „Vorgesehen war, dass die Arbeiten im Oktober 2018 zum Abschluss kommen. Zugleich wollte man das Gerüst gerne nutzen, um das Mauerwerk zu begutachten.“

Dabei allerdings stellte sich heraus, so Reuß, dass die Schäden am Mauerwerk größer waren als gedacht: ausgewaschene Fugen, Abplatzungen an den Backsteinen, teilweise hatten sich Steine gelockert und es gibt Korrosionsschäden an den Mauerankern.

Detailliertes Schadensbild für Kosten erforderlich

Das zuständige Gebäudemanagement Schleswig-Holstein der Nordkirche gab daher in Auftrag, die Schäden am Mauerwerk aufzunehmen, um ein detailliertes Schadensbild zu erhalten.

„Dazu gehört auch eine Bestimmung beziehungsweise Untersuchung, welcher Art die Schäden sind in der Beschaffenheit der verwendeten Steine und des Mörtels“, so Reuß. Erst danach könne festgelegt werden, wie die neuen Steine beschaffen sein müssen (Härtegrad des Steins), welcher Mörtel in Frage komme (muss zum bisher verwendeten Mörtel passen) und wie hoch die Kosten der Sanierung sein werden.

Uhu hat Arbeiten etwas verlangsamt

Die bisherigen Arbeiten gehen derweil voran. Reuß: „Die Dacheindeckung macht große Fortschritte und wird wohl bis zum Sommer zum Abschluss kommen. Die Maueranker werden ebenfalls saniert.“ Nur das zu warme Wetter im vergangenen Jahr und die gute Konjunktur (die Firmen wüssten nicht, wo sie zuerst ihre Aufträge abarbeiten sollten) hätten den Fortgang der Arbeiten etwas behindert.

Zudem spielte der Naturschutz bei den Restaurierungsarbeiten eine Rolle. Denn aus Rücksicht auf den am Dom brütenden Uhu konnte das Gerüst nicht so schnell aufgebaut werden wie geplant.

Kollekte am Ostersonntag für Notre-Dame

„Im nächsten Schritt werden wir uns um die Finanzierung der nötigen Maßnahmen bemühen“, erläutert der Domprobst. „Von daher kann ich beim besten Willen nicht sagen, wann alles fertig ist und das Gerüst wieder abgebaut werden kann.“ Für dieses Jahr 2019 müssen sich die Ratzeburger und alle Besucher daher wohl auf einen „gerüsteten“ Dom einrichten.

Apropos Finanzierung: Die Kollekte in den Gottesdiensten der Kirchen am Ostersonntag soll dem Wiederaufbau von Notre-Dame in Paris zugute kommen. Es ist nicht unwahrscheinlich, dass die Kirche nach Feststellung der Kosten für die Domsanierung in den nächsten Wochen oder Monaten auch noch einmal für das hiesige Gotteshaus um Spenden bittet.

So funktioniert der Brandschutz in Lübecks Kirchen

Joachim Strunk

Einst absichtlich oder versehentlich eingeschleppt, bedrohen immer mehr Pflanzen und Tiere aus fremden Regionen die heimische Flora und Fauna. Der Aufwand, diese invasiven Arten einzudämmen ist groß.

21.04.2019

Am Rande der Kleingartenanlage in der Rülau in Schwarzenbek ist am Samstagabend ein Osterfeuer außer Kontrolle geraten. Die Feuerwehr musste zum Löschen anrücken.

21.04.2019

Auf einer Weide bei Klinkrade wurden am Sonnabend ein totes Lamm und ein totes Muttertier entdeckt. Spuren deuten erneut auf einen Wolf hin.

20.04.2019