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Lauenburg Geesthachter Labormediziner Dr. Detlef Kramer ist gestorben
Lokales Lauenburg Geesthachter Labormediziner Dr. Detlef Kramer ist gestorben
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15:32 08.05.2019
Dr. Detlef Kramer Quelle: LADR
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Geesthacht

Dr. Detlef Kramer ist tot. Der bekannte Arzt und geschätzte Unternehmer aus Geesthacht starb im Alter von 75 Jahren während einer Vorstellung der Niederdeutschen Bühne im Kleinen Theater an der Schillerstraße (KTS). Völlig unerwartet und vermutlich an plötzlichem Herztod. Von einem Schlaganfall, den er vor gut einem Jahr erlitten hatte, hatte er sich wieder erholt und war voller Tatendrang.

Dr. Detlef Kramer Quelle: TIMO JANN

„Der Schock sitzt natürlich tief, wir waren ihm sehr verbunden. Er hat vor 25 Jahren als Spielstätte für uns ja das Kleine Theater gebaut“, erklärt Marianne Kurtz, die Vorsitzende der Niederdeutschen Bühne. „Alleen – mit Utsichten“ lief gerade erst etwa 20 Minuten, als Kramer auf seinem Sitz zusammensackte. Bemühungen, ihn zu reanimieren, wurden durch das alarmierte Notarztteam nach gut 45 Minuten beendet. Die Vorstellung im KTS wurde schon während der Rettungsversuche abgebrochen, die fast 300 Zuschauer durch den Hintereingang aus dem Saal geführt.

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An der Universität Lübeck promoviert

Detlef Kramer hatte 1973 an der Universität Lübeck promoviert und war dann nach der Facharztausbildung 1977 in die von seinem Vater Siegfried 1945 mit Genehmigung der Alliierten gegründete Laborpraxis an der Lauenburger Straße in Geesthacht eingestiegen. Über die Jahrzehnte entwickelten Detlef und Siegfried Kramer die LADR zu einem der größten Anbieter für Labormedizin in Deutschland mit heute bundesweit 3400 Mitarbeitern in und um 15 regionale labormedizinische Versorgungszentren. Mit Prof. Dr. Jan Kramer (Internist und Laborarzt) ist bereits die dritte Generation in der ärztlichen Leitung und Geschäftsführung aktiv, sein Bruder Dr. Tobias Kramer (Facharzt für Hygiene- und Umweltmedizin und Medizinischer Mikrobiologe) wird ab Januar hinzukommen. 11 000 unterschiedliche Untersuchungsverfahren können im LADR vollzogen werden, 370 Krankenhäuser und mehr als 20 000 Ärzte gehören zu den Einsender der LADR-Labore. Allein am Standort Geesthacht beschäftigt das LADR 421 Mitarbeiter. 420 Mitarbeiter sind beim verbundenen Serviceunternehmen Intermed in Düneberg beschäftigt.

Stadt Geesthacht würdigt den Verstorbenen

„Das ist ein großer Verlust für die Stadt. Herr Dr. Kramer war stets ein sehr hilfsbereiter Mensch, der auch der Kunst sehr zugeneigt war“, sagte Bürgermeister Olaf Schulze. „Die Stadt Geesthacht hat es Dr. Kramer zu verdanken, dass es dieses schöne Kino und Theater gibt. Mit seinen regelmäßigen Besuchen bei diversen Vorstellungen war er seit dem Bau immer präsent im KTS“, berichtet Meike Peemöller, die Geschäftsführerin des Kleinen Theaters.

Detlef Kramer wurde am 4. Oktober 1943 im Ostseebad Graal-Müritz geboren. In einer Nacht, in der in der Nachbarschaft Bomben fielen. Tags darauf flüchteten seine Eltern Margot und Siegfried mit ihm und seinem Bruder nach Seehausen. Von seinem Vater hatte er die Glasknochenkrankheit, über die Siegfried Kramer einst promoviert hatte, geerbt. Mehr als 70 Knochenbrüche zeichneten sein Leben. Und die 50:50-Chance, dass auch er seinen Kindern die Krankheit vererbt, trat ein. Die Söhne Jan und Tobias sowie Tochter Frauke haben ebenfalls Glasknochen. Von 1950 an besuchte Detlef Kramer die Buntenskampschule, morgens holten ihn im Winter meistens Schulfreunde ab, um ihn bei Schnee und Eis zu stützen, sollte er ausrutschen. Die vierköpfige Familie lebte erst in zwei Räumen des Susannenhauses in Edmundtshal, zog dann an die Lauenburger Straße. „Unten gab es vier Laborräume, oben hat die Familie gelebt“, berichtet Jan Kramer. Noch heute ist diese Keimzelle der Praxis das Herz des Laborbetriebs. Am Otto-Hahn-Gymnasium machte Kramer schließlich 1964 sein Abitur und begann direkt im Anschluss in Würzburg ein Medizinstudium. Dort hatten sich seine Eltern kennengelernt. 1971 legte er sein erstes Staatsexamen ab, 1972 folgte die Approbation als Arzt und ab 1974 war er bereits während seiner Facharztweiterbildung an der Medizinischen Hochschule Hannover regelmäßig zur Unterstützung seines Vaters in Geesthacht. In dem Jahr wurde Jan Kramer geboren, 1977 Frauke. 1983 kam Tobias als Sohn in zweiter Ehe mit Heidelore Kramer zur Welt.

Einer der größten Laborverbunde Deutschlands

Im Laufe der Jahrzehnte machte Detlef Kramer mit seinen Mitarbeitern die LADR zu einem der größten medizinischen Laborverbunde in Deutschland. „Ich glaube im Grunde nicht, dass man im Leben einem festen Plan folgen kann“, sagte Kramer vor knapp einem Jahr. Damals hatte er gerade einen Schlaganfall überstanden. Er wäre gerne Landwirt oder Förster geworden. Doch dann ging es darum, Entscheidungen als Arzt und als Unternehmer zu kombinieren. „Wir sind eines der ganz wenigen Labore in Deutschland, die sich in ärztlicher Familienhand befinden. Das war und ist uns auch wichtig. Das Ärztliche bestimmt unser Leitbild, unternehmerisch nutzen wir Chancen“, sagt Jan Kramer. Er und sein Bruder halten es so, wie es sein Vater hielt – mit dem gesamten Team Chancen erkennen und nutzen. „Dass ich hier beginne, haben wir länger verabredet und ich denke, Vater hätte es gerne erlebt“, sagt Tobias Kramer, der derzeit an der Berliner Charité arbeitet. 2009 war Jan Kramer zum LADR dazugekommen, 2012 stieg er in die ärztliche Leitung und Geschäftsführung ein. „Mein Vater war nicht nur für mich, sondern auch für viele Mitarbeiter, immer ein väterlicher Mentor. Er hatte seine Antennen stets auf Empfang gestellt und war immer ansprechbar. Er konnte gut abgeben und war offen für Ideen der Mitarbeiter“, beschreibt Jan Kramer seinen Vater, der Facharzt für Laborationsmedizin, Virologie, Mikrobiologie und Infektionsepidemiologie sowie Sachverständiger für Abstammungsgutachten war.

Viele soziale Aktivitäten

Dass Detlef Kramer vor 25 Jahren das Kleine Theater an der Schillerstraße bauen ließ, ist bekannt. Aber über den Rotary-Club engagierte er sich auch sonst für viele Projekte, blieb dabei aber unter dem Mantel des Serviceclubs im Hintergrund. „Den Mut zu haben, auch mal hart am Wind zu segeln, wie er als Segler oft sagte, hat sein Wirken hier beeinflusst. Das Segeln hart am Wind wie die Führung unserer Praxis und des Unternehmens funktioniert nur im Team gut“, berichtet Jan Kramer. „Auf die Akzeptanz von Lösungen, die wir alle hier gemeinsam erarbeitet haben, war immer Verlass“, sagt er. Am Sonnabend endete dieser Weg unerwartet. „Wir sind den Menschen, die sich in dem Moment um unseren Vater, aber auch um unsere Mutter gekümmert haben, sehr dankbar“, erklärt Jan Kramer, der Heidelore auch als seine Mutter bezeichnet. Bei ihr war er aufgewachsen. „Unsere Mutter hatte gleich Halt durch die Mitmenschen im Theater bekommen, das tat ihr gut. So unterschiedlich groß und alt beide auch waren, sie passten wunderbar zusammen“, sagt Jan Kramer.

Tickets für das Tina-Turner-Musical buchen und sein Elektroboot am Ratzeburger See zu Wasser lassen. Das waren die Pläne, die Dr. Detlef Kramer für diese Tage hatte.

Nächste Woche Freitag (17. Mai) soll es um 15 Uhr in der St.-Petri-Kirche am Spakenberg eine Trauerfeier zum Gedenken an den Verstorbenen geben. Die Beisetzung auf dem Waldfriedhof soll später im Familienkreis erfolgen. Anstelle von freundlich zugedachten Blumen oder Kränzen bittet die Familie im Sinne des Verstorbenen um eine Spende an den Rotary-Club Hohes Elbufer, mit dem Verwendungszweck Geesthacht unter der IBAN DE25 2305 2750 00006142 46.

Timo Jann