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Lauenburg Drei Schulklassen in Mölln wegen Lehrermangel aufgelöst
Lokales Lauenburg Drei Schulklassen in Mölln wegen Lehrermangel aufgelöst
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19:06 26.09.2019
An der Till-Eulenspiegel-Schule herrscht akuter Lehrermangel. Quelle: Florian Grombein
Mölln

Der landesweit akute Lehrermangel hat Mölln nun besonders hart erwischt. In der Till-Eulenspiegel-Schule (TES) müssen mehrere Klassen aufgelöst werden und Kinder auf übrige Klassen aufgeteilt werden. Sieben Vollzeitstellen für Lehrer sollen zwischenzeitlich nicht zu besetzten gewesen sein. Dazu kommen Krankheitsfälle. Die Folge: Der Klassenschlüssel erhöht sich in der Grundschule drastisch. Bis zu 28 Schüler jetzt eine vierte Klasse. Bei einem Infoabend durften Eltern allerdings nicht zu Wort kommen. Nach einem Monolog der neuen Direktorin machten Eltern ihrem Ärger am Rande der Versammlung Luft.

Belastungsgrenze der Lehrer ist erreicht

„Der Lehrermangel ist in Mölln angekommen. Und das geht an die Substanz. Die Belastungsgrenze ist für die Kollegen erreicht“, erklärt die kommissarische Schulleiterin der TES, Dany Rühe. Unterstützung vom Schulamt erhalte man vorerst keine. Die Lehrer könnten insgesamt 130 Stunden pro Woche nicht abdecken. Das habe es in der Schule noch nie gegeben, erinnerten sich auch langjährige Pädagogen an der TES auf der nun einberufenen Versammlung der Eltern der vierten Klassen. Rühe schilderte im voll besetzten Atrium der Astrid-Lindgren-Schule, wie es zur jetzigen Situation gekommen sei. Es habe nicht nur bei den Kindern, sondern auch bei einigen Lehrern Tränen gegeben. Doch ihr Eindruck sei, dass die Kinder insgesamt schnell mit der neuen Klasse klar kommen.

Drei Klassen aufgelöst: TES-Schulleiterin Dany Rühe erklärt den Eltern der vierten Klassen am Mittwochabend im Atrium der benachbarten Astrid-Lindgren-Schule, wie es dazu kam. Quelle: Florian Grombein

Schulleiterin unterbindet Kritik bei Versammlung

Sie wolle positiv in die Zukunft schauen und deshalb auch keine Diskussion im Rahmen der Versammlung zulassen. „In diesem Rahmen haben wir keine Zeit, darüber zu reden. Wenden sie sich bitte an ihre Elternvertreter“, bat Rühe. Darauf gab es Gelächter und Kopfschütteln im Saal. In den Klassen wurde dann unter Ausschluss der Öffentlichkeit weiter geredet. Die Schulleiterin wies Pressevertreter an, nicht mit in die Klassen zu gehen. „Unsere Kinder haben durch die Wechsel mehrere Enttäuschungen in kurzer Zeit erfahren“, sagte eine Mutter. Eine andere erklärte, die Ansprache der Schulleiterin gleiche einem Maulkorb. „Uns wurde von vornherein das Wort verboten“, sagte ein anderer Vater.

Studie zum Lehrermangel

Eine Studie der Bertelsmann Stiftungzeigt, dass bereits bis 2025 etwa 35 000 Lehrkräfte in Grundschulen fehlen. Insgesamt müssen bis einschließlich 2025 knapp 105 000 Grundschullehrer neu eingestellt werden. Davon entfallen etwa 60 000 auf den Ersatz ausscheidender Lehrkräfte. 26 000 Lehrer werden außerdem benötigt, um die Unterrichtsversorgung bei steigenden Schülerzahlen zu gewährleisten.

Für den Ausbau von Ganztagsschulenwerden weitere 19 000 Lehrer benötigt. Allerdings stehen im gleichen Zeitraum nur 70 000 regulär ausgebildete Absolventen für das Lehramt an Grundschulen zur Verfügung.

Für die Studie„Lehrkräfte dringend gesucht – Bedarf und Angebot für die Primarstufe“ der Bertelsmann-Stiftung sei der Bedarf an neu einzustellenden Grundschullehrkräften bis zum Jahr 2030 abgeschätzt und mit der zu erwartenden Zahl regulärer Absolventen der lehrerbildenden Hochschulen abgeglichen worden. Quelle: www.bertelsmann-stiftung.de

Rühe war erst am 11. September vom Schulleiter-Wahlausschuss zur neuen Schulleiterin der TES gewählt worden. Nach Ablauf einer Einspruchsfrist muss darüber noch das Bildungsministerium entscheiden. Die 47-Jährige sollte eigentlich erst im November ihren Dienst antreten. Doch wegen der akuten Lage trat sie nun direkt in Aktion. Parallel ist sie noch Klassenlehrerin. Eine ihrer ersten Amtshandlungen: Die Auflösung der 4 b. Bereits Anfang des Schuljahres war eine dritte Klasse aufgelöst worden. Und bereits in dieser Woche, so berichten Elternvertreter, muss auch noch eine zweite Klasse wegfallen. Um die Schulleitung hatte sich neben Rühe auch Kerstin Sturm beworben. Sie hatte acht Monate lang die kommissarische Leitung der Schule inne, nachdem Andreas Ahrends in den Ruhestand gewechselt war. Sturm hat sich nun aber dauerhaft krank gemeldet.

Größere Klassen, mangelnde Kontinuität

„Das ist nicht tragbar“, sagt Doris Woelke, Mutter eines Sohnes der 4 b, die gerade aufgelöst wurde. Die Elternvertreterin ist darüber verärgert, dass die Klasse ihres Sohnes in der jüngsten Vergangenheit viel hinnehmen musste. Erst bekamen die Schüler eine neue Klassenlehrerin, weil Kerstin Sturm als stellvertretende Schulleiterin die kommissarische Leitung von Ahrends übernahm. Dann nach kurzer Zeit der Gewöhnung wurde der gesamte Klassenverband aufgelöst, die Schüler wurden auf drei verschiedene Klassen aufgeteilt. Für sie bedeutet die Vergrößerung der Klassen auch, dass die Qualität sinkt. Schwächere Schüler und Kinder mit Integrationsbedarf bekämen dann immer weniger Aufmerksamkeit, glaubt die Elternvertreterin.

Laut Rühe ist die TES nicht die einzige Schule in Mölln, die von dem Lehrermangel betroffen ist. So sei der Lehrermangel in der Grundschule Tanneck vor einiger Zeit so gravierend gewesen, dass sogar der Hausmeister zum Unterrichten habe einspringen müssen.

Lehrer wollen nicht im Herzogtum Lauenburg arbeiten

Dany Rühe erklärte den Eltern beim Infoabend am Mittwoch, dass das Schulamt die Auflösung von Klassen angeordnet habe mit der Begründung, dass andere Schulen im Kreis größere Klassen hätten. An der TES gab es vor der Zusammenlegung Klassen mit einer Größe von 18 bis 23 Kindern. Die jetzigen Größen von Klassen mit maximal 28 Kindern seien in Schleswig-Holstein durchaus zulässig.

Schulrätin Katrin Thomas bestätigte die Zusammenlegung von Klassen aufgrund offener Stellen und Krankheitsfällen. Es handele sich um eine vorübergehende Lösung und es werde nach einer besseren organisatorischen Lösung gesucht. Der Kreis Herzogtum Lauenburg sei eines der Gebiete im Land, in denen großer Lehrermangel vorherrsche. Deshalb sei in Planung, dort finanzielle Anreize für Referendare zu bieten. Grundschullehrer verdienen noch immer wesentlich weniger als ihre Kollegen an Gemeinschaftsschulen oder Gymnasien. In Schleswig-Holstein liegt dieser Gehaltsunterschied etwa bei 500 Euro brutto.

Forderung nach unbefristeten Verträgen für Quereinsteiger

Aus diesem Anlass hat der Bundestagsabgeordnete Martin Habersaat gerade eine Große Anfrage zur Situation in den Grundschulen an die Landesregierung gerichtet. „Wir hören von Schulen mit einem bedenklich hohen Anteil nicht oder nicht fertig ausgebildeter Lehrkräfte und von Klassen, in denen nicht oder nicht fertig ausgebildete Lehrkräfte sogar den Großteil der Stunden unterrichten“, erklärt Habersaat. Unbefristete Verträge für Quereinsteiger gehören aus seiner Sicht ebenso zu den nötigen Maßnahmen wie ein Bekenntnis der Landesregierung zur dauerhaften Finanzierung der Schulassistenz.

Möllns Bürgermeister Jan Wiegels bedauerte die Situation in der Grundschule. Er sei von verschiedener Seite darauf angesprochen worden. Doch die Stadt stelle im Wesentlichen nur das Schulgebäude und können an der Situation nichts ändern. Der Fachkräftemangel sei Realität. Das gelte für den pädagogischen Bereich genauso wie für die Verwaltung. Vor dem Hintergrund der aktuellen Probleme wird der Druck auf die Stadt jedoch größer. Denn Sanierungen am Schulstandort Mölln in Millionenhöhe stehen an. Es besteht Raummangel und teils akuter Sanierungsbedarf.

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