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Lauenburg Ein Dorf im Dauerkrieg
Lokales Lauenburg Ein Dorf im Dauerkrieg
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08:06 13.04.2014
Es kann nur einen geben: Die Kontrahenten sind nicht auf Kuschelkurs. Quelle: Fotolia
Kuddewörde

Nachdem sich in den vergangenen Jahren bereits die Kommunalaufsicht und sogar Gerichte mit den Streitereien zwischen der CDU- und der BfK-Fraktion (Bürger für Kuddewörde) beschäftigen mussten, klingt der aktuelle Zwist fast harmlos, dafür um so grotesker: Eine geplante fröhliche Maibaumfeier wird bereits im Vorfeld von einem Disput überschattet, in dem einmal mehr die ewigen Kontrahenten, Wolfgang Gerlach (Alt- und wieder Neubürgermeister) und dessen Stellvertreter Hans-Joachim Conrad als Hauptdarsteller fungieren. Die beiden zeigen das Verhalten zweier alter Löwen, die sich beide in dieselbe Beute verbissen haben und nicht mehr loslassen können. Bis einer nicht mehr kann.Die Beute heißt Kuddewörde.Und das ist die nächste Runde im Dauerschlagabtausch Gerlach vs. Conrad: Bürgermeister Gerlach wollte in diesem Jahr wieder den Maibaum feierlich aufstellen lassen. Ganz so, wie man es zu früheren Zeiten, als er es bereits in seiner ersten Amtszeit von 1992 bis 2008 gemacht hatte. Der etwa zehn Meter lange Baumstamm wurde weiß gestrichen und bekam einige Jahre seinen Platz am Gemeindehaus, wo das Fest gefeiert wurde. 2008 führte dann Hans-Joachim Conrad (BfK) nach seiner Wahl zum Bürgermeister einen Neujahrsempfang in der Gemeinde ein und schaffte das Maibaumfest wieder ab. So ließ er irgendwann auch die Halterung für den Baum abbauen. „Da sollte ja der Spielplatz für die Kita entstehen, und das Ding war dort im Weg und musste weg“, sagte Conrad den LN. Was aus dem Maibaum geworden ist, wusste Conrad nicht. Er habe sich darum nicht gekümmert.Gerlach, wieder im Amt, suchte nun den Maibaum. Alles was er fand, war ein noch etwa fünf Meter langer Rest davon, der auf dem Gelände des Bauhofes im Gras neben einem alten Fahnenmast fast eingewachsen ist. An einem Ende ist der Baum allerdings abgesägt worden. Dieses Teil hat der neue Bürgermeister gefunden: Auf dem Spielplatz der Kita dient er als Marterpfahl. Was Wolfgang Gerlach zum nächsten Schlag gegen seinen Kontrahenten ausholen lässt: „Conrad hat den Baum zersägen lassen.“ Die BfK hält natürlich dagegen und behauptet, sie habe den „verschollenen“ Maibaum gefunden. Dass der aber nur fünf Meter lang und damit als Maibaum wegen der geringen Maße eher ungeeignet ist, verschweigt die BfK. Und Ex-Bürgermeister Conrad hebt die Hände: Er habe den Baum nicht zersägt, habe auch nichts angeordnet und wisse von nichts.Munter wird diese neue Schlacht im Dauerkrieg zwischen Conrad und Gerlach und ihren Parteien auch in den jeweiligen Info-Schaukästen ausgefochten. Aber das sind nur Scharmützel. Gern fahren die Kuddewörder Kampfhähne auch ganz andere Geschütze auf und bemühen Juristen und Behörden. So hat jüngst die BfK eine Dienstaufsichtsbeschwerde gegen Bürgermeister Gerlach bei der Kommunalaufsicht des Kreises eingereicht. Darin wurden diverse angebliche Verstöße Gerlachs gegen die Gemeindeordnung beklagt. Als zunächst eine Reaktion ausblieb, hat sich Conrads Wählergemeinschaft gleich beim Kieler Innenministerium über den Kreis beschwert. Der Kreis hat nun in einer mehrseitigen Antwort im Wesentlichen die Vorwürfe der BfK-Fraktion verworfen. Schlussbemerkung des Landrats: Der Kreis habe im übrigen keinen sozialpädagogischen Auftrag. Kreissprecher Karsten Steffen versucht sich so neutral wie möglich auszudrücken: „Seit 2008 gibt es nur noch Stress zwischen den beiden Fraktionen und den beiden Männern. Über 20 Beschwerdevorgänge beschäftigten bereits die Kommunalaufsicht. Manchmal kann man nur noch mit dem Kopf schütteln.“ Zwei Mal bereits habe der Landrat zu einem Mediationsgespräch die Kontrahenten eingeladen. Jedes Mal habe einer der beiden kurzfristig abgesagt. Eine Einigung scheint nicht gewollt zu sein. Und so dürfte weiter gefightet werden in Kuddewörde. Frei nach dem Motto: Es kann nur einen geben.Jens Burmester und Matthias Wiemer