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Lauenburg Einsatz fürs Naturerbe Grönauer Heide
Lokales Lauenburg Einsatz fürs Naturerbe Grönauer Heide
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15:55 19.02.2017
Kritischer Blick auf die Karte: Förster Moritz Löffelmann (links) und Diplom-Biologe Bernd Struwe-Juhl. Quelle: Fotos: Dorothea Baumm
Groß Grönau

Mal eben so, die Flinte geschultert, mit Bello durch die Grönauer Heide streifen und Bock, Wildsau und Fuchs in die ewigen Jagdgründe schicken, das ist nicht drin. Selbst Spazierengehen ist tabu.

Nadelhölzer entnommen, Zaun für die Galloways gebaut – und eine 500-Kilo-Bombe entsorgt.

Das Gebiet ist zum Nationalen Naturerbe erklärt – und für die Öffentlichkeit gesperrt.

2006 wurden Grönauer Heide, Grönauer Moor und Blankensee als Naturschutzgebiet mit der Nummer 201 in das Verzeichnis der Naturschutzgebiete des Ministeriums für Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume eingetragen. Die 367 Hektar große Fläche gehört zu Lübeck und den Gemeinden Groß Grönau und Groß Sarau. „Die Stiftung Naturschutz Schleswig-Holstein hat die Verantwortung für die ehemalige Militärliegenschaft in Lübeck-Blankensee, zu dem auch die Grönauer Heide gehört, im vergangenen Jahr übernommen“, erklärt Bernd Struwe-Juhl. Dick eingepackt stapft der Diplombiologe über den unebenen Grund. Um sich vorzustellen, dass hier vielleicht mal Heide blüht, bedarf es eines gerüttelten Maßes an Vorstellungskraft und auch Enthusiasmus. Beides bringt Struwe-Juhl mit. Bei der Stiftung Naturschutz ist der 56-Jährige für das Flächenmanagement zuständig – und er erklärt engagiert, wie es hier, direkt an der Straße zum Flughafen, direkt neben Wohnhäusern, möglichst bald wieder aussehen soll.

In den vergangenen Tagen standen der Bau von Amphibienteichen und der Waldumbau auf dem Programm, um das Gelände weiter für Tiere und Pflanzen aufzuwerten. Dazu kam noch die Erweiterung der Zauntrasse, um die bestehende Weidelandschaft zu erweitern. Von richtig dichtem Wald kann nicht die Rede sein, dennoch wurden die Arbeiten mit schwerem Gerät angegangen. „Wir haben den Waldumbau auf einem Teil der Flächen mit einem Harvester in Angriff genommen“, berichtet Struwe-Juhl. Was da passiert ist, erklärt Förster Moritz Löffelmann, forstlicher Gutachter von der Sparte Bundesforst: „Mit diesem Vollernter wurden in verschiedenen Waldbeständen entlang der Blankenseer Straße und am Heidredder in Groß Grönau Nadelhölzer entnommen, um die vorhandenen Laubbäume wie Eberesche, Hasel, Stieleiche, Aspe und Schwarzerle zu begünstigen. Langfristig soll damit die natürliche Entwicklung zu einem standortgerechten Laubwald angeschoben werden.“ Die Stiftung Naturschutz greift der Natur ein wenig unter die Arme: Um die Verjüngung an der Blankenseer Straße zu beschleunigen, werden auf einer Teilfläche auch Stiel- und Traubeneichen sowie beerentragende Gehölze gepflanzt.

Der Zaunbau war notwendig, weil gemäß des Managementplans für dieses Gebiet eine ganzjährige Beweidung etabliert werden soll. Eine Herde von 15 Gallowayrindern hält die Magerflächen kurz – von Straßen und Wald ferngehalten durch kräftige Stromzäune. Was Wolfgang Lenschow besonders freut: „Auf der Fläche wurden bereits zwei Kleingewässer angelegt.“ Der Biologe, der für die dänische Firma Amphi Consult die biologische Bauleitung übernommen hat, erklärt ergänzend, dass die Teiche künftig streng geschützten Amphibien wie Moorfrosch, Knoblauchkröte und Kammmolch als Laichgewässer dienen sollen.

Noch ist von der Pracht, die die Biologen hier heraufbeschwören, nicht viel zu erahnen. Statt Heidekraut und starken Eichen weist die Fläche massenhaft Müll auf. Plastik, Glas, Stacheldraht und Zaungeflecht. Und bergeweise Grünschnitt – für viele Grönauer war das brachliegende Gelände eine Einladung, Müll und Gartenabfälle zu entsorgen. Da das Gelände munitionsbelastet ist, war vor den Arbeiten eine Untersuchung notwendig. Und dabei wurde tatsächlich eine 500 Kilo Bombe gefunden, unliebsamer Zeitzeuge des Zweiten Weltkrieges. Sie konnte allerdings gefahrlos geborgen werden, da sie schon vor Jahren entschärft worden war. „Zum Glück“, sagt Bernd Struwe-Juhl, „sonst hätten wir hier noch Menschen evakuieren müssen.“

Fürs erste sind Struwe-Juhl, Wolfgang Lenschow und Löffelmann mehr als zufrieden. Und auch die Galloways haben die frisch angelegten Teiche schon inspiziert, was die Abdrücke, die sie hinterlassen haben, deutlich beweisen. Auch wenn das Gebiet unter Naturschutz steht und für die Öffentlichkeit gesperrt ist, so kann es doch im Rahmen von öffentlichen Führungen besucht werden.

Die nächste Führung bietet die

Stiftung Naturschutz für den 30. Juni, 16 Uhr, an. Informationen gibt es im

Internet unter www.stiftungsland.de.

Heimat von Brachpieber, Heidelerche und Knoblauchkröte

Die Stiftung Naturschutz Schleswig-Holstein hat die Verantwortung für die ehemalige Militärliegenschaft in Lübeck-Blankensee, zu dem auch die Grönauer Heide gehört, im vergangenen Jahr übernommen. Die Bundesregierung hat das Gebiet im Rahmen des „Nationalen Naturerbes“ abgeben, um hier den Vorrang für Naturentwicklungen sicherzustellen.

Das Kernstück des „Nationale Naturerbes“ sind Liegenschaften des Bundes, die wegen ihres hohen Naturschutzwertes von national repräsentativer Bedeutung sind. 125 000 Hektar übergibt die Bundesrepublik in mehrere Tranchen dauerhaft in die Trägerschaft der Länder, der Deutschen Bundesstiftung Umwelt und weiterer Naturschutzorganisationen. Bei den Gebieten handelt es sich u.a. um ungenutzte Militärflächen.

367 Hektar umfasst das Nationale Naturerbe (NNE) Grönauer Heide, Grönauer Moor und Blankensee. Es umgrenzt den Flughafen Blankensee von drei Seiten. Dass das Gebiet heute eine so immense Bedeutung für den Naturschutz hat, ist unter anderem der jahrzehntelangen Nutzung von Bundespolizei und Bundeswehr als Übungsfläche zu verdanken.

Unter Schutz steht das NNE Grönauer Heide wegen seiner Mischung aus Heide und Trockenrasen, Gebüschen und Säumen, Wald- und Moorbereichen, Weihern und Kleinstgewässern. Das Gebiet gilt als eine der artenreichsten Lebensräume Schleswig-Holsteins.

Das Gebiet wartet mit einer beeindruckenden Vielfalt an seltenen Tier- und Pflanzenarten wartet auf. Dort leben so seltene Vögel wie Brachpieper, Heidelerche und Sperbergrasmücke, aber auch Amphibien wie der Kammmolch, der Moorfrosch und die Knoblauchkröte.

 Dorothea Baumm