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Lauenburg Eisbrecher-Flotte ist zur Saison startklar
Lokales Lauenburg Eisbrecher-Flotte ist zur Saison startklar
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19:19 27.11.2019
Check vor dem Saisonstart für die Eisbrecher-Flotte des WSA. Christian Kröpke, Andreas Bethge, Daniel Hoch und Frank Böckmann (v. l.) sind die „Wisent“-Besatzung. Quelle: Timo Jann
Geesthacht

„Leinen los!“, hieß es am Mittwoch für die Besatzungen der im Geesthachter Hafen stationierten Eisbrecher: Das Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt (WSA) hatte die Besatzungen aus den Außenbezirken Geesthacht, Waren, Grabow und Herrenhof zusammengetrommelt, um die Spezialschiffe auf Herz und Nieren zu testen. „Dieses Treffen gibt es vor jeder Saison. Wir stellen dann die Besatzungen zusammen und prüfen alle Funktionen der Schiffe“, berichtet Andreas Schultz. Er koordiniert die Flotte im Fall eines Eisaufbruchs. Die Crew kommt bei Bedarf aus den norddeutschen Bundesländern zusammen, lebt und arbeitet dann an Bord.

Letzter richtiger Winter 2012

„Den letzten richtigen Winter mit viel Eis hatten wir 2012“, erinnert sich Schultz. Damals war die Lage dramatisch, erstmals in der Geschichte des Eisaufbruchs waren die Schiffe nachts im Einsatz. Es sollte unbedingt verhindert werden, dass der Eisabfluss ins Stocken gerät, sich eine Barriere auftürmt und so der Wasserablauf blockiert wird. Das könnte dann zu Schäden an den Deichen führen und die Menschen dahinter in Lebensgefahr bringen.

Dieses Archivbild zeigt einige der Spezialschiffe, wie sie sich elbaufwärts durch das Eis arbeiten. Quelle: Timo Jann

Die Schiffe heißen „Keiler“, „Widder“, „Wisent“, „Wolf“ oder „Bär“ und haben teilweise mehr als 1000 PS. Auf den 1960 gebauten „Bison“ muss mittlerweile verzichtet werden, er ist wegen technischer Schäden ausgemustert worden und soll 2022 durch einen Neubau ersetzt werden. 1996 hatte der Eisbrecher tagelang in einem Eisblock unterhalb des Stauwehrs festgesessen. Der „Büffel“ erhielt im Spätsommer eine neue Außenhaut und zusätzliche Stabilisatoren. Die relativ neuen Schiffe „Biber“ und „Elbe“ sind Mehrzweckschiffe, die ihre Tauglichkeit bisher noch nicht unter Beweis stellen konnten.

Der Eisbrecher „Büffel“ kämpft am Geesthachter Stauwehr auf diesem Bild von 2012 gegen Eismassen an. Quelle: Timo Jann

Wissen geht verloren

„Wir checken jetzt zwar die ganze Technik, aber die Bedingungen des Eisaufbruchs gibt es nur in der Realität. Da werden an die Schiffe enorme Anforderungen gestellt, die man gar nicht testen kann“, sagt Schultz. 1996 war es zuletzt so kalt, dass die Eisschollen auf der Oberelbe zum Stillstand kamen und man den Fluss zu Fuß queren konnte. Unterhalb von Krümmel hatte das erwärmte Kühlwasser des damals noch laufenden Kernkraftwerks das Eis getaut. „Es wird Zeit, dass wir mal wieder einen Aufbruch starten müssen. Die jungen Kollegen müssen von den älteren Kollegen lernen, wie das läuft“, sagt Schultz. Ohne Eis könnte mit dem Renteneintritt der älteren Kollegen sonst viel Wissen verloren gehen.

Andreas Schultz ist Einsatzleiter der Eisbrecher-Flotte an der Elbe. Quelle: Timo Jann

„Der Eisaufbruch ist immer eine spannende Sache“, sagt Thomas Höppner, Matrose auf dem „Bär“. Oftmals lockt das Spektakel viele Schaulustige ans Ufer. Doch die Situation ist oft auch gefährlich. So muss der Aufbruch gegen den Strom erfolgen. Deshalb werden rechtzeitig Eisbrecher nach Hamburg verlegt, um von da aus elbaufwärts starten zu können. Dann muss das Eis so geknackt werden, dass es keine zu großen Stücke werden, die die Schiffe unter Wasser drücken könnten. Deshalb arbeiten die Besatzungen normalerweise nicht nachts.

Ob es in dieser Saison Eis geben wird, lässt sich nicht absehen. „An der Elbe reichen einige Nächte mit -10 Grad Lufttemperatur“, weiß Schultz. Im eisigen Wasser der Elbe bildet sich dann innerhalb von Tagen sogenanntes Grundeis. Diese Schollen steigen an die Oberfläche und treiben elbabwärts. Ist es lange richtig kalt, kommt so viel Eis, dass die gesamte Wasserfläche bedeckt ist. Bei wenig Strömung können die Eisschollen dann stecken bleiben. Unklar ist derzeit, wie sich das warme Kühlwasser des Kohlekraftwerkes in Moorburg auf den Eisabfluss auswirken wird. Das Eis treibt besser ab, wenn es knackig gefroren ist, das warme Wasser könnte es matschig machen und aneinanderkleben lassen, heißt es.

Check vor dem Saisonstart für die Eisbrecher-Flotte des WSA. Thomas Höppner macht an Bord des „Bär“ zum Saisoncheck Klarschiff. Quelle: Timo Jann

Von Timo Jann

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