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Lauenburg Voß: „Ich bin und bleibe Ratzeburger“
Lokales Lauenburg Voß: „Ich bin und bleibe Ratzeburger“
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10:26 12.06.2019
Ratzeburgs Bürgermeister Rainer Voß (r.) im Gespräch mit LN-Redakteur Joachim Strunk. Voß verabschiedet sich nach zwei Wahlzeiten offiziell am 14. Juni 2019 aus seinem Amt. Quelle: Joachim Strunk
Ratzeburg

Am Mittwoch (12. Juni) wird Rainer Voß offiziell verabschiedet. Am Donnerstag (13. Juni), wird sein Nachfolger im Bürgermeisteramt Gunnar Koech von der Stadtvertretung vereidigt. Und Freitag, der 14. Juni, ist der letzte Arbeitstag von Voß. Wie fällt sein Fazit dieser vergangenen zwölf sehr ereignisreichen Jahre aus? Im Interview mit den Lübecker Nachrichten gibt er Antworten.

Herr Voß, haben Sie schon die Tage gezählt bis zum Ende Ihrer Amtszeit?

Nein, ein Maßband brauchte ich nicht. Die Zeit zwischen meiner Entscheidung im Januar und dem Ende am 14. Juni konnte ich so überblicken.

Was kommt danach? Bleiben Sie in Ratzeburg wohnen?

Wo ist es schöner als in Ratzeburg? Meine Familie lebt hier, das ist gesetzt. Ich bin und bleibe Ratzeburger.

Wir haben bereits berichtet, dass Sie sich in der Weber-Gesellschaft einbringen wollen.

Die Überschrift war gut in den Lübecker Nachrichten: „Voß wird Nachfolger von Wiegels“ oder so ähnlich. Das fand ich ganz köstlich, weil ich dachte: Oh, jetzt ist es raus, wo ich hingehe. Aber es ist natürlich auf die Weber-Gesellschaft bezogen und nicht auf den Bürgermeisterposten von Jan Wiegels in Mölln. Auf die Arbeit freue ich mich schon.

Wollen Sie sich auch weiterhin gesellschaftlich oder politisch engagieren?

Ganz sicher bleibe ich dem Ratzeburger Bündnis verbunden. Da planen wir für den Reformationstag am 31. Oktober mit unseren Freunden in Berkenthin eine Veranstaltung, gemeinsam mit den Kirchen, für Demokratie und für die Vielfalt unserer Gesellschaft.

Und das sagen andere Ratzeburger über ihn:

Was bleibt Ihnen aus Ihrer Zeit, zwölf Jahre als Bürgermeister, besonders in Erinnerung?

Die Begegnung mit vielen Menschen in der Stadt, mit den Bürgern und ehrenamtlich Tätigen. Das hat mich besonders begeistert, wie viel und was dort geleistet wird in unterschiedlichsten Bereichen wie Feuerwehr, DLRG, Technisches Hilfswerk oder die Sportvereine, wie den Ratzeburger SV oder den Ruderclub. Das gilt sowohl für den sozialen und kulturellen Bereich. Aber auch für die Wirtschaft; hier habe ich innovative Leistungen in den Betrieben und Unternehmen kennengelernt. Die Begegnungen waren mir wichtig – und als Bürgermeister, durch das Schaffen von Verbindungen, helfen zu können. Wie etwa beim Rettungsboot für die DLRG oder den Katamaran für den Ruderclub, wo die Aktivregion mit EU-Geldern geholfen hat – und ich meinen Teil als Vorsitzender der Aktivregion dazu beitragen konnte. Weiterhin die tolle Arbeitsleistung der Mitarbeitenden im Rathaus, in den Wirtschaftsbetrieben, in den Kindergärten, in der Bücherei oder an den Schulen. Alles das, was wir gemeinsam geschafft haben, das ist, was am meisten hängen bleibt. Und dafür bin ich dankbar, das miterleben zu können. Und zu den größeren Ereignissen: Ich erinnere mich noch gut an meinen ersten Arbeitstag am 15. Juni 2007. Da begannen hier unter den Linden die Bauarbeiten für die Busspur in Zusammenhang mit der neuen Verkehrsregelung. Überhaupt: Gefühlt haben wir in meiner ersten Wahlzeit von 2007 bis 2013 immer nur gebaut – der Marktplatz, die Brücke am Königsdamm, der Ausbau der Seestraße. Da habe ich manchmal gedacht: Meine Güte, das ist jetzt aber herausfordernd. Geht das auch alles gut mit den Arbeiten auf engstem Raum? Da fand ich ganz toll unsere Idee des Baustellenmanagements, wo wir mit Baustellen-Führungen und -Besichtigungen versucht haben, die Leute zu informieren. Das ist uns, glaube ich, ganz gut gelungen. Sie sehen ja: Es ist alles fertig!

Was sind besonders schöne Erinnerungen? Schützenkönig sind Sie nicht geworden . . .

Nein, nein. Aber dennoch: Es waren so viele. Das Gründungsfest der Nordkirche 2012 hier in Ratzeburg oder die NDR-Landpartie im vergangenen Jahr 2018. Große Sportveranstaltungen, die hier regelmäßig stattfinden, die Kita-Olympiade. Persönliche Begegnungen etwa mit Günter Grass bei den Lesungen in St. Petri oder auch im vergangenen Jahr das Treffen mit der dänischen Königin Margrethe, das sind so Highlights, die mir spontan einfallen. Ganz wichtig und großartig habe ich die Solidaritätsbekundungen 2012 empfunden nach den Morddrohungen und Schmierereien am Rathaus und anderen Gebäuden gegenüber Mark Sauer, Pröpstin Frauke Eiben, Michael Schröder und mich.

Darauf hätten Sie gerne verzichten können?

Ja, aber als Stadtgesellschaft sind wir dadurch näher zusammengekommen und haben uns unermüdlich engagiert, Demokratie-Arbeit zu leisten. Diesbezüglich bin ich auch sehr glücklich, mit Mark Sauer und seinem Verein Miteinander leben (gegründet nach dem Möllner Brandanschlag, Red.) zusammenarbeiten zu können.

Schwierig wurde es – nicht nur für Ratzeburg – durch die Flüchtlingssituation seit 2015.

Das Rathaus stand kopf damals, aber wir haben alles bewältigt, besonders auch dank der vielen Ehrenamtlichen. Und das setzt sich bis heute fort. Es ist eine großartige Leistung der Menschen hier und auch im Umland.

Worüber haben Sie sich mal so richtig geärgert?

Ach, wissen Sie, ich habe gar kein Gedächtnis für solche Dinge. Ich kann mich nicht lange damit aufhalten, mich zu ärgern. Es fällt mir wirklich nicht viel ein.

Wie ist eigentlich der Krankenstand im Rathaus?

Das sind persönliche Daten. Dazu kann und darf ich nichts sagen. Aber grundsätzlich: Man muss schon Fakten und Daten vergleichbar darstellen, nicht Äpfel mit Birnen vergleichen. Ich glaube, damals (vor zwei Jahren, Red.) sind viele Informationen nach außen gedrungen, die nicht richtig waren. Und egal, was man dann an Fakten bringt, wird das nicht mehr gehört. Auf jeden Fall haben wir viel unternommen, etwa durch ein betriebliches Gesundheitsmanagement und sportliche Aktivitäten. Eine Mannschaft aus dem Rathaus hat beispielsweise gerade beim Firmensprintcup bei der Ruderregatta des RRC teilgenommen . . .

Wie empfinden Sie die politische Situation und die Streitkultur in Ratzeburg?

Alle Mitglieder der Stadtvertretung sehe ich sehr engagiert im kommunalpolitischen Bereich. Sie alle sind überzeugt davon, dass sie mit ihren Vorschlägen und Ideen richtig liegen. In der Gesprächskultur könnten Verbesserungsvorschläge angenommen werden. Aber wenn man sich sehr engagiert, wird man manchmal auch emotional. Das ist nicht weiter dramatisch. Und dass die Verwaltung mit ihren Vorstellungen nicht ganz daneben liegt, sieht man daran, dass etwa 95 Prozent der Vorschläge akzeptiert werden. Manch einer kann sich eventuell auch an mir reiben, weil ich beharrlich bin und überzeugt von der Sache. Ich finde, eine lebendige politische Debatte ist immer gut. Und wenn man sich Debatten in anderen Ländern anschaut, wie heftig es da zugeht, da gibt es ganz andere Streitkulturen. Das Entscheidende ist, dass wir in den vergangenen zwölf Jahren gemeinsam unglaublich viel erreicht oder auf den Weg gebracht haben: den Straßenbau, die neue Gelehrtenschule, die neue Gemeinschaftsschule, die Sanierung der Grundschulen, der baldige Ausbau der Ruderakademie für rund zwölf Millionen Euro. Von diesen Kosten übernehmen übrigens den Hauptanteil Bund und Land, die Stadt trägt nur einen Eigenanteil von 460 000 Euro. Dann stehen demnächst die Sanierung der Domstraße und des Domhofes an, der südliche Inselrand mit Schwimmhalle. Hierfür haben wir auch schon fünf Millionen Euro angespart.

Welchen Tipp geben Sie Ihrem Nachfolger für den Umgang mit den Stadtpolitikern?

Tipps kann ich ihm keine geben. Wichtig ist es, dass er selbst Erfahrungen sammelt und im Gespräch bleibt, in erster Linie mit den Fraktionen und deren Vorsitzenden. Ich denke, das ist mir meistens gelungen. Aber grundsätzlich hat der Nachfolger immer das Recht und die Chance, etwas Neues zu beginnen.

Was sagen Sie zu den in der Stadt kolportierten Gerüchten und Vorwürfen gegenüber Gunnar Koech?

Ich habe keine Ahnung, was da gewesen ist, kenne keine Fakten. Das ist Sache von Herrn Koech. Dazu habe ich weder eine Meinung, noch kann ich einen Rat geben.

Gab es eine Einarbeitung oder Übergabe?

Wir haben schon miteinander gesprochen. Die Fachbereichsleitungen im Rathaus sind alle informiert. Die wichtigsten Dinge habe ich ihm erläutert und habe auch angeboten, dass er mich bei Fragen gern anrufen kann.

Joachim Strunk

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