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Lauenburg Endgültiges Aus für Geesthachter Akkufabrik
Lokales Lauenburg Endgültiges Aus für Geesthachter Akkufabrik
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14:32 06.06.2019
Die Akku-Produktion kam in Geesthacht nie über eine Testphase hinaus. Dabei wurde sie als Zukunftstechnologie gefeiert. Quelle: Timo Jann
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Geesthacht

Für die 2600 Quadratmeter große Fläche in dem Gebäude, das mittlerweile als zentraler Sitz den Geesthachter Stadtwerken gehört, wird ein Nachmieter gesucht. „Es scheint schwierig, einen Nachmieter zu finden“, sagte Sandra Wittmann von der AACT GmbH, die sich um die Sache kümmert.

Es war ein Weggang, der sich abzeichnete. 2011 hatte der tüftelnde Ingenieur Dr. Detlev Repenning aus Aumühle mit dem Unternehmer Ludwig Schletter aus Haag in Bayern ein Jointventure gestartet. Bis zu 40 Millionen Euro wollten sie an dem Standort investieren, um eine moderne Akku-Produktion unter dem Dach der Firma ECC Repenning aufzubauen. Sogar aus Kuwait, den Niederlanden und vielen anderen Ländern waren Interessenten wegen der Akkus „Made in Geesthacht“ in die Stadt gekommen. Sie fuhren E-Boot auf der Elbe und E-Autos auf den Straßen. Die Produktion hätte eine Kapazität von mehreren Millionen Akkus pro Jahr gehabt, doch über eine Testphase kam man bei ECC mit in der Spitze einst nur 40 Mitarbeitern nie hinaus.

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Erfinder Repenning stieg 2015 bei ECC aus

2015 der erste Paukenschlag: Der Erfinder Repenning stieg bei ECC aus, trennte sich von Praktiker Schletter. „Traggestelle für Solarkollektoren sind ja eher etwas Handwerkliches, bei Batterien geht es um komplexe Zusammenhänge, das macht man nicht nebenbei“, erklärte Repenning damals und spielte auf das Standbein von Schletter an. Die Harmonie der beiden Partner schien dahin. Schletter, mit seinem Hauptgeschäft in Haag im Zuge reduzierter Fotovoltaik-Förderungen selbst in finanzielle Schieflage geraten, verkaufte die Immobilie an die Stadtwerke und gründete die Firma SSL, die eigentlich weiter Akkus produzieren sollte. 2600 Quadratmeter der Halle wurden von den Stadtwerken für den Zeitraum von zehn Jahren angemietet.

In einer Phase, in der gerade das Speichern von überschüssigem Wind- oder Solarstrom immer wichtiger wird, hätte das gestartete Geschäft eigentlich funktionieren müssen. Doch über kleinteilige Zellen kam das Unternehmen nicht hinaus. In der Branche feiern andere Firmen wie Toshiba und Panasonic Erfolge. „Hier wird ein Stück Zukunft geschaffen“, lobte Ingrid Nestle, Staatssekretärin im Kieler Energiewendeministerium, bei der Einweihung der Produktionsstätte. Hintergrund: Die Speichertechnologie gilt als Schlüssel bei der Bewältigung der Energiewende. Doch aus, vorbei – zumindest jetzt für immer in Geesthacht. „Wir wollen schon weiter Akkus produzieren, aber eben in Bayern“, so Sandra Wittmann.

Fläche in der Halle wird zur Miete angeboten

Von ihr stammt eine E-Mail, die in der Geesthachter Geschäftswelt kursiert. In der wird ein Untermieter des als AACT GmbH firmierenden Unternehmens gesucht. „Wir sind Mieter einer Produktionsfläche im Gebäude der Stadtwerke Geesthacht. Da wir an unseren Produktionsstandort nach Südbayern ziehen, können wir nach Rücksprache mit den Stadtwerken Geesthacht für die Restlaufzeit unseres Mietvertrages die Fläche weitervermieten“, heißt es in der E-Mail. 2600 Quadratmeter Fläche im Erdgeschoss (für Produktion, Lager oder Stellplatz), mit zwei Andockstationen für 40-Tonnen-Sattelzüge sowie ein großes Tor als Zufahrt zur Halle werden angeboten – einschließlich fünf Stellplätzen im Carport. Die Miete soll demnach vier Euro je Quadratmeter betragen.

„Wir haben einen bestehenden Mietvertrag, das ist jetzt gar nicht unser Ding“, erklärt Markus Prang, der Geschäftsführer der Stadtwerke. Der Untermieter der AACT müsste deutlich zum Energieversorger, der dabei ein Mitspracherecht hat, passen. Langfristig wollen die Stadtwerke an der Mercatorstraße ohnehin selbst expandieren und ein neues Wasserwerk bauen.

Timo Jann