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Lauenburg Entscheidung zwischen Koech und Börner
Lokales Lauenburg Entscheidung zwischen Koech und Börner
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18:08 11.03.2019
Applaus beim letzten Ergebnis. Der Sieger steht mit Gunnar Koech (Bildmitte) fest, Konkurrent Sami El Basiouni (2. v. l.) spendet fairen Beifall. Quelle: Joachim Strunk
Ratzeburg

 Wie von vielen erwartet, gehen der parteilose Kandidat um das Bürgermeisteramt, Gunnar Koech, sowie sein Kontrahent von der SPD, Manfred Börner, in die Stichwahl. Dennoch gab es am Wahlabend in Ratzeburg auch einige Überraschungen.

Spannend war es bis zum letzten Ergebnis. Denn stetig kletterten die Prozentzahlen bei Koech von zuerst 43,69 Prozent immer höher. Am Ende waren es 48,76 Prozent. Umgerechnet auf die Anzahl der Stimmen fehlten ihm 74, um die absolute Mehrheit zu erringen und die Wahl schon im ersten Durchgang zu gewinnen. Gunnar Koech: „Natürlich schade, dass es nicht über 50 Prozent sind. Aber man muss ja auch realistisch bleiben. Ich hätte gedacht, dass Sami El Basiouni ein stärkeres Ergebnis holt.“

Mit sich und der Welt zufrieden: Gunnar Koech, links seine Gattin Britta, am Sonntagabend im Rathaus. Quelle: Joachim Strunk

Nun muss Koech in drei Wochen, am 31. März, gegen Manfred Börner antreten, der mit seinen 32,03 Prozent weniger zufrieden war: „Da werde ich noch einmal drei Wochen Gas geben“, sprach Börner und bemühte sich gleich um Gespräche mit den unterlegenen Konkurrenten Björn Knabe (Dritter mit 8,24 Prozent), Sami El Basiouni (7,5 Prozent) und Thomas Kuehn (3,47 Prozent).“

Enttäuschung schon beim ersten Schaubild: Sami El Basiouni, links mit Ehefrau, im Hintergrund BfR-Kollege Markus Schudde. Quelle: Joachim Strunk

Für Sami El Basiouni war die Wahl eine große Enttäuschung. Zu Beginn des Abends sprühte er noch vor Optimismus und erklärte: „Ich wünsche Ratzeburg, dass ich in die Stichwahl komme“. Doch gleich die ersten Zahlen machten deutlich: Da war der Wunsch Vater des Gedanken. Sein Topwert: 10,83 Prozent in Wahlbezirk (WB) 7 – Städtischer Bauhof. Und Flop: 4,49 Prozent in WB 8 (Ameos / SWR).

Björn Knabe (re.) war über seinen Erfolg als Dritter begeistert. Er könne sich vorstellen, sich auch politisch künftig mehr zu engagieren. Quelle: Joachim Strunk

Völlig von den Socken – aber im positiven Sinne – war Björn Knabe. Der Florist, der sich in der Rolle des Underdog gefiel und sich keinen Illusionen hingab, jubelte am Ende: „Phänomenal! Ich bin echt begeistert und total happy“. Konnte er auch sein über bis zu 14,94 Prozent in seinem eigenen Wahlbezirk 4 und 13,69 Prozent im benachbarten 5. Schwächster Wert: 4,35 in WB 9 (Kita AWO).

Reaktionen

Von Freude, Erstaunen und Überraschung war am Sonntagabend unter den Besuchern der Wahlparty größtenteils die Rede. Lara Fabinski, vor ihrem privaten Wegzug aus Ratzeburg vor einigen Jahren Mitglied der CDU-Fraktion, war „froh über das klare Ergebnis meines Wunschkandidaten Gunnar Koech. Sami El Basiouni hätte ich dagegen stärker eingeschätzt. Aber ich glaube, es ist besser, wenn er weiter in der Politik bleibt.“

Heinz Suhr, Ratsherr und Fraktionsmitglied der Freien Wähler, erklärte nach der Stimmauszählung: „Es ist so ausgegangen wie erhofft. Vor zwölf Jahren war es ähnlich, da ging es auch in die Stichwahl mit Gunnar Koech als Spitzenreiter. Aber dort kann es auch kippen. Eine Prognose wage ich nicht. Der Wunsch in der Bevölkerung nach einem Wechsel im Bürgermeisteramt scheint auf jeden Fall stark zu sein.“

„Ich bin überrascht, dass Herr El Basiouni so wenig Stimmen bekommen hat und Herr Koech so viele“, sagte die Ratzeburgerin Katharina Koch (34) unmittelbar nach Auszählung des letzten Wahlkreises.

Claudia Kessel, ebenfalls 34 und aus der Kreisstadt meinte: „Dass Gunnar Koech so gut abschneidet und Manfred Börner nur bei 32 Prozent liegt, hat mich sehr überrascht. Ebenso, dass Björn Knabe relativ viele Stimmen erhalten hat. Beim Ergebnis von Sami El Basiouni hatte ich mehr Stimmen erwartet.“

Egon Siepert (66) war extra aus Schwarzenbek zum Ratzeburger Wahlabend gekommen: „Bei so vielen Kandidaten fand ich die Wahl hier sehr spannend. Ratzeburg ist für den Kreis eine wichtige Stadt. Ich hätte einen kleineren Abstand zwischen den Herren Koech und Börner erwartet und Sami El Basiouni etwas stärker eingeschätzt.“

Ratzeburg hat gezeigt, dass hier etwas Spannendes und Interessantes passiert“, erklärte Kathrin Roßberg. Einige Bewerber hätten „belebende Ideen“ vorgebracht, von denen sich viele Bürger angesprochen fühlten. „Aber der Bürgermeister ist nicht in erster Linie dazu da, etwas zu beleben, sondern mit allen Bürgern in Kontakt zu bleiben.“

Peter Köhler vom Jazzclub Ratzeburg und wie Roßberg in der Anwohner-Initiative Baugebiet Seedorfer Straße aktiv erklärte: „Ich bin froh und erstaunt, wie achtbar sich die vermeintlich Unterlegenen hier geschlagen und gute Zahlen erreicht haben. Björn Knabe und Sami El Basiouni sprechen beide die Sprache der Bürger. Bezüglich des künftigen Bürgermeisters hoffen wir Anwohner der Seedorfer Straße auf konstruktive Kommunikation miteinander.“

Thomas Kuehn wirkte auch enttäuscht. Offenbar traf er mit seiner ruhigen Art nicht den Nerv der Wähler. Sein bestes Ergebnis erzielte er in der Grundschule St. Georgsberg II (WB 11), wo er 7,35 Prozent der Stimmen holte, das schlechteste in WB 9 (Kita AWO) mit 1,4 Prozent. Dort kam Gunnar Koech übrigens auf seine Rekordzahl: 56,6 Prozent.

Der Beistand von der SPD-Bundestagsabgeordneten Nina Scheer half Manfred Börner nicht. Sein Abstand auf Koech beträgt fast 17 Prozentpunkte. Quelle: Joachim Strunk

Koechs schwächstes Ergebnis (39,1 Prozent) kam im Jugendzentrum Stellwerk zustande, wo ihn Manfred Börner (40,67 Prozent) das einzige Mal überflügeln konnte. Börners schlechtestes Ergebnis war in Bezirk 11 mit 20,96 Prozent.

Ob das daran lag, dass Gunnar Koech am Sonnabend noch eine Wahlkampfzeitung („Stadt-Gespräch“) hatte verteilen lassen? Auf jeden Fall sorgte es für heftige Auseinandersetzungen bei Facebook. Börner fühlt sich durch ein dort abgedrucktes Interview verunglimpft und diskriminiert, spricht schon von einer Schlammschlacht.

Kommentar

Der Wahlkampf zwischen den fünf Kandidaten um den Bürgermeisterposten verlief seit Ende Januar eigentlich weitgehend harmonisch und ruhig. Doch in der vergangenen Woche kam eine unnötige Schärfe in die Auseinandersetzung vor allem zwischen den beiden Favoriten Gunnar Koech und Manfred Börner beziehungsweise zwischen deren Anhängerschaft. Das Ganze spielt sich hauptsächlich auf Facebook ab, wo jede Seite der anderen Unredlichkeit vorwirft, von Verunglimpfungen ist die Rede. Wenn nun beide verbliebenen Kandidaten ankündigen, noch einmal „Gas zu geben“, kann man nur hoffen, dass sie das in einem fairen Wettstreit umsetzen und keine Schlammschlacht inszenieren.

Koech dagegen erklärte, auch er sei von Beginn an „nicht mit Samthandschuhen“ behandelt worden und wolle seinen Stil bis zur Entscheidung nicht ändern.

Joachim Strunk

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