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Lauenburg Entwurf für landesweit einzigartige Schule steht
Lokales Lauenburg Entwurf für landesweit einzigartige Schule steht
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18:33 26.06.2019
Die Entwürfe des Hamburger Architektur-Büros Trapez für den Möllner Schulcampus. In Workshops hatten sich alle Beteiligten auf diese Variante von dreien geeinigt. 18 bis 22 Millionen Euro könnte die Umsetzung kosten. Quelle: Architektur Trapez Hamburg
Mölln

Der Möllner Campus könnte ein landesweites Pilotprojekt werden. Lehrer des kreiseigenen Förderzentrums Steinfeld und der Möllner Grundschule Tanneck, Kreisverwaltung und Möllner Verwaltung sowie Eltern und Politiker haben ein Konzept für eine Schule entwickelt, die alles andere als eine normale Regelschule sein wird: Die Fusion einer Grund- und einer Förderschule in den Klassenstufen 1 bis 4. Die Möllner Politik hat den ersten Entwurf am vergangenen Freitag einstimmig beschlossen. Auch der Kreistag hatte in dieser Sache bereits am 13. Juni einen Arbeitsauftrag an die Kreisverwaltung erteilt. Am Donnerstag nun soll der Kreissozialausschuss im Detail darüber beraten. Bis zur Realisierung ist der Weg jedoch noch weit. Vor allem werden die Baukosten auf 18 bis 22 Millionen Euro geschätzt.

„Wir wollten von Anfang an alle Beteiligten, inklusive der Eltern, mitnehmen“, sagt Christiane Gehrmann (CDU), Vorsitzende des Möllner Sozialausschusses (SSJS-Ausschuss). Ein Antrag ihrer Partei vor etwa eineinhalb Jahren war der erste Schritt auf dem Weg zum Möllner Campus. Denn zu dieser Zeit war bereits klar: Die Grundschule Tanneck muss saniert werden. Außerdem steigt die Zahl der Schüler an der kreiseigenen Förderschule Steinfeld stetig an. Wohin also mit den vielen Schülern?

Christiane Gehrmann, CDU Mölln. Quelle: LB

Inklusion stärker in den Mittelpunkt stellen

Der SSJS-Ausschuss hatte darauf in seiner Sitzung am 25. September 2017 beschlossen, die Nähe der beiden Schulen zu nutzen, um eine stärkere Zusammenarbeit zu erreichen. Es sollten Kooperationsgespräche mit dem Träger der Steinfeldschule aufgenommen werden, um die Inklusion stärker in den Mittelpunkt zu bringen. Außerdem sollten die finanziellen Auswirkungen mit dem Träger der Schule für Kinder und Jugendliche mit Behinderungen diskutiert werden.

Heute ist man ein gutes Stück weiter. Die Verwaltungen und die beiden Schulen haben gemeinsam mit Lehrern und Eltern in Workshops zunächst ein pädagogisches Konzept erarbeitet. Außerdem hat das Architekturbüro Trapez aus Hamburg drei Varianten für die Umsetzung dieses laut Gehrmann und Horst Kühl (Fraktionsvorsitzender der CDU in Mölln und Kreistagsabgeordneter) zumindest in Schleswig-Holstein einmaligen Projektes. Es gebe zwar ein vergleichbares Konzept in einer Schule in Ahrensburg, doch das räumliche Konzept in Mölln sei einzigartig.

Erfahrungen im Schulbau

Seit 1991 betätigt sich die Hamburger Firma Trapez Architektur im Schulbau. 29 Projekte und weitere acht Schulbauten in Hamburg, Lübeck, Kiel, Preetz oder etwa Glinde wurden realisiert. Die Firma ist seit 1987 tätig und beschäftigt mittlerweile über 40 Mitarbeiter. Mehr Informationen unter www.trapez-architektur.de.

So sollen die sechs Lernhäuser auf dem Gelände der bisherigen Tanneck-Schule jeweils nicht nur mit Klassenräumen sondern auch noch mit Aufenthaltsräumen, Sanitäranlagen und unter anderem einer Küche ausgestattet sein. Damit soll es besser möglich sein, im Sinne der Inklusion Regelschüler und Kinder mit Förderbedarf aufgrund geistiger oder körperlicher Handicaps gemeinsam zu beschulen. Die Grundschule soll abgerissen werden.

Sechs Lernhäuser mit Platz für 360 Schüler

Jedes der sechs Lernhäuser soll nach dem ersten Entwurf 60 Schülern Platz bieten. Außerdem sind zwei weitere Gebäude integriert, in denen Sport und Verwaltung Raum finden. Die einzelnen Bauten sollen durch eine überdachte Mall, wie auch in Kaufhäusern, verbunden werden. Im Gegensatz zu den beiden weiteren Varianten des Büros Trapez bietet die Variante, die sich nun durchgesetzt hat, keinerlei Barrieren. Es soll eingeschossig gebaut werden. So werden Rollstuhlfahrer nicht einmal dadurch von ihren Mitschülern getrennt, dass ein Fahrstuhl benutzt werden muss. Die Schule Tanneck müsste im Laufe des Bauprojektes abgerissen werden.

Ob der Campus kommt oder nicht: Die Tanneck Schule in Mölln muss dringend erweitert werden. Es fehlen Klassenräume. Quelle: Jens Burmester

Zur Zeit werden an der Schule Steinfeld 40 Schüler in den Klassenstufen 1 bis 4 unterrichtet. Kinder aus dem gesamten Herzogtum gehören zum Einzugsgebiet des kreiseigenen Förderzentrums. An der Schule Tanneck werden im Augenblick 240 Grundschüler unterrichtet. Laut Christiane Gehrmann war bereits vor den Ideen zu einem Campus der Bedarf einer Renovierung für die Möllner Grundschule Tanneck diskutiert worden. Eine Schätzung der Umbaukosten ergab vor einigen Jahren bereits einen Wert von 11 Millionen Euro. Doch nach einigen Jahren und den Entwicklungen im Bausektor gehen Schätzungen heute sogar von Sanierungskosten in Höhe von 13 Millionen Euro aus. Dennoch klafft eine Lücke zu den mindestens 18 Millionen Euro, die eine Teilfusion mit dem Förderzentrum kosten würde, auf.

„Für die Entwicklung der Schullandschaft im Kreis und besonders für Mölln ist das ein weitreichender toller Beschluss“, sagte Hans-Joachim Grätsch, Stadtvertreter der SPD. Das pädagogische Konzept muss später noch im Detail bewertet werden. „Ich würde mich freuen, wenn dieses Konzept umgesetzt wird. Im Moment sieht es so aus, als wenn alle Lehrer sehr begeistert sind“, erklärte Gitta Neemann-Güntner (SPD), Vorsitzende des Kreissozialausschusses auf Anfrage. Es sei eine gute Idee, Kinder mit Handicap und Regelschüler zusammenzuführen.

Gitta Neemann-Güntner SPD-Kreistagsabgeordnete Quelle: HFR

Kein vergleichbares Projekt im Land

Laut Schulrätin gebe es kein vergleichbares Projekt in Schleswig-Holstein, berichtet Neemann-Güntner. Die Anordnung der Gebäude lasse sehr viel individuelle und gemeinsame Arbeit zu. Man habe als Kreis im Geiste der Inklusion schon lange nach einer Möglichkeit gesucht, die fittesten Steinfeld-Schüler in Regelschulen zu unterrichten. Jahrelang sei aber nach einem Schulstandort gesucht worden, mit dem man kooperieren könne und man habe schließlich die Möllner Tanneck-Schule ins Auge gefasst.

„Für mich kann das aber nur ein Einstieg sein. Wir brauchen auch eine derartige Lösung ab der 5. Klassenstufe“, so Neemann-Güntner. Sie habe den Kreissozialausschuss nun darum gebeten, bereits vor der Sommerpause eine Entscheidung über die Campus-Pläne herbeizuführen. Denn sonst müsse für die Schule Steinfeld, in der wie gesagt Kapazitätsprobleme bestehen, eine andere Lösung angeschoben werden.

Was die Finanzierung des Campus betreffe, müsse ein fairer Schlüssel für die Baukosten und die spätere Unterhaltung gefunden werden. Eine 50:50-Aufteilung der Kosten zwischen Stadt Mölln und Kreis komme nicht in Frage, da es um 250 Grundschüler und lediglich etwa 40 bis 50 jetzige Förderschüler mit Handicap gehe. „Wenn wir ein Pilotprojekt für das Land Schleswig-Holstein initiieren, dann erwarte ich, dass das Land sich in irgendeiner Form einbringt“, erklärte Neemann-Güntner.

Der Kreissozialausschuss tagt am Donnerstag, 27. Juni, um 17.30 Uhr im Don-Bosco-Haus, Pater-Lenner-Weg 1, in Mölln.

Florian Grombein

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