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Lauenburg Erhalt statt Neubau: Peters kritisiert B 207-Projekt im TV
Lokales Lauenburg Erhalt statt Neubau: Peters kritisiert B 207-Projekt im TV
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21:16 09.07.2014
TV-Produzent Torsten Mehltretter (v. l.) aus Breitenfelde und der Landtagsabgeordnete Burkhard Peters (Grüne) aus Hornbek drehen für die ZDF-Reportage auf der Baustelle zur B 207 bei Pogeez. Quelle: hfr
Kühsen

Die Großdemo um die marode L 199 im Sommer 2013 machte nur anfänglich Hoffnung darauf, dass Unternehmer, Bewohner und Touristen bald sicher und ohne Achsbruch an ihr Ziel kommen. Viel hat sich bisher jedoch nicht getan auf lauenburgischen Schlaglochpisten. Lediglich der Teil der L 199 von Kühsen bis zur Einmündung der K 40 und die Sanierung der L 257 zwischen Nusse und Alt-Mölln beginnen ab Montag. Laut Zustandbericht der Landesstraßen 2014, der am heutigen Donnerstag im Kieler Landtag diskutiert wird, sind aber noch immer große Teile der L 199, der L 200, der L 205, der L 287 und der L 159 zwischen Möhnsen und Basthorst im roten Bereich und haben den Schwellenwert überschritten. Nun kommen die Schlaglochpisten im Kreis auch bundesweit ins Gespräch. In einer ZDF-Reportage des TV-Produzenten Torsten Mehltretter aus Breitenfelde kommen der Landtagsabgeordnete Burkhard Peters (Grüne) aus Hornbek und Kühsens Bürgermeister Franz-Jürgen Prüsmann zu Wort. Kernaussage der Reportage: Geld aus Töpfen für den Straßenbau wird bei mäßig wichtigen Straßenneubauten verschwendet, während der Bestand bröckelt.

„Wie seit Jahren überall zu erkennen, kommen die Träger nicht annähernd mit der Pflege des vorhandenen Bestands voran“, sagt Burkhard Peters. Er vertritt diese Meinung auch in der ZDF-Reportage, die am 16. Juli ausgestrahlt wird. Nicht nur die Decken sind seiner Meinung nach chronisch schadhaft. Brücken und Überführungen seien in einem Maß renovierungsbedürftig, das noch nicht überall bekannt sei. „Es ist verantwortungslos, durch den Bau weiterer Straßen den Pflegebedarf zu erhöhen. Oberstes Prinzip bei der Verkehrsplanung muss daher sein: Erhalt vor Neubau“, erklärt Peters weiter.

Schleswig-Holstein habe zwar viel mehr Geld für die Straßensanierung in die Hand genommen, als andere Landesregierungen. „Doch wir müssen am Ball bleiben und noch mehr Geld in die Hand nehmen“, betont Peters. Reporter Torsten Mehltretter bereiste für den Beitrag „Kaputt gespart — Droht uns der Verkehrsinfarkt?“ verschiedene Straßen im Bundesgebiet, an denen seiner Meinung nach etwas schief läuft. Ein Thema ist auch die B 207 neu, die durch den Nordkreis führt. „Ich finde es merkwürdig, dass eine Ortsumgehung für mittlerweile 24 Millionen Euro gebaut wird, von der lediglich 1400 Anwohner profitieren“, erklärt der Reporter. Der Neubau der B 207 als Umgehung führt vom Ortseingang südlich Pogeez geradeaus auf die schon vorhandene Anbindung von Lübeck an die A 20. Der nördliche schon fertiggestellte Teil der neuen B 207 sollte unter anderem den Lübecker Flughafen an die A 20 anbinden. „Die Bedeutung dieser Funktion ist wegen der drohenden Insolvenz des Flughafenbetreibers rückläufig“, ergänzt Peters.

Es sei sicherlich zu begrüßen, dass die Einwohner von Pogeez, Groß Sarau und Groß Grönau erheblich durch diese Straße entlastet werden. Die erwartete Umlenkung von rund 6000 der insgesamt vorher 11 000 Fahrzeuge pro Tag rechtfertige den Bau allerdings nicht. Zudem sei wegen der innerörtlichen Verkehre weiterhin mit 5000 Fahrzeugen auf der alten Strecke zu rechnen.

Zum Beispiel die L 159 zwischen Hamfelde und Basthorst ist und bleibt ein Flickenteppich mit einer maroden Brücke über einen Graben, die nur noch einspurig befahrbar ist. Wenn Markt auf Gut Basthorst ist, rumpeln jedes Jahr viele Tausend Gäste darüber. „Eine Schande für Schleswig-Holstein“, nannte das der Basthorster Bürgermeister Christian Zernig vor kurzem. Die Straße habe es noch nicht einmal auf die Prioritätenliste des Landes geschafft. In Mehlretters Reportage wird auch dem schleswig-holsteinischen Witschaftsminister Reinhard Meyer auf den Zahn gefühlt.

Laut Mehlretter sind 20 Prozent der Autobahnen, jede dritte Bundesstraße und fast die Hälfte aller Landesstraßen im Bundesgebiet sanierungsbedürftig. Tausende Brücken müssten bis zum Jahr 2030 erneuert werden. „Die Politik spart die Wirtschaft kaputt. Unsere Straßen sind die Lebensadern unseres Wohlstandes, und die Verkehrsminister von Bund und Ländern lassen sie seit Jahren verrotten“, sagt in der Reportage Tomas Rackow vom Verband Güterkraftverkehr und Logistik. Der „ZDFzoom“-Reporter spricht mit Verantwortlichen, hört sich die Klagen von Spediteuren und Reedern an, inspiziert marode Brücken, Straßen und Kanäle und geht der Frage nach: Warum lässt Deutschland die Infrastruktur verrotten?

Der Film wird am 16. Juli (22.45 Uhr) gesendet. Der Landtag debattiert heute um 16.46 über den Straßenzustand.

Geld für Straßenbau

50 Milliarden Euro etwa nimmt die Bundesrepublik laut Mehlretter pro Jahr durch Mineralöl-, Kfz-Steuer und die Lkw-Maut ein. Die Summe könne theoretisch reichen, um das Verkehrsnetz instand zu halten und neue Straßen zu bauen.
20 Milliarden Euro davon seien 2013 tatsächlich zurück in Verkehrsprojekte geflossen.


• Der Bericht zum „Zustand der
Landesstraßen ist online auf der Seite www.landtag.ltsh.de als Drucksache 18/2066 einsehbar.

Florian Grombein

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