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Lauenburg Erschreckende Ergebnisse bei Schwerlastkontrolle durch die Polizei
Lokales Lauenburg Erschreckende Ergebnisse bei Schwerlastkontrolle durch die Polizei
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21:41 16.05.2019
Polizeikontrolle auf den Rastplätzen an der A 24 bei Gudow am Donnerstag. Auch auf die Reifen der Lkw schauten die Beamten ganz genau. Quelle: Timo Jann
Gudow

70 Polizisten und 15 Zöllner haben am Donnerstag den Schwerlastverkehr, Kleintransporter und Reisebusse an der Autobahn 24 unter die Lupe genommen. Mit teilweise erschreckenden Erkenntnissen. „Es war brutal. Dafür, dass nur zufällig rausgewunken wurde, zeigt es, wie nötig diese Kontrollen sind“, fasste Frank Gauglitz vom Autobahn- und Bezirksrevier der Polizeidirektion Ratzeburg zusammen.

„Wir hatten im vergangenen Jahr ein Plus von 15 Prozent bei Unfällen mit Beteiligung von Lastwagen. Meistens waren die Berufskraftfahrer an den Unfällen auch schuld“, berichtete Kristian Käding. Der Beamte des Autobahn- und Bezirksreviers leitete die Kontrolle auf den Parkplätzen der Rastanlage in Höhe Gudow. „Schlimm sind dabei ja meistens die verheerenden Folgen, wenn Laster in Unfälle verwickelt sind“, sagte sein Kollege Gauglitz. Durchgerostete und übergespachtelte tragende Holme, massive Überladungen, Trucker unter Einfluss von Betäubungsmitteln am Steuer, einige, die viel länger als zulässig ohne vorgeschriebene Ruhepausen unterwegs waren. Insgesamt konnte die Polizei die Zahl der Beanstandungen gestern noch nicht nennen. Unter anderem wurden 20 überladene Laster festgestellt, ein Trucker hatte einen gefälschten Führerschein, fünf keinen, sechs Fahrer waren unter dem Einfluss von Betäubungsmitteln unterwegs, mehrmals wurde Schwarzarbeit festgestellt, die zahlreichen Verstöße gegen Lenk- und Ruhezeiten waren gar nicht überschaubar, so Gauglitz.

Immer mehr Schwerlastverkehr

„Der Schwerlastverkehr steigt immer weiter, immer mehr Waren werden über unsere Straßen transportiert. Teilweise sind die Beanstandungen an Fahrzeugen und Fahrpersonal unvorstellbar“, sagte Gauglitz. So würden Trucker vor allem aus Osteuropa Amphetamine und Kokain als Aufputschmittel konsumieren, um länger fahren zu können. 18 Stunden seien dabei keine Seltenheit. „Um dann zum Schlafen wieder runterzukommen rauchen sie oft Marihuana“, sagte Gauglitz.

An der Autobahn hatte die Polizei am Donnerstag Anhalteposten postiert. Die wiesen die Fahrzeuge zur Kontrollstelle. Käding: „Wir haben hier die auf den Bereich Schwerlast spezialisierten Kollegen aus fast ganz Schleswig-Holstein zusammen geholt. Mit geballtem Fachwissen wollten wir uns einen aktuellen Überblick verschaffen, was auf den Straßen unterwegs ist.“ Polizisten aus Ratzeburg, Glinde, Ahrensburg, Elmshorn, Lübeck, Bad Oldesloe, Segeberg, Kiel, Eutin und Scharbeutz waren an der Großkontrolle beteiligt. „Im Bereich Schwerlast geht es heute um so viele Rechtsbereiche, da ist man nur mit viel Aus- und Fortbildung auf dem Stand“, sagte Käding. Die Einhaltung von Lenk- und Ruhezeiten, Fragen des Aufenthalts- und Arbeitsrechts, Zuladung und Abmessung, Fahrereignung – das sind nur einige Aspekte.

Mobile Wiegeplatten, Toilettenhäuschen, Pavillonzelten und Kleinbusse

Die Polizei war auf den Rastplätzen Richtung Hamburg und Berlin mit mobilen Wiegeplatten, Toilettenhäuschen, Pavillonzelten und Kleinbussen voller Büroausstattung vor Ort. „Wir haben aufgerüstet, um eine vernünftige Infrastruktur nutzen zu können. Nur so können wir mit den Entwicklungen Schritt halten“, sagte Käding. Die Polizisten hatten während der groß angelegten Kontrolle auf den Rastplätzen auch Unterstützung durch Zollbeamte. Die 15 Zöllner hatten vor allem ein Auge auf mögliche Schwarzarbeit oder Steuerbetrug durch Heizöl statt Diesel im Tank. Vorteil: Die Zoll-Beamten haben bei der Durchsuchung von Fahrzeugen deutlich mehr Befugnisse als die Polizisten. Mit zivilen Streifen wurde im sogenannten Pick-up-Verfahren verdächtige Autos auf dem Weg Richtung Osten in die Kontrollstelle gelotst. Die A 24 ist als Reiseroute für Kriminelle bekannt.

Sechs Stunden lang überprüfte die Polizei den Bereich Schwerlast, Busse und Kleintransporter an den Rastplätzen bei Gudow. „Brutal“ nennen die Beamten die Ergebnisse.

„Es ist ja gut, dass kontrolliert wird. Aber man müsste mehr an die Spediteure ran, die ihre Fahrer ausbeuten“, meinte ein Berufskraftfahrer, während sein 40-Tonner unter die Lupe genommen wurde. „Eine solche Kontrolle kann am Freitag schon ausreichen, dass ich es nicht nach Hause schaffe“, verdeutlichte er den Zeitdruck. Denn: „Kontrollzeit ist Arbeitszeit. Wenn ich hier stehe, schaffe ich aber nichts.“ Seit 18 Jahren fährt er im Schwerlastverkehr durch Deutschland. „Es gibt viele schwarze Schafe, das wird in Gespräche unter Kollegen immer wieder deutlich, berichtete er. Auch der Polizei sind durchaus Firmen bekannt, auf deren Fahrer und Fahrzeuge sie ein besonderes Auge haben.

Länderübergreifende Kontrollen

„Ein großes Thema, mit dem wir immer öfter zu tun haben, ist die Ablenkung der Fahrer. Da hängen an der Scheibe das Handy für Anrufe vom Chef, das private Handy, ein Navigationsgerät und manchmal noch ein Tablet oder auf dem Beifahrersitz läuft ein Laptop mit Filmen“, sagte Gauglitz. „Das sind dann die Unfälle, bei denen polizeilich keine Ursache erkennbar ist. Da waren die Fahrer dann schlichtweg abgelenkt und nicht auf den Verkehr oder den Straßenverlauf konzentriert“, erklärte er. Mit Kontrollen wie am Donnerstag versuchen die Polizisten den Druck auf die Branche zu erhöhen. Wer vernünftig unterwegs ist, spart Zeit bei der Kontrolle, so der Tenor.

Länderübergreifend steht diese Woche unter dem Zeichen einer TISPOL-Kontrolle, die die Behörden verabreden und die sich diesmal dem Schwerlastverkehr widmet.

Polizeikontrolle auf den Rastplätzen an der A 24 bei Gudow. Einsatzleiter Kristian Käding. Quelle: TIMO JANN

Timo Jann

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