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Lauenburg Europawahlkampf in der Europastadt Schwarzenbek
Lokales Lauenburg Europawahlkampf in der Europastadt Schwarzenbek
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17:13 17.04.2019
Im Zuge ihres Europawahlkampfes besucht die FDP die Europastadt Schwarzenbek. Mit dabei sind die Spitzenkandidatin Nicola Beer und Kreisvorsitzender Jan Marcus Rossa. Quelle: Holger Marohn
Schwarzenbek

„Keine Stadt in Schleswig-Holsten steht so für den Europagedanken wie Schwarzenbek“, sagt FDP-Kreisvorsitzender und Landtagsabgeordneter Jan Marcus Rossa. Gemeinsam mit der Europawahl-Spitzenkandidatin Nicola Beer, dem schleswig-holsteinischen Spitzenkandidaten Helmar Krane und seiner Fraktionskollegin Anita Klahn ist Rossa auf Wahlkampftour.

Hans Koch, Bürgermeister von Schwarzenbek von 1950 bis 1974, gilt als Vater der Verbrüderungsarbeit. Quelle: Wolfgang Lehmann

Ein Besuch in der Stadt, die 1962 als erst zweite Stadt in Deutschland für ihre Bemühungen um die europäische Verständigung den Europapreis erhielt und sich seitdem Europastadt nennen darf. Ein wesentlicher Baustein für die Auszeichnung war damals die Verbrüderungsarbeit mit den fünf Partnerstädten, maßgeblich vorangetrieben von dem damaligen Bürgermeister Hans Koch.

Schüleraustausch war eine Woche Party

Die allgegenwärtigen Bemühungen bekam auch Rossa zu spüren, als er 1968 als kleiner Junge mit seinen Eltern aus Lübeck nach Schwarzenbek zog. „Unsere erste Anlaufstelle war damals der Verbrüderungsring“, erinnert sich Rossa. Und als Kind habe er erleben dürfen, wie wichtig der europäische Austausch sei.

Der Verbrüderungseid wird auch heute noch alle zwei Jahre mit dem traditionellen Händedruck – wie hier beim Fest zum 60. Jubiläum der Verbrüderung in Schwarzenbek – bei den alle zwei Jahre stattfindenden Treffen erneuert. Das historische Foto zur Erneuerung des Verbrüderungseides zeigt die fünf Bürgermeister (v. l.) Francois Genoud aus Sierre (Schweiz), Pier Luigi Donini aus Cesenatico (Italien), Ute Borchers-Seelig aus Schwarzenbek (Deutschland), Jean-Pierre Constant aus Aubenas (Frankreich) und Frank Bruggman aus Zelzate (Belgien) Quelle: LN-Archiv

So hätten die Fahrten in die französische Verbrüderungsstadt Aubenas an der Schule den Ruf als schönste Klassenfahrten überhaupt gehabt – „und wenn die Gruppen aus Aubenas nach Schwarzenbek kamen, war das eine Woche Party“, erinnert sich Rossa an seine Schulzeit.

Errungenschaft der offenen Grenzen

Rossa beschreibt eine Zeit in Schwarzenbek, in der viele Schwarzenbeker wussten, wo bei ihren Freunden in den Partnerstädten der Haustürschlüssel unter der Fußmatte lag und dieser auch genutzt werden durfte, wie es ältere Schwarzenbeker oft gerne noch erzählen.

Fahrten in die Verbrüderungsstädte waren immer ein großes Ereignis. Quelle: Wolfgang Lehmann

Aber auch andere Dinge wie das problemlose grenzüberschreitende Reisen, die man heute in Europa als selbstverständlich empfinde, seien damals nicht so gewesen. So erinnert sich Rossa, dass in den 70er Jahren einst ein Urlaub fast gescheitert wäre, weil das mit in den Urlaub fahrende Au-pair aus Schwarzenbeks Schweizer Partnerstadt Sierre an der Grenze von den Dänen aufgrund fehlender Papiere abgewiesen worden war.

„Wir sind dann umgedreht und ein paar Kilometer weiter Richtung Niebüll gefahren. Da gab es dann eine kleine Straße ohne Kontrollposten“, erzählt der Jurist Rossa schmunzelnd. Der dreiwöchige Ferienhausurlaub an der Nordsee sei gerettet gewesen.

Europa muss von den Menschen getragen werden

Und auch die bundesweite FDP-Spitzenkandidatin Nicola Beer kommt bei ihren europäischen Kindheitserfahrungen ins Schwärmen. Nicht nur, dass sie ein deutsch-französisches Abitur gemacht habe. Sie erinnere sich noch gut, wie herzlich sie als Zwölfjährige beim Schüleraustausch von den Großeltern ihrer französischen Gastschwester empfangen worden sei – und das, obwohl diese im Krieg sehr schlimme Erfahrungen mit den Deutschen gemacht hätten.

Man könne viele Verträge abschließen, aber letztlich müsse Europa von den Menschen getragen werden – sonst könne so etwas ganz schnell wieder verloren gehen, warnte Beer und wies darauf hin, dass es bei einem Brexit auch ganz schnell um die Frage gewalttätiger Auseinandersetzungen gehe, wie das Beispiel Nordirland zeige.

Ende der klassischen Verbotspolitik

Viele junge Deutsche kennen diese Erlebnisse aus den Anfängen der europäischen Verständigung hingegen nur noch aus Erzählungen. Zu diesen gehört auch mit seinen 29 Jahren der schleswig-holsteinische Spitzenkandidat Helmar Krane. Dennoch ist ihm ein Festhalten an der EU sehr wichtig – reformiert und föderalistisch organisiert.

Wenn es um die aktuelle Europawahl geht, geht es auch um den Wettkampf der Ideen, wie es mit Europa weitergeht. Beer forderte, die Situation realistisch zu sehen und auch die Kritik an der mangelnden Handlungsfähigkeit ernst zu nehmen. Sie forderte mehr Mut zu Veränderungen. Dazu gehöre aber auch, erst einmal zuzuhören, bevor man eigene Ideen präsentiere. Politisch will sich Beer für ein Ende der klassischen Verbotspolitik und Technologieoffenheit bei Zukunftsfragen wie dem Verkehr einsetzen.

Brexit „einfach abblasen“

Helmar Krane warnte davor, dass Europa zu sehr über Krisen wahrgenommen werde und will sich für ein wieder funktionierendes Europa einsetzen. „Europa hat zu große Aufgabe in dieser Welt, als dass man es nicht zutiefst demokratisch organisieren sollte und das föderalistisch, aber dann mit Mehrheitsbeschlüssen statt der bisher erforderlichen Einstimmigkeit“, sagte Krane. „Wir tun zu wenig und das oft zu spät.“

Und auch in Sachen Brexit hat Beer klare Vorstellen. Sie hofft, dass die Briten noch von selbst auf die Idee kommen, „das Ding einfach abzublasen“. Auf der Insel hat die Europastadt Schwarzenbek übrigens noch keine Partnerstadt.

Holger Marohn

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