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Lauenburg Experten warnen vor Keuchhusten im Norden
Lokales Lauenburg Experten warnen vor Keuchhusten im Norden
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18:57 26.03.2019
Immer mehr Fälle von Keuchhusten: Experten raten zur Impfung. Quelle: HFR
Bad Segeberg

Eine Krankheit, die ihren Schrecken längst verloren zu haben schien, ist wieder auf dem Vormarsch. Während die Zahl der Keuchhusten-Erkrankungen landesweit zuletzt wieder leicht rückläufig war, verzeichnen die Kreise Segeberg und Stormarn einen deutlichen Anstieg. Im Kreis Segeberg stiegen die Infektionen im Vergleich von 2018 zu 2017 von 49 auf 88 Fälle an; im Kreis Stormarn nahmen die Fälle von 24 auf 104 zu, meldete die AOK Nordwest unter Berufung auf aktuelle Zahlen des Robert-Koch-Instituts (RKI) in Berlin. Im Kreis Herzogtum Lauenburg gingen die Infektionsfälle von 44 auf 39 dagegen leicht zurück. In allen Kreisen dürften die tatsächlichen Erkrankungszahlen aber deutlich höher liegen, da das RKI andere Kategorisierungen zugrunde legt als die regionalen Gesundheitsämter. So meldete das Gesundheitsamt Segeberg für 2018 mit 217 mehr als doppelt so viele bestätigte Infektionen wie das RKI.

Mehrere Fälle an Segeberger Schulen

Unruhe hatten im vergangenen Jahr mehrere Ausbrüche an Segeberger Schulen und Kindergärten in den Gemeinden Trappenkamp, Bornhöved und später auch in Rickling ausgelöst. Insgesamt hatten sich dort 27 Kinder und auch einige Lehrkräfte mit dem Pertussis-Bakterium infiziert, das vor allem bei jungen, geschwächten und sehr alten Menschen zu schweren Krankheitsverläufen bis hin zum Tod führen kann. In den 1930er Jahren, bevor Impfschutz und Antibiotika zur Verfügung standen, starben allein in Deutschland jährlich rund 10 000 Säuglinge an Keuchhusten, insbesondere an den davon verursachten Atemstillständen.

Sinkende Impfquote

Die Impfquote bei Keuchhusten geht nach Daten des Robert-Koch-Instituts in Berlin bundesweit zurück. Bezogen auf die Schuleingangsuntersuchungen waren im Jahr 2014 noch 95,2 Prozent der Kinder in den alten und 96,8 Prozent in den Neuen Bundesländern gegen Keuchhusten geimpft. Nach den bislang aktuellsten Zahlen sind die Quoten im Jahr 2016 auf 93,9 Prozent in den alten und auf 95,8 Prozent in den Neuen Bundesländern gesunken. In Schleswig-Holstein lag die Impfquote bei Keuchhusten 2014 noch bei 95 Prozent, im Jahr 2016 nur noch bei 93,7 Prozent.

Mehr zum Thema Impfungen finden Sie hier:

http://www.ln-online.de/Nachrichten/Wissen/Das-sollten-Sie-zur-Debatte-um-die-Masern-Impfpflicht-wissen

http://www.ln-online.de/Nachrichten/Wissen/Debatte-um-Masern-In-Deutschland-gab-es-schon-einmal-eine-Impfpflicht-gegen-Pocken

http://www.ln-online.de/Lokales/Luebeck/Fall-von-Meningitis-in-Luebeck-Familie-wirbt-fuer-den-Impfschutz

Keuchhusten ist keine Kinderkrankheit

Auch wenn solche Horrorszenarien heute unwahrscheinlich scheinen, ist Keuchhusten noch immer Ursache Nummer eins für den Tod von Säuglingen in Deutschland. „Was gemeinhin als ,plötzlicher Kindstod bezeichnet wird, kann in Wahrheit eine Keuchhusten-Infektion gewesen sein“, erklärt Dr. Eckhart Fink, Leiter des Gesundheitsamtes Herzogtum Lauenburg. Diese Krankheit sei leider „knifflig“. Denn die typischen Merkmale des krampfenden, keuchenden Hustens treten in der Regel nur bei Kindern im Grundschulalter auf. Das führe oft zu dem Fehlschluss, es handele sich um eine reine „Kinderkrankheit“. Auch Erwachsene erkranken daran, mitunter auch schwer. Bei leichten Verläufen sei eine Infektion aber oft schwer zu erkennen, da sie sich mitunter nur durch leichtes Hüsteln bemerkbar mache, das leicht mit Raucherhusten zu verwechseln sei. „Wer also für längere Zeit aus nicht bestimmbaren Gründen vor sich hin hustet, könnte tatsächlich unter Keuchhusten leiden“, sagt der Mediziner.

Säuglinge durch unerkannte Infektionen gefährdet

Bei Kontakt mit Säuglingen seien solche Vorsichtsmaßnahmen umso wichtiger. „Wenn eine Familie ein Kind erwartet, sollten am besten alle Personen, die mit dem Kind in Kontakt kommen, ihren Impfschutz überprüfen lassen“, rät Fink. Dadurch könnte ungewollte und unerkannte Übertragungen der Bakterien auf das Kind vermieden werden. In den USA hätten Untersuchungen zudem gezeigt, dass auch das ungeborene Kind schon geschützt werde, wenn sich die Mutter während der Schwangerschaft impfen lasse. In Deutschland habe sich diese Erkenntnis bisher aber noch nicht durchgesetzt.

Impfung hält im Höchstfall zehn Jahre

Doch während bei anderen Infektionskrankheiten wie Masern eine Impfung oder eine überstandene Infektion ein Leben lang immunisiere, verfliege der Impfschutz gegen Keuchhusten schon nach wenigen Jahren. Während Kinder im Kindergarten- und Grundschulalter wegen der engmaschigen Untersuchungen in den ersten Lebensjahren trotz abnehmender Impfbereitschaft noch recht gut geschützt seien, sehe das bei den Älteren ganz anders aus. „Nach der Schule bis zu dem Zeitpunkt, in dem sie selbst Eltern werden, verlieren wir viele Menschen aber, da werden Impfungen oft nicht wieder aufgefrischt, sagt Andreas Musil, Leiter des Gesundheitsamtes im Kreis Stormarn. Das sei nicht nur aber gerade bei Keuchhusten ein Problem. „Denn im besten Fall hält so eine Impfung zehn Jahre, aber in der Regel ist bereits nach höchstens fünf Jahren der Impfschutz verflogen“, erklärt Musil.

Auch im Hinblick auf andere Infektionskrankheiten sei es deshalb immer ratsam, sich den eigenen Impfpass herauszusuchen und mit dem Hausarzt zu besprechen, welche Schutzimpfung erneuert werden könnten.

Oliver Vogt

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