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Lauenburg Fahrverbot auf dem See missachtet: Ratzeburger Promi will kein Bußgeld zahlen
Lokales Lauenburg Fahrverbot auf dem See missachtet: Ratzeburger Promi will kein Bußgeld zahlen
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07:00 14.02.2020
Lingolf von Lingelsheim leitete lange die Ruderakademie in Ratzeburg und wurde jetzt mit seinem Motorboot auf dem Ratzeburger See erwischt. Quelle: Holger Marohn
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Ratzeburg

Es sei ein richtig schöner Sonntag gewesen, das letzte schöne Wochenende, erinnert sich Lingolf von Lingelsheim aus Ratzeburg. Sein Blick schweift dabei aus dem Panoramafenster seines Arbeitszimmers über den Küchensee. Auf dem Ratzeburger See seien viele Segler unterwegs gewesen. „Da der Motor meines Bootes bestimmt schon vier Wochen nicht mehr gelaufen war, habe ich entschieden, mit meiner Frau eine Tour zu machen, um die Batterien wieder aufzuladen“, erinnert sich von Lingelsheim.

Die Seekonferenz

Doch es sollte eine teure Spritztour werden. Denn Motorboote sind auf den Seen eigentlich verboten. Und bei seiner Fahrt einmal rund um die Dominsel mit dem Boot samt 25-PS-Motor wurde von Lingelsheim von Mitarbeitern des Kreises kontrolliert. Die hatten sich von der DLRG „Amtshilfe“ geholt, um auf dem See unterwegs sein zu können. 500 Euro Bußgeld zuzüglich 25 Euro Bearbeitungsgebühr und 3,50 Porto soll von Lingelsheim zahlen. Begründung: Von Lingelsheim habe eine private Fahrt gemacht und die seien nun einmal nicht erlaubt.

Lingolf von Lingelsheim

Lingolf von Lingelsheim(71) trainierte einst mit dem fünffachen Weltmeister im Einer, Peter-Michael Kolbe, einen der erfolgreichsten Ruderer der deutschen Geschichte. Jahrzehntelang betreute von Lingelsheim ganze Generationen von Ruderern an der Ratzeburger Ruderakademie.

Von 1995 bis 2005 war von Lingelsheim Vorsitzender des Ratzeburger Ruderclubs.

Der Betroffene sieht das allerdings nicht ein. „Das ist Willkür. Ich fühle mich schikaniert“, sagt von Lingelsheim und wirft dem Kreis „unsensibles Verhalten“ vor. Aus seiner Sicht sei die Fahrt zwar nicht eine der vielen Begleitfahrten gewesen, die er im Rahmen von Regatten und Rudertrainings gemacht habe, sondern eine private Sicherungsfahrt. Und solche Patrouillenfahrten seien schließlich auch von der schon vor Jahrzehnten installierten Seekonferenz der Seeanlieger, an der auch der Kreis teilnehme, legitimiert. Hätte der Kreis eine Verwarnung ausgesprochen, hätte er das vielleicht noch akzeptiert.

Dutzenden Menschen geholfen

„In früheren Jahren hat es sogar einen Plan gegeben, wer, an welchem Wochenende auf dem See unterwegs zu sein habe, um im Notfall bei Havarien Hilfe zu leisten. In der Regel seien das zwei festgelegte Wochenende gewesen. „Es geht darum, Präsenz zu zeigen“, sagt von Lingelsheim. Wann das eingeführt worden sei, wisse er nicht mehr. Allerdings habe er das Boot seit 50 Jahren und sei seitdem auch damit auf dem See unterwegs.

In dieser Zeit habe er Dutzende Menschen auf dem See gerettet. „Wenn ich hier oben von meinem Fenster aus etwas sehe, laufe ich zu meinem Boot und fahre los“, sagt von Lingelsheim. Während er schon auf dem Wasser sei, hätten andere noch nicht einmal den Notruf absetzen können. Nur vier oder sechs Wochen nach dem Vorfall mit dem Bußgeld habe er erst eine gekenterte Kajakfahrerin auf dem Küchensee gerettet. Bis zum Mauerfall seien es auch immer wieder Surfer oder gekenterte Segler gewesen, die auf das DDR-Ufer zuzutreiben drohten.

Spektakuläre Rettung

Sein wohl spektakulärster Rettungseinsatz liegt allerdings schon einige Jahrzehnte her. Im Februar 1973 war ein Hubschrauber des Bundesgrenzschutzes in dichtem Nebel über dem Ratzeburger See abgestürzt. Der Hubschrauber sollte eine lebensbedrohlich verletzte Person vom Krankenhaus Ratzeburg zum Universitätskrankenhaus Lübeck transportieren. „Ich war zu dem Zeitpunkt auf dem Gelände der Ruderakademie und habe nur den Aufschlag auf dem Wasser gehört“, erinnert sich von Lingelsheim.

In dichtem Nebel stürzt im Februar 1973 über dem Ratzeburger See ein Hubschrauber des Bundesgrenzschutzes ab. Anwohner retten die drei Insassen. Quelle: Bundespolizei

Da der Hubschrauber im Flachwasserbereich des Sees nur wenige Meter vor der Abbruchkante runtergegangen sei, hätten sich drei Personen auf die Rotorblätter in Sicherheit bringen können. „Nur durch deren Rufe habe ich sie finden können. Zu sehen war absolut nichts.“ Neben ihm sei auch Heino Wulf von der Römnitzer Mühle zu Hilfe gekommen und habe die Passagiere schließlich an Land gebracht. Beim Erzählen dieser Anekdote scheint von Lingelsheim zumindest für einen Moment der Ärger über den Bußgeldbescheid zu vergessen.

Keine Rettungsfahrten mehr

„Der Kreis müsste doch froh sein, dass einige Anlieger auf dem See unterwegs sind und helfen können“, sagt von Lingelsheim. Einmal im Jahr auch eine solche Privatfahrt zu unternehmen stehe in keinem Verhältnis zu den zahlreichen Hilfseinsätzen, zitiert der Kreis von Lingelsheim in dem Ablehnungsschreiben seines Widerspruchs, bleibt aber bei seiner Strafe.

Neben der Legitimation seiner Fahrten durch die Seekonferenz, weist von Lingelsheim aber auch auf seine Verdienste um den Rudersport und sein ehrenamtliches Engagement hin. Außerdem stelle er sein Privatboot regelmäßig auch dem Ruderclub unentgeltlich zur Verfügung.

Der Kreis verweist darauf, dass das Befahren des Ratzeburger Sees für Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor grundsätzlich verboten ist. Es gebe jedoch ein Kontingent von maximal 50 Ausnahmegenehmigungen, die für bestimmte Fälle erteilt würden. Dazu zählten die Fischereiaufsicht, Begleitboote, Rettungsboote oder Fahrgastschifffahrt. Das Einhalten des Fahrverbotes mit Verbrennungsmotoren wird durch den Fachdienst Wasserwirtschaft sowohl bei an Land liegenden Booten als auch auf dem Wasser kontrolliert.

Bußgeldverfahren und Verwarnungen

Mitunter würden Bootsführer festgestellt, die zwar im Besitz einer Ausnahmegenehmigung sind, allerdings in dem Moment der Kontrolle außerhalb der genehmigten Tätigkeit auf dem See unterwegs seien. Das sei auch in diesem Fall so gewesen. Der Betroffene habe bei der Kontrolle sogar erklärt, dass er privat auf dem See unterwegs sei – also außerhalb der Ausnahmegenehmigung. Folglich sei ein Bußgeldverfahren eingeleitet worden. Ausnahmen für Seeanlieger seien im Fachdienst Wasserwirtschaft aus der Erinnerung nicht bekannt. In 2019 seien zehn Boote mit Verbrennungsmotoren ohne Ausnahmegenehmigung auf dem See festgestellt worden. Das habe zu sieben Verwarngeldern und drei Bußgeldverfahren geführt.

Obwohl der Kreis seinen Einspruch abgeschmettert hat, sieht sich von Lingelsheim weiter ungerecht behandelt. Zahlen wird er die Strafe trotzdem. „Ich hätte dagegen gerne geklagt, aber ich habe keine Rechtsschutzversicherung“, sagt von Lingelsheim. Noch einmal wird ihm das allerdings nicht passieren. Denn sein Boot hat er nach dem Vorfall aus lauter Ärger verkauft.

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Von Holger Marohn

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