Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Lauenburg Fette Ernte: Dieser Herbst wird riesig
Lokales Lauenburg Fette Ernte: Dieser Herbst wird riesig
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:01 10.09.2014
Mein Freund, der Kürbis: Vivien Schewski (9) aus Groß Grönau mit ihrem 51,5 Kilo schweren Superriesenexemplar. Quelle: Fotos: Strunk
Groß Grönau

Dicke Dinger! So manche Kleingärtner, aber auch Profi-Bauern sind positiv überrascht, was da so in diesem Jahr alles — und vor allem wie! — auf ihren Feldern, Äckern und in den Gärten wächst und blüht. Die Getreide- und Rapsernte ist schon lange eingefahren — mit einem Plus von mehr als fünf Prozent gegenüber dem Vorjahr, wie Klaus Dahmke, Sprecher des schleswig-holsteinischen Bauernverbandes, gestern bestätigte. Die Maisernte beginnt in diesen Tagen — rund zwei bis drei Wochen vor der sonst üblichen Zeit.

Aber auch alle anderen Feldfrüchte sowie Obst gedeihen prächtig, selten hatten die Landwirte (ihre vier „Todfeinde“? — Frühling, Sommer, Herbst und Winter!) so wenig Grund, über das vermaledeite Wetter zu kritteln.

Entsprechend glücklich sind natürlich auch die Hobby-Bauern und -Gärtner in ihren Gewächshäusern und Kleingartenparzellen. Vivien (9) aus Groß Grönau beispielsweise ist mächtig stolz auf einen Riesenkürbis. Im Heimat- und Sachkundeunterricht ihrer dritten Klasse der Grönauer Waldschule zog sie noch vor den Sommerferien aus einem einsamen kleinen Kern eine lebenslustige grüne Pflanze, die sie im Juli dann in den Kleingarten ihrer Eltern umsiedelte.

Versteckt unter einem Johannisbeerbusch auf der Unterlage eines ehemaligen Komposthaufens wuchs die kleine gelbe Kugel in Windeseile zu einem riesigen goldigen Kürbis heran, der es gut und gerne bald auch zu einer Kutsche fürs Aschenbrödel hätte bringen können, wären Vivien und ihre Eltern Steffi und Mike nicht so neugierig auf das Gewicht der Frucht gewesen.

Vater Mike glaubt in dem Gewächs einen Hokkaidokürbis (Cucurbita maxima) zu erkennen. Der allerdings wird im Internet-Lexikon Wikipedia mit nur ein bis zwei Kilogramm Gewicht beschrieben. Mike Schewski schätzte den seiner Tochter vor dem Wiegen auf gut 20 Kilo.

Möglicherweise handelt es sich aber bei dem Exemplar um einen Kürbis der Sorte „Big Max“ oder „Prizewinner“. Beide erreichen bis zu 100 Kilo „Lebendgewicht“. Mike Schewski hatte Glück, sich keinen Bruch zu heben, als er den Kürbis vom Gewächs trennte und in die Schiebkarre hievte. Viviens ganzer Stolz brachte gewaltige 51,5 Kilogramm auf die Personenwaage aus dem Badezimmer.

Dass diese Frucht kein Einzelfall ist, zeigt schon eine Sonnenblumenstaude in Schewskis Nachbargarten, die Viviens Mutter Steffi fast um das Doppelte überragte. Und auch Monika Düssler aus Lütau sandte den Lübecker Nachrichten ein Foto einer ihrer selbst gezogenen Tomaten zu. Sie hat Erfahrung, züchtet die „Paradeiser“ oder Paradiesäpfel, wie sie in Österreich genannt werden, schon seit mehr als 20 Jahren. 500 bis 700 Gramm sind keine Seltenheit. Doch der diesjährige Rekordhalter wiegt sogar 858 Gramm. „Wir hatten diesmal optimale Bedingungen“, erklärt Klaus Dahmke vom Bauernverband:

„Ein milder Winter, ein angenehmes Frühjahr, viele Sonnentage mit Regen genau zur rechten Zeit“. Hinzu komme eine gute Versorgung mit Nährstoffen. „Auch die Kleingärtner düngen mittlerweile für gute Erträge“, so der Experte. Das kann Mike Schewski allerdings nicht bestätigen: „Wir graben lediglich unseren Kompost um.“ Den Kürbis hätte die Familie übrigens fast nicht bemerkt, weil der so versteckt unter besagtem Johannisbeerbusch am Zaun zum Nachbarn heranreifte.

Gesunkene Preise
Die deutschen Bauern haben in diesem Jahr mit 50 Millionen Tonnen eine mengenmäßig gute Getreideernte eingefahren. Dieses Ergebnis übersteigt die Vorjahresernte um fünf Prozent.
Die Rapsernte blieb dagegen auf Vorjahresniveau: 5,8 Millionen Tonnen, wie der Deutsche Bauernverband berichtete. Für Schleswig-Holstein gibt es noch keine konkreten Zahlen, allerdings profitierte das Küstenland von einem hervorragenden Sommer, wie Pressesprecher Klaus Dahmke bestätigte. Das Manko: Aufgrund des qualitativ und quantitativ sehr guten Angebots sind die Preise stark gesunken.
Sind Sie auch im Ernteglück? Schicken Sie uns Fotos Ihrer kuriosesten, größten und schwersten Gartenfrüchte an die Mailadresse redaktion.lauenburg@LN-Luebeck.de. Am Schönsten ist es, wenn auf den Bildern auch ein Mensch zu sehen ist. Wir veröffentlichen eine Fotogalerie der gelungensten Schnappschüsse hier auf www.LN-Online.de.

Joachim Strunk