Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Lauenburg Feuer zerstört Fachwerkhaus
Lokales Lauenburg Feuer zerstört Fachwerkhaus
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
22:38 26.05.2015
Das Fachwerkhaus in der Altstadt war nicht mehr zu retten. Quelle: Timo Jann
Anzeige
Lauenburg

Flammen schießen aus dem Dach und den Fenstern des historischen Fachwerkhauses. Die Feuerwehr ist machtlos. Das leer stehende Gebäude, das als Lagerhaus genutzt wurde, brannte in der Nacht zu gestern vollständig nieder. Der Schaden an dem Haus an der Lauenburger Hafenstraße wird auf 75000 Euro geschätzt.

Die Polizei nahm nach Informationen der Lübecker Nachrichten zwei verdächtige Jungen, die ganz in der Nähe in einer betreuten Einrichtung leben, vorläufig fest. Sie sollen auch schon in der Nacht zum Pfingstmontag gezündelt und auf der Elbe mehrere Boote in Brand gesetzt haben, die in Schnakenbek und Artlenburg antrieben.

Anzeige

„Ob diese Jugendlichen mit dem Feuer in Verbindung gebracht werden können, steht noch nicht fest“, sagte gestern Holger Meier, Sprecher der Polizeidirektion Ratzeburg. Zeugen hatten laut Meier zur Brandzeit Jugendliche in der Nähe des Hauses beobachtet.

Gegen 23.20 Uhr wurde das Großfeuer an der Hafenstraße in zahlreichen Notrufen der Wehr gemeldet. „Als wir kurz darauf am Einsatzort waren, stand das Gebäude bereits in Vollbrand, zu retten gab es nichts mehr“, berichtete Lauenburgs Feuerwehrchef Lars Heuer. Mit sechs Strahlrohren bekämpften 50 Feuerwehrleute den Brand. In der ersten Phase des Einsatzes evakuierten Feuerwehrleute aus den angrenzenden Häusern jeweils zwei Bewohner. Heuer: „Wir haben die Häuser durch eine Riegelstellung mit Wasser aus unseren Strahlrohren vor der enormen Hitzestrahlung geschützt.“ Ein Werbeschild und eine Straßenlaterne schmolzen.

Das benötigte Löschwasser für den Großeinsatz pumpte ein Löschfahrzeug aus dem Hafen neben der Marina.

Wieso sich das Feuer zu der relativ frühen Uhrzeit so schnell ausbreiten konnte, ist unklar. Obwohl auf der Bundesstraße 209 noch viel Verkehr rollte und genau gegenüber zahlreiche Wohnmobilisten Station machten, brannte das Haus lichterloh, ehe das Feuer bemerkt wurde. Möglicherweise hatten die Brandstifter nachgeholfen.

„Die tragenden Holzbalken waren durch das Feuer schon so stark in Mitleidenschaft gezogen, dass wir auf einen Innenangriff im Haus verzichtet haben und nur über die Drehleiter und durch Fenster und Türen gelöscht haben“, sagte Heuer. Das Mauerwerk in dem Fachwerk auf der Rückseite fehlte nahezu komplett und bot so ausreichend Platz, ins Innere löschen zu können. Allerdings behinderten hier Schuttberge den Einsatz.

Dass die Entscheidung, nur aus dem sicheren Bereich zu löschen richtig war, zeigte sich, als plötzlich Bauteile des Daches einstürzten. Die B 209 musste von der Polizei aufgrund der Löscharbeiten mehrere Stunden lang gesperrt werden — vor allem für die aus Richtung Lüneburg kommenden Autofahrer eine starke Behinderung. Denn während Fahrer in Richtung Süden noch über den Großen Sandberg ausweichen konnten, blieb denen in Richtung Norden nichts anderes übrig, als die Elbbrücke in Geesthacht zu nutzen: 50 Kilometer Umweg. „Es war eins der größten Feuer, die wir in den vergangenen Jahren hier in der Stadt hatten“, erklärte Heuer.

Im Dauereinsatz
Am Pfingstmontag waren Lauenburgs Feuerwehrleute insgesamt vier Mal im Einsatz: außer bei dem nächtlichen Großbrand auch bei einem piependen Rauchmelder (Fehlalarm), bei einer Katzenrettung und bei einem der brennenden Boote auf der Elbe.

Timo Jann