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Lauenburg Feuerwehr Lauenburg fordert Luxusboot für die Ölabwehr
Lokales Lauenburg Feuerwehr Lauenburg fordert Luxusboot für die Ölabwehr
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13:55 05.12.2019
Dieses Einsatzboot Fast 81 Cat des finnischen Herstellers Faster Workboats ist für Einsätze in den rauen Küstengewässern Skandinaviens konzipiert. Quelle: Faster Work Boats
Ratzeburg/Lauenburg

Der Kreis Herzogtum Lauenburg ist für die Ölwehr in seinem Bereich verantwortlich. Dazu zählen auch der Kanal und die Elbe. Beauftragt mit der Durchführung sind die Feuerwehr Lauenburg und das THW Ratzeburg. Doch nun gibt es Ärger mit den Lauenburgern. Anlass ist die Ersatzbeschaffung für ein abgängiges kreiseigenes Boot der Ölwehr. Das von der Lauenburger Feuerwehr geforderte Boot ist nicht nur mit 125 000 Euro extrem teuer, sondern kann auch nicht auf einem Anhänger transportiert werden – eigentlich eine Grundvoraussetzung für das Einsatzgebiet.

Die „Ölwehr 22“ wurde der Feuerwehr Lauenburg einst über den Kreis vom Land für die Aufgaben der Ölwehr zur Verfügung gestellt und muss nun ersetzt werden. Quelle: Timo Jann

Der Kreis favorisiert ein Boot, welches das Land gerade in 19-facher Anfertigung für sämtliche Ölwehren an Nord-, Ostsee und der Unterelbe angeschafft hat, unter anderem zugelassen für Wellenhöhen von bis zu zwei Metern. Es kostet knapp 60 000 Euro. Doch die Feuerwehr Lauenburg fordert ein mehr als doppelt so teures Boot. Konzipiert in Finnland für die rauen Küstengewässer der Schären und die Seenplatten – ausgestattet mit zwei großen Außenbordmotoren mit zusammen bis zu 300 PS. Und weil es beim Kreis Widerstände gegen die Lauenburger Forderung gibt, hat die Stadt Lauenburg nun einen Brief an den Kreis geschrieben – mit einem Ultimatum.

Geld der Steuerzahler

Da die Lauenburger Wehr „durch andere Einsätze bereits über Gebühr gebunden“ sei, wäre sie auch bereit, die Aufgaben der Ölwehr wieder abzugeben – sollte man sich mit dem Kreis nicht auf das geforderte Boot verständigen können, steht in dem Brief. Der jetzige Vertrag läuft noch bis Ende 2020. Die Feuerwehr Lauenburg hatte in diesem Jahr laut Homepage bislang 135 Einsätze, fünf davon im Bereich der Ölwehr – nach Kreisangaben viele davon im Bereich der Hitzler-Werft.

Die Ölwehr hat in erster Linie die Aufgabe, Verschmutzungen mit Ölsperren einzudämmen und die Schadstoffe von der Wasseroberfläche abzusaugen. Das funktioniert, weil Öl auf dem Wasser schwimmt.

„Was zweckdienlich ist, muss auch beschafft werden. Aber wenn die gestellten Anforderungen dermaßen überzogen sind, ist das nicht vertretbar“, sagte Vorsitzender Norbert Brackmann (CDU) im Hauptausschuss. Immerhin gehe man hier mit dem Geld der Steuerzahler um.

Die Lauenburger Boote

Für die Ölwehrhatte die Feuerwehr Lauenburg vom Kreis einst das etwa vier Meter lange Boot „Ölwehr 22“ mit einem Glasfaserkunststoff-Rumpf und einem 60-PS-Motor bekommen. Ursprünglich war es wie die gesamte Ölwehr des Kreises bei der Feuerwehr Geesthacht stationiert. Diese hätte laut Brackmann die Aufgabe vor längerer Zeit abgegeben, worauf die Ölwehr samt Ausrüstung der Wehr Lauenburg und dem THW in Ratzeburg zur Verfügung gestellt worden sei.

Zusätzlich nutzt die Feuerwehr Lauenburgdas nach Angaben auf der Homepage eigene Mehrzweckboot „Elbe 1“, das auch mit zwei Wasserwerfern ausstattbare Arbeitsboot der Wehr, welches im Wasser stationiert ist. Ein Boot, das ebenfalls in die Jahre gekommen ist.

Hinzu kommt ein transportfähiges Rettungsboot, welches die Diakonie der Feuerwehr Lauenburg 2015 aus Spendengeldern für den Katastrophenschutz geschenkt hat. Das sechs Meter lange Boot ist mit einem 50-PS-Motor ausgestattet.

Bei dem vom Landangeschafften Bootstyp, an dem sich nun auch der Kreis orientieren will, handelt es sich um ein sechs Meter langes Aluminiumboot mit Platz für bis zu zehn Personen und einem 100-PS-Motor.

Neben dem hohen Preis gibt es mit dem Lauenburger Wunschboot allerdings ein weiteres Problem. So räumt Bürgermeister Andreas Thiede ein, dass bei dem vom feuerwehreigenen nautisch-technischen Sachverständigen entwickelten Anforderungsprofil nicht beachtet worden sei, dass das Boot auch transportfähig sein müsse, um es zur Ölbekämpfung auch auf dem Elbe-Lübeck-Kanal einsetzen zu können. Dafür würde die Feuerwehr dann ein weiteres – nicht der Ölwehr zugeordnetes und eigentlich für Rettungseinsätze vorgesehenes – Boot nutzen.

Feuerwehr Lauenburg und THW haben Ölwehr übernommen

So sieht der Bootstyp aus, mit dem das Land 19 Ortswehren und THW-Ortsgruppen für die Aufgaben der Ölwehr ausgestattet hat. Der Außenborder hat 100 PS. Dieses Boot reicht der Lauenburger Feuerwehr aber nicht. Quelle: Nico Köster FF Glücksburg/hfr

„Die Feuerwehr hat das so ermittelt“, verweist Bürgermeister Andreas Thiede auf die Wehr. „Wir haben das Glück, dass wir in der Feuerwehr einen Sachverständigen haben.“ Gleichzeitig räumt Thiede aber auch ein, dass die von den Experten des Landes festgelegten Anforderungen an Ölwehr-Boote im Tidenbereich auf der Unterelbe und in küstennahen Gewässern der Ost- und Nordsee für ihn „gefühlt ähnlich“ seien, wie die auf der Oberelbe und dem Kanal bei Lauenburg.

Die Ölwehreinsätze sind häufig im Hafen von Lauenburg. Aber auch der Kanal gehört zum Einsatzgebiet. Die Feuerwehr Lauenburg nutzt derzeit häufig ein eigenes Rettungsboot. Quelle: Timo Jann

Im Hauptausschuss des Kreises wies Ausschuss-Vorsitzender Norbert Brackmann darauf hin, dass möglicherweise auch andere Hilfsorganisationen oder Wehren die Aufgaben der Ölwehr übernehmen könnten. Neben dem Technischen Hilfswerk, das bereits mit der Ratzeburger Ortsgruppe für die Ölwehr im Kreis zuständig ist, kämen aus Brackmanns Sicht möglicherweise auch Wasserrettungseinheiten in Frage. Dazu zählt auch die in Lauenburg ansässige DLRG Oberelbe.

Auch Büchen kommt als Standort in Frage

Mit einer Vergabe der Aufgaben der Ölwehr an die DLRG Oberelbe könnte auch ein anderes Problem gelöst werden: die Unterbringung von Boot und Gerätschaften. So hat die DLRG Oberelbe gerade eine neue Halle gebaut – mit der Option dort eine Rettungswache unterbringen zu können. Doch die Krankenkassen als Kostenträger und die von Kreis und Kassen eingerichtete Schiedsstelle halten den Standort für nicht geeignet. Sollten dieser Einschätzung auch – wie von der Kreisverwaltung erwartet – die Gerichte folgen, wären Teile der Fahrzeughalle ungenutzt. Mit einer Anmietung für die Ölwehr durch den Kreis hätte die DLRG Oberelbe die Chance, die Investitionskosten zu refinanzieren.

Außerdem hat die Feuerwehr Lauenburg dieses Stahlbboot, das für die Brandbekämpfung konzipiert ist und mit zwei Wasserwerfern ausgestattet werden kann. Quelle: Timo Jann

Möglicherweise leere Fahrzeughallen gibt es allerdings nicht nur in Lauenburg. Auch in Büchen hat die Gemeinde in der Hoffnung auf eine Rettungswache und entgegen Gutachterwarnungen eine Fahrzeughalle mit zwei Stellplätzen gebaut. Und neben der Feuerwehr Büchen gibt es dort ebenfalls Organisationen der Wasserrettung. Lauenburgs Bürgermeister Andreas Thiede hätte damit kein Problem. Von dem neuen Boot und der Ölwehr „hängt unsere Glückseligkeit nicht ab“, sagt Thiede. Unklar ist, was nach der Vertragskündigung mit einem Gerätewagen passiert. Den hatte die Feuerwehr Lauenburg einst von einem Lauenburger Industriebetrieb zweckgebunden für die Aufgaben der Ölwehr gespendet bekommen. Auf dem Wagen ist das Material für die Ölwehr gelagert.

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