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Lauenburg Bund will die Fischtreppe in Geesthacht übernehmen
Lokales Lauenburg

Fischtreppe in Geesthacht soll Bund übernehmen

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06:00 25.03.2021
So sah es am Stauwehr aus, als die Welt für Fische noch in Ordnung war: Am Nordufer (links) die große Fischtreppe. Fünf Lockströmungen schießen über den Damm, um Fischen den Eingang zu zeigen. Am südlichen Ufer (rechts) die kleine Fischtreppe. Sie ist aufgrund eines Schadens im Damm komplett zugeschüttet. Auch die Lockströmungen sind durch ein Provisorium ersetzt worden.
So sah es am Stauwehr aus, als die Welt für Fische noch in Ordnung war: Am Nordufer (links) die große Fischtreppe. Fünf Lockströmungen schießen über den Damm, um Fischen den Eingang zu zeigen. Am südlichen Ufer (rechts) die kleine Fischtreppe. Sie ist aufgrund eines Schadens im Damm komplett zugeschüttet. Auch die Lockströmungen sind durch ein Provisorium ersetzt worden. Quelle: Timo Jann
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Geesthacht

Der Energiekonzern Vattenfall muss die Fischaufstiegsanlage (Fischtreppe) am Geesthachter Stauwehr nach dem Aus für sein Kohlekraftwerk in Hamburg-Moorburg nicht mehr als eine ökologische Kompensationsmaßnahme für den Kraftwerksbetrieb unterhalten. Nun will der Bund die Anlage übernehmen. Das erklärte Professor Dr. Hans-Heinrich Witte, der Präsident der Generaldirektion Wasserstraßen und Schifffahrt (GDWS) während einer von dem Möllner Grünen-Bundestagsabgeordneten Konstantin von Notz organisierten Onlinekonferenz zur Situation des Fischaufstiegs am Stauwehr.

Kleine Fischtreppe funktioniert seit 2019 nicht mehr

Seit 2019 funktioniert die kleine Fischtreppe am Südufer nicht mehr. Auch die von Vattenfall errichtete große Fischtreppe am Nordufer funktioniert nur noch bedingt. Neben Witte konnte von Notz unter anderem auch Schleswig-Holsteins Umweltminister Jan Philipp Albrecht sowie Vertreter von Bund und Nabu zu der Diskussionsrunde begrüßen. 65 Interessierte schauten zu.

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Der GDWS-Präsident berichtete, dass man mit Vattenfall in Verhandlungen sei. „Wir streben an, die Anlage zu übernehmen“, so Witte per Zoom. Und weiter: „Da geht es auch um Geld.“ Rund 20 Millionen Euro hatte Vattenfall in die Baumaßnahme investiert. Ohne die Fischtreppe und den Nachweis ihrer Funktionalität hätte es für das Kraftwerk Moorburg keine Betriebsgenehmigung gegeben. Nun hat Vattenfall die Kohleverbrennung gegen eine Millionen-Entschädigung durch die Bundesregierung eingestellt. Deshalb habe der Konzern kein Interesse mehr an der Fischtreppe.

Der Bundestagsabgeodnete Konstantin von Notz: „Vattenfall nimmt Fische in Geiselhaft“. Quelle: Stephan Pramme

Von Notz: „Vattenfall nimmt Fische in Geiselhaft“

Der Hinweis von Witte, dass Vattenfall anscheinend nun auch noch Geld für die Fischtreppe fordert, brachte von Notz in Rage. „Da könnte ich mich ja jetzt schon wieder latent aufregen“, sagte er und warf Vattenfall vor, die Fische in Geiselhaft zu nehmen.

Witte betonte, dass Vattenfall nach jetzigem Status „zu 100 Prozent die Verpflichtung“ habe, das Bauwerk zu unterhalten. Allerdings fehlen die Druckmittel. „Wenn wir in der Verantwortung sind, werden wir alles tun“, um den Fischaufstieg zu ermöglichen, so Witte. Denn Naturschützer sind in großer Sorge, dass nach den vergangenen Jahren auch 2022 und 2023 nur bedingt Fische in ihre Laichgebiete wandern könnten. Die zugeschüttete Fischtreppe am Südufer könnte 2023 wieder betriebsbereit sein, wie es mit der Aufstiegshilfe am Nordufer weitergeht, ist unklar.

Angelverbot muss stärker kontrolliert werden

Thomas Behrends vom Nabu Schleswig-Holstein nannte es „ein gutes Signal“, dass der Betrieb der Geesthachter Fischtreppe durch die GDWS gesichert werden soll. Das müsse jetzt aber zügig gehen. „Stinte ziehen jetzt elbaufwärts und haben keine Chance, aufzusteigen“, hat Jens Gutzmann vom Nabu beobachtet Möwen würde sich satt essen, so sein Hinweis. Heike Kamer, die Vorsitzende des Geesthachter Nabu mahnte, dass auch Angelverbotszonen und -zeiten zum Schutz der wandernden Fische am Stauwehr stärker kontrolliert werden müssten. Albrecht kündigte an, dass sich Land und Kreis da stärker einbringen würden.

Die GDWS hat geplant, das aus den 1960er Jahren stammende Stauwehr in den nächsten 15 Jahren grundlegend zu sanieren. Einig waren sich die Teilnehmer der durch von Notz organisierten Runde, dass es für die Fische eine schnellere Lösung als eine Instandsetzung der Fischaufstiege im Zuge der Bauwerkssanierung brauche.

Von LN