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Lauenburg Schlechte Zeiten für Fische: Endstation Stauwehr Geesthacht
Lokales Lauenburg Schlechte Zeiten für Fische: Endstation Stauwehr Geesthacht
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08:00 03.10.2019
Bauarbeiten am Geesthachter Stauwehr behindern Fischaufstieg. Wegen Einsturzgefahr einer Spundwand wurde die kleine Fischtreppe komplett zugeschüttet. Quelle: TIMO JANN
Geesthacht

Das Stauwehr bei Geesthacht entwickelt sich ungewollt immer mehr zur Großbaustelle. Nachdem Anfang August ein Damm abgerutscht war und nur durch einen tagelangen Kraftakt der unkontrollierte Abfluss des Wassers aus der Oberelbe verhindert werden konnte, wurde Ende August eine in Schräglage geratene Spundwand entdeckt, die mittlerweile mit Hunderten Kubikmetern Sand notdürftig gesichert wurde. Doch die Bauarbeiten gehen weiter und die an beiden Ufern befindlichen Fischaufstiegshilfen haben ihre Funktionen eingebüßt. Der großen Fischtreppe fehlt die im Zuge der Dammsicherung zugeschüttete Lockströmung, die kleine Fischtreppe musste gar komplett verfüllt werden.

Bauarbeiten am Geesthachter Stauwehr behindern Fischaufstieg. Hier an der kleinen Fischtreppe kommt kein Fisch mehr durch, Hunderte Kubikmeter Sand wurden verbaut, um die einsturzgefährdete Spundwand zu stabilisieren. Quelle: TIMO JANN

„Diese Maßnahme war alternativlos, uns blieb keine andere Option“, erklärt Martin Gellner, der stellvertretende Leiter des zuständigen Wasserstraßen- und Schifffahrtsamtes (WSA) in Lauenburg. Folge für die Elbfische: Sie erreichen ihre Laichgebiete nur noch eingeschränkt, weil sie nur noch mit Schwierigkeiten das Stauwehr überwinden können.

Die große Fischtreppe hat aufgrund zugeschütteter Rinnen für die Lockströmung ihre Wirkung ebenfalls zum Teil eingebüßt.. Quelle: TIMO JANN

Die Spundwand, die wahrscheinlich aufgrund zu hohen Bodendrucks 40 Zentimeter aus der Flucht geraten war, fängt das Gelände an einem Stützpfeiler ab. Die Stahlwand war eingebaut worden, um die 1998 in Betrieb genommene kleine Fischtreppe am Südufer der Elbe bauen zu können. Doch da, wo sonst vor allem kleine Fische gegen den Strom schwimmen konnten, liegen jetzt tonnenweise Sand und Kies, mit Sand gefüllte große Bigbags stabilisieren die Spundwand und blockieren den Zulauf von der Oberelbe aus. Gellner: „Die Aufschüttung wurde erforderlich, weil die Spundwand anscheinend im Boden nicht genug Halt hatte. Das ist eine akute Sicherungsmaßnahme.“ Die Planungen einer Reparatur laufen laut Gellner aktuell in enger Abstimmung mit dem Neubauamt der Wasserstraßenverwaltung, die eine Sanierung des Stauwehrs plant. „Zur zeitlichen Schiene können wir derzeit noch nichts sagen“, so Gellner.

Derweil sind Arbeiter am nördlichen Ufer dabei, den im August gesicherten abgerutschten Damm winterfest zu machen. „Wir müssen zusehen, dass uns der Bereich bei Hochwasser nicht wegspült“, berichtet Gellner. Dazu sollen die circa 4000 Tonnen eingebauter Kies mit Vlies abgedeckt und mit Wasserbausteinen belegt werden. Das Stauwehr befindet sich direkt am Scharnier der Elbe, die hier sowohl Sturmfluten von der Nordsee wie Hochwasser von oben ausgesetzt ist. Weil die kleine Aufstiegshilfe keine nennenswerte Funktion nachweisen konnte, wurde durch den Energiekonzern Vattenfall als ökologische Ausgleichsmaßnahme für den Bau des Kohlekraftwerks in Hamburg-Moorburg am Nordufer des Stauwehrs Europas größte Fischtreppe gebaut. Sie wurde 2010 in Betrieb genommen. Nach Einschätzung von Experten dürften die Wasserrinnen für die Lockströmung den Damm unterspült und zu dem massiven Schaden geführt haben.

Bauarbeiten am Geesthachter Stauwehr: Der im August großflächig abgerutschte und notdürftig gesicherte Damm wird derzeit winterfest gemacht, um Sturmflut und Hochwasser überstehen zu können. Die Überläufe für die Lockströmung wurden dicht gemacht. Quelle: TIMO JANN

„Die Schifffahrt läuft wieder, aber der Fischaufstieg praktisch nicht“, kritisierte Horst Bertram vom Botanischen Verein zu Hamburg bereits die Einschränkungen im August. Ohne die Lockströmungen könnten die Fische den großen Fischpass nicht finden, meint der Biologe. Dieser Zustand sei „eine absolute Katastrophe für die Fischfauna des gesamten Elbegebietes“, so Bertram. Vattenfall widersprach dieser Darstellung, die Fischaufstiegsanlage würde auch ohne Lockströmung einen wichtigen Beitrag zur Fischökologie der Elbe leisten.

Die eigentliche Sanierung des Stauwehrs ist ab 2021 geplant. Das WSA plant unter anderem neue Tore für die 50 Meter breiten Wehrfelder. Die Baukosten werden auf etwa 167 Millionen Euro geschätzt und eine Bauzeit von 16 Jahren angenommen.

Von Timo Jann

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