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Lauenburg Fleischer suchen neuen Obermeister
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20:42 22.03.2019
Obermeister Robert Prösch und Geschäftsführerin Susanne Bendfeldt führten durch die Innungsversammlung.
Obermeister Robert Prösch und Geschäftsführerin Susanne Bendfeldt führten durch die Innungsversammlung. Quelle: Matthias Schütt
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Ratzeburg

Vor einer ungewissen Zukunft steht die Fleischer-Innung Holstein-Süd. Nach 15 Jahren wird Obermeister Robert Prösch (Krummesse) sein Amt zum Jahresende aus gesundheitlichen Gründen niederlegen, fand aber in der Innungsversammlung am Donnerstag in Ratzeburg keinen Nachfolger. Die „Bewerbungsfrist“ wurde daraufhin um drei Wochen verlängert. Wenn sich bis dahin kein Kandidat finden sollte, bleiben dem Verband, dem 18 Fachbetriebe in den Kreisen Herzogtum Lauenburg, Stormarn und der Hansestadt Lübeck angehören, zwei Optionen: Entweder man fusioniert mit einer anderen Innung oder die Innung wird aufgelöst.

Immer weniger Familienbetriebe

Die gescheiterte Kandidatenfindung ist symptomatisch für die wirtschaftliche Entwicklung in der Branche, so wie sie sich im ländlichen Holstein darstellt. Kleine Familienbetriebe mit einem Fleischermeister können die verwaltungstechnischen und repräsentativen Aufgaben des Obermeisters nicht zusätzlich übernehmen. Obwohl viele Fleischer durchaus positiv in die Zukunft schauen, unterliegt das Traditionshandwerk tiefgreifenden strukturellen Veränderungen: Der Familienbetrieb stirbt allmählich aus. Die Innung Holstein-Süd, die 2006 mit 37 Betrieben aus der Fusion der drei Kreise hervorging, hat in zwölf Jahren mehr als die Hälfte ihrer Mitglieder verloren. Im vergangenen Jahr kamen zwei Austritte hinzu.

Teil des Problems ist die Schwierigkeit, gute Mitarbeiter zu finden. Derzeit zählt die Innung sechs Fleischerlehrlinge und fünf Auszubildende für den Fleischfachverkauf. Ursachen sind der Trend zu höheren Bildungsabschlüssen sowie die vermeintlich unattraktive Arbeit im Schlachtbetrieb. Dazu kommt eine vergleichsweise geringe Ausbildungsvergütung (zwischen 580 und 750 Euro im Monat). In der Innungsversammlung wurde deutlich, dass die Betriebe hier zulegen müssen. Etwa mit Sonderleistungen, wie Beihilfen zum Führerschein oder Spritgutscheinen.

Veränderung im Konsumverhalten bietet auch Chancen

Veränderungen im Kauf- und Konsumverhalten der Verbraucher haben sowohl positive als auch negative Folgen für das Fleischerhandwerk, wie Obermeister Prösch erläutert. „Zum einen führt die Konzentration des Kaufangebots in Supermärkten und Großzentren dazu, dass den Fachgeschäften die Kundschaft wegbricht. Dazu kommt der Trend zum Fastfood, dem unser Warenangebot nicht dienen kann“, beschreibt Prösch die Herausforderungen. Andererseits stellt das Catering einen neuen attraktiven Geschäftszweig dar, der immer stärker nachgefragt wird.

Neben verschiedenen Regularien stand auch eine Personalentscheidung auf der Tagesordnung der Innungsversammlung: Die neue Geschäftsführerin der Kreishandwerkerschaft Ratzeburg, Susanne Bendfeldt, wurde einstimmig zur Geschäftsführerin der Fleischer-Innung Holstein Süd gewählt.

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Matthias Schütt