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Lauenburg Flüchtling soll Möllnerin sexuell genötigt haben
Lokales Lauenburg Flüchtling soll Möllnerin sexuell genötigt haben
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20:47 28.11.2017
Das Gericht in Ratzeburg.
Mölln/Ratzeburg

„Er hat versucht mir die Beine wegzutreten und ich bin auf dem Rücken gelandet. Dann hat er sich auf mich gekniet“: Die junge Frau in Elternzeit machte im Gerichtssaal einen sehr gefassten Eindruck. Ihre Aussagen machten einen nachvollziehbaren Eindruck und waren detailliert. Doch auch der Schrecken der Tat vom 16. Juli 2016 spiegelt sich in ihren Aussagen wieder.

„Gute und schlechte Menschen gibt es in jeder Volksgruppe.Zeuge im Prozess,

der dem Opfer half

Im zweiten Monat schwanger sei sie zum Tatzeitpunkt gewesen. Als ihr Baby plötzlich vor dem Gerichtsaal anfängt zu weinen, dreht sie nervös den Kopf in Richtung Tür. Die Angst um das Kind sei belastend gewesen, berichtet sie. Und auch heute noch gehe sie im Dunkeln kaum alleine raus. Nähe habe sie lange Zeit nicht mehr zulassen können. Und ihr Freund sagt: „Sie nagt immer noch daran. So etwas verblasst nicht.“

Es ist die Angst, noch einmal die hilflosen Momente zu erleben. Weil sie zum Tatzeitpunkt noch in einem Ort im Südkreis, und nicht bei ihrem Verlobten in Mölln lebte, habe sie sich in der Eulenspiegel-Stadt „verirrt“. Sie fand nicht allein zu ihrem Freund. So habe sie gegen 23.30 Uhr den mutmaßlichen Täter auf der Straße nach dem Weg gefragt. Dieser sprach kein Deutsch und nur wenig Englisch. Als sie weiterging, habe er sie immer weiter verfolgt. Er habe ihr gesagt, dass sie mit zu ihm kommen könne und immer wieder versucht, ihr den Arm auf den Rücken zu legen. Mit Worten auf Englisch, Gesten und schließlich durch Schubsen habe sie ihm zu verstehen gegeben, dass er sie in Ruhe lassen solle.

Dann sei er schließlich brutal geworden. Er habe sie an den Hüften gepackt, sie zu Boden gebracht, ihren Kopf an sich gezogen, ihr kurz „die Zunge in den Mund“ gesteckt und ihr in den Hals gebissen.

„Ich habe ihm zwei oder drei Ohrfeigen gegeben und geschrien“, erzählt die junge Frau. Dann sei Licht in der Sportbar angegangen, vor der sich der Vorfall ereignet haben soll. „Wir spielen dort immer Karten oder gucken Fußball. Plötzlich hörten wir Schreie“, berichtet ein junger Mann später im Zeugenstand. Auch er hat ausländische Wurzeln und ist 21 Jahre alt.

Der Azubi im Versicherungsgewerbe eilt der jungen Frau zusammen mit seinen Freunden zur Hilfe. Sie holen die Frau in die Sportbar, geben der tränenüberströmten 25-Jährigen zu trinken. Sie fahren los und suchen den Täter, berichtet er. Leider erfolglos. Schließlich kommen Polizei und Feuerwehr und bringen die junge Frau ins Ratzeburger Krankenhaus. Später nimmt die Polizei den Beschuldigten in der Massower Straße fest. Doch der Mann hat keine Papiere bei sich. Erst nach einigen Ermittlungen der Beamten stellt sich heraus: Es ist der Bewohner einer Flüchtlingsunterkunft.

„Sie war sehr geschockt. Wir konnten sie nur schwer beruhigen“, sagt der 21-Jährige mit den türkisch-libanesischen Wurzeln, der den Täter wohl verscheucht hat. Später sprechen Opfer und Retter noch vor dem Eingang des Amtsgerichts. Es scheint beiden gut zu tun. „Gute und schlechte Menschen gibt es in jeder Volksgruppe“, sagt der junge Azubi dann bei einem Gespräch im Foyer des Gerichtes. Das sehe man einem Menschen jedoch nicht am Äußeren an.

Der Angeklagte wurde bei seinen Aussagen durch einen Übersetzer unterstützt. Der gepflegt aussehende junge Mann wischt sich während seiner Aussage immer wieder mit einem Taschentuch die Augen trocken. Er habe an dem Abend einen halben Liter Wodka getrunken, weil er seine Familie in der Heimat vermisse. Die junge Frau sei betrunken gewesen, worauf er versucht habe, sie zu stützen. Sie habe ihn auch geschlagen. Davon dass er sie umgerissen oder gebissen habe, wisse er nichts. Polizisten im Zeugenstand erklärten, dass der mutmaßliche Täter und auch die junge Frau nicht den Anschein von Alkohol oder Drogenkonsum gemacht hätten.

Belastet habe die Tat auch ihren Freund, erzählte die 25-Jährige im Zeugenstand. Am Tatabend war das Pärchen zu Gast bei einem Möllner Bekannten. Nach einem Streit war ihr Verlobter bereits vor ihr gegangen. Deshalb musste die 25-Jährige allein nach Hause gehen. Erst hatte sie noch angerufen, und gesagt, sie komme in Kürze nach Hause. Doch nach dem Anruf traf sie auf den mutmaßlichen Täter.

Später habe der Lebensgefährte dann die Nachricht bekommen, dass seine Freundin Opfer einer Straftat geworden war und eilte in die Sportbar.

Gericht und Staatsanwaltschaft halten nach dem ersten Prozesstag neben einem besonders schweren Fall einer sexuellen Nötigung auch eine Verurteilung wegen Vergewaltigung für möglich. Am zweiten und voraussichtlich letzten Prozesstag soll ein DNA-Abgleich von Proben der Kleidung des Opfers mit Proben des mutmaßlichem Täters vorgestellt werden.

Am Freitag, 15. Dezember, wird der Prozess fortgesetzt.

Sexualdelikte im Kreis Herzogtum Lauenburg

Im Jahr 2016 gab es laut Landeskriminalamt (LKA) im Bereich Herzogtum Lauenburg insgesamt 62 Sexualdelikte, (sexuelle Nötigung, sexueller Missbrauch und Vergewaltigung), die der Polizei etwa durch Anzeigen bekannt wurden.

Beim Blick auf die aufgeklärten Fälle wird deutlich, dass

fünf mal ein „Zuwanderer“ der Täter war. Die Aufklärungsquote für Sexualdelikte lag 2016 laut LKA im Lauenburgischen bei 85,5 Prozent.

Die statistische Menge der „Zuwanderer“ kann über die Polizeiliche Kriminalitätsstatistik laut LKA nur näherungsweise berechnet werden. Die Menge der Zuwanderer wird aus den nichtdeutschen Tatverdächtigen mit „Aufenthaltsanlass Asylbewerber“, „Duldung“, „Kontingent/Bürgerkriegsflüchtling“ oder „unerlaubter Aufenthalt“ gebildet. Hinweise zur Dauer des Aufenthalts und dem Stand eines Asylverfahrens seien nicht enthalten.

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