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Lauenburg Nachtgestalten an der Haltestelle
Lokales Lauenburg Nachtgestalten an der Haltestelle
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12:24 25.02.2019
Seltsame Nachtgestalten treffen sich an einer Bushaltestelle und sinnieren über den Sinn der Welt und des Lebens. Probe der Theater-AG an der Lauenburgischen Gelehrtenschule. Im Bild von links: Thomas Fischer, Lucy Labinschus, Anton Kiewitt, Fenella van der Meulen, Svenja Grahn; im Vordergrund Alida Machwitz und Til-Melvin Sengstock.
Seltsame Nachtgestalten treffen sich an einer Bushaltestelle und sinnieren über den Sinn der Welt und des Lebens. Probe der Theater-AG an der Lauenburgischen Gelehrtenschule. Im Bild von links: Thomas Fischer, Lucy Labinschus, Anton Kiewitt, Fenella van der Meulen, Svenja Grahn; im Vordergrund Alida Machwitz und Til-Melvin Sengstock. Quelle: Joachim Strunk
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Ratzeburg

Als Vorlage zu der jüngsten Aufführung der Theater-Eleven der Lauenburger Gelehrtenschule dient das gleichnamige Bühnenwerk „Haltestelle. Geister“ von Helmut Krausser. Die 15 Schülerinnen und Schüler aus der 9. bis 12. Klasse probten unter der Anleitung des Theater-AG-Leiters Hanno Brinkmann quasi seit Beginn dieses Schuljahres.

Als Schauplatz des Geschehens in dem Stück dient eine Bushaltestelle, an der im Laufe des Abends zahlreiche seltsame Nachtgestalten aufeinandertreffen.

Drogen, Hassliebe und Gewalt

Zuallererst Prinzessin Gracia Gala vom Planeten Tallulah, die hier darauf wartet, endlich wieder nach Hause geholt zu werden. Fast mag man ihre Geschichte glauben, die sie so erzählt.

Seit Monaten proben die 15 Mitglieder der Theater-AG an der Lauenburgischen Gelehrtenschule für ihr Stück „Die Welt ist nur der Schatten der Welt“. Quelle: Joachim Strunk

Doch dem Zuschauer kommen Zweifel, wenn er sieht, dass sie „Glückspillen“ nimmt. Dann wäre da noch ein Mann, der von drei schrillen Mädchen ausgeraubt wird, der Drogendealer Rico und eine Blinde, die von ihrem demenzkranken Mann gesucht wird. Bei einem Opernbesucher und seiner egozentrischen Frau sieht man Hassliebe und Gewaltfantasien, die dem Stück eine zunehmend beängstigende Note geben.

So wird hier eine etwas verkommene und dennoch liebenswerte Welt entworfen – und gleich wieder zerstört. Denn an der Bushaltestelle tummeln sich neben diesen skurrilen Gestalten auch die Geister der Toten – und das werden im Lauf des Stücks immer mehr.

Themen der Postmoderne

Sie kommentieren das Geschehen und betrachten das Leben an der Haltestelle. Durch weitere Todesfälle wird es in der Geisterwelt langsam eng. Nur eine Obdachlose kann zwischen den Welten vermitteln, bis auch sie einem Zufall zum Opfer fällt.

Das ist der Handlungsrahmen. Dabei geht es aber nur vordergründig um „Geister“. Vielmehr geht es um zentrale Themen der Postmoderne: die wachsende Entfremdung von der Wirklichkeit, den Versuch zwischen Traum, Vorstellung und Wirklichkeit zu unterscheiden.

Das Schräge ist nur Fassade

So kann man die Charaktere auch beim Wort nehmen: „Die Welt, von der Sie meinen, sie sei die Welt, ist vielleicht nur der Schatten. Wahrscheinlich sind Sie tot und haben es nicht mitbekommen.“ Was ist Wirklichkeit, wie können wir uns dieser Wirklichkeit stellen – das sind die zentralen Fragen des Stückes. Der bizarre Witz, das Schräge, die derbe Ausdrucksweise ist nur eine Fassade, hinter der ernsthafte Fragestellungen verborgen liegen.

Premiere ist am Mittwoch, 27. Februar, eine weitere Aufführung findet am Freitag, 1. März, beides um 19 Uhr statt. Quelle: Joachim Strunk

Lehrer Hanno Brinkmann ist begeistert von dem Ernst und dem Engagement seiner „Schützlinge“, die nicht nur auf seine Anweisungen reagieren, sondern alle gemeinsam an der Umsetzung des Stückes mitarbeiten. Jeder darf sagen, was ihm gefällt oder nicht. Und kein Einwurf wird missachtet.

Schüler, Eltern und interessierte Theaterbesucher können sich selbst ein Bild machen von dem Stück, das am Mittwoch, 27. Februar, um 19 Uhr in der Aula der LG aufgeführt wird. Eine weitere Vorstellung findet am Freitag, 1. März, ebenfalls um 19 Uhr in der LG-Aula statt.

Joachim Strunk