Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Lauenburg Gemeindefusion: Skepsis und Hoffnung
Lokales Lauenburg Gemeindefusion: Skepsis und Hoffnung
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
20:15 02.06.2018
Ratzeburg/Mölln

Am Sonntag, 10. Juni, wird in einer Messe auf der St. Ansverus-Wiese in Einhaus bei Ratzeburg die neue Großpfarrei St. Ansverus im Beisein des Hamburger Erzbischofs Dr. Stefan Heße gegründet. Sie entsteht aus den bisherigen sechs katholischen Gemeinden Ahrensburg mit Großhansdorf, Ratzeburg, Mölln, Bad Oldesloe mit Reinfeld, Bargteheide, Trittau sowie den kirchlichen Orten Kloster Nütschau, dem Don-Bosco-Haus in Mölln und dem Kinder- und Jugendhaus St. Josef in Bad Oldesloe.

„Wir müssen in diesem Jahrhundert leben und Anpassungen treffen, um mit der Zeit zu gehen. Germain Gouèn, Pfarrer St. Ansverus
Landwirt Alwin Kreimer, Rondeshagen.
Doris Piepel, Kirchenbüro Ratzeburg.
Waltraud Becker aus Mölln. Quelle: Fotos: Unk

Den Grund für die Zusammenlegung erklärt der bisherige Ratzeburger Pfarrer Germain Gouèn so: „Es gibt weniger Pfarrer, aber auch weniger Gläubige. Wir müssen in diesem Jahrhundert leben und Anpassungen treffen, um mit der Zeit zu gehen.“ Das sei nichts Negatives, sondern ein Prozess, um mit vorhandenen Mitteln arbeiten zu können.

Annefine Bromann, die gemeinsam mit ihrem Mann Dieter viele Jahre aktiv in der Kirchenarbeit der bisherigen St.-Answer-Gemeinde in Ratzeburg war, fühlt sich mit dieser Neuordnung etwas überfordert:

„Keiner weiß, wie’s wird. Ich habe manchmal das Gefühl, dass die Verwaltung in der katholischen Kirche nicht so klappt. Jedenfalls wissen wir beispielsweise nicht, ob wir überhaupt noch regelmäßig Gottesdienst feiern werden.“ Sie als über 80-Jährige wollten nicht mehr kämpfen, sondern „in Frieden unsere katholische Kirche“ haben.

Was ändert sich nun? Was wird aus Pfarrer Gouèn? Vorzeitiger Ruhestand? Fragen, die etliche katholische Gläubige in und um Ratzeburg beschäftigen. Dazu erklärt Gouèn: „Künftig werde ich auch das tun, was ich vorher als Priester getan habe: Die Sakramente feiern, das ökumenische Miteinander stärken, Kranke und Senioren besuchen, Tote bestatten, Trauernde trösten. Ich werde mich also noch stärker auf die Seelsorge konzentrieren.“ Pfarrer Christoph Scieszka werde die Leitungsaufgaben von Ahrensburg aus übernehmen. Gouèn selbst werde vom 10. Juni an den Titel „Pastor“ tragen. „Ich werde den Pfarrer mitbrüderlich in seiner neuen Funktion unterstützen, bis der Erzbischof von Hamburg für mich anders entscheidet. Ich denke mit 48 Jahren noch nicht an Ruhestand. Im Erzbistum Hamburg gehen die Priester grundsätzlich in Pension, wenn sie 70 sind.“

Pfarrer Scieszka werde nach Beginn seines Dienstes in Zusammenarbeit mit den Pfarrgremien die kirchliche Arbeit organisieren. Künftig wohne ein Priester im lauenburgischen Teil der Pfarrei. Dieser werde durch Pfarrer Scieszka höchstwahrscheinlich mit den lokalen pastoralen Aufgaben beauftragt.

In Mölln und Ratzeburg wird es Gemeindeteams (ein Team pro Ort) geben. Das sind vier bis fünf ehrenamtliche Gemeindemitglieder, die unter der Leitung einer Sprecherin oder eines Sprechers vor Ort Verantwortung tragen für die Organisation des pastoralen Gemeindelebens. Im Grunde genommen, so Gouèn, fördere diese Restrukturierung das Engagement nichtgeweihter Christinnen und Christen. „Die Messen werden durch die Priester gehalten, die in der neuen Pfarrei tätig sind. Bei der Gründungsfeier sind es vier.“

Waltraud Becker aus der katholischen Kirchengemeinde in Mölln sieht den neuen Prozess positiv. Bislang sei man gewissermaßen ein Anhängsel an Ratzeburg gewesen. Künftig „haben wir wieder ein Stück mehr Selbstständigkeit. Jede Gemeinde kann leisten, was sie soll“. Aber wird das nicht vor allem auch für die Ehrenamtler noch fordernder? „Das kann ich jetzt noch nicht sagen. Auf jeden Fall halten wir die Fäden vor Ort zusammen und sind unser eigener Motor“, so Waltraud Becker. Das sei zwar belastend, aber man sei auch wieder näher an den Menschen dran und erziele so mehr Erfolge. „Wir hoffen, dass wir dann auch wieder mehr Menschen für die katholische Kirche gewinnen.“

Auch Doris Piepel aus dem Ratzeburger Kirchenbüro sieht viele positive Aspekte der Fusion zur Großpfarrei. „Die Gemeinden bleiben ja autark. Sie geben zwar einiges ab – beispielsweise wird die Bürozeit und somit die Ansprechmöglichkeit von 23 auf dann 15 Wochenstunden gekürzt. Aber sie sind keine kleinen Nebenstellen.“ Es komme immer darauf an, was die Ehrenamtler aus der neuen Selbstständigkeit machten. „Wir müssen keine Angst haben, dass hier geschlossen wird. Die neue Struktur muss nicht schlecht sein, aber sie muss mit Leben gefüllt werden. Es ist ein Umbruch, der braucht Zeit. Es ist ein Prozess – und der birgt auch eine Chance.“

Alwin Kreimer sieht die Neustrukturierung auch eher skeptisch. Der Landwirt aus Rondeshagen stammt eigentlich aus Westfalen. Von dort ist er vor etlichen Jahren mit seinem Betrieb nach Schleswig-Holstein gezogen. „Das hatte schon etwas Befremdliches damals. Für uns gehört die Kirche ins Dorf. Hier aber gibt es nur einen Anteil von sechs Prozent Katholiken. Keine Leute, kein Geld.

Da ist es natürlich schwer, ein solches Angebot, wie wir es aus dem Münster- oder Emsland kennen, aufrechtzuerhalten.“ Für ihn und seine Frau Elisabeth ist es daher eher eine Frage der Ökumene. „Wir gehen immer öfter nach Berkenthin in die Kirche. Es ist doch besser, man macht das mit Protestanten gemeinsam, als an alten Zöpfen festzuhalten.“

Und wie sieht es Felix Evers, Vorgänger von Germain Gouèn als Pfarrer in Ratzeburg? Der wechselte bereits vor vier Jahren nach Neubrandenburg in den Landkreis Mecklenburgische Seenplatte. Dort übernahm er dieselbe Aufgabe, die künftig Christoph Scieszka für die neue Großpfarrei St. Ansverus inne hat. „Fusionieren müssen doch heute alle Bereiche. Damit muss sogar meine Postbotin klar kommen.“ Das Problem sei nur, dass die Flächen immer größer würden und das Personal immer weniger, so Evers. „Wie stellen wir gemeinsam sicher, dass sich die Leute nicht abgehängt fühlen? Man darf nicht die Bezüge zu den Menschen vor Ort verlieren.“ Bislang ist Evers an der polnischen Grenze für acht katholische Gemeinden zuständig. Demnächst kommen weitere sieben dazu. „Dann brauche ich wohl demnächst einen Hubschrauber, um überall hinzukommen“, scherzt Evers.

Von Joachim Strunk

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 22:00 und 07:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

60 Ehejahre liegen hinter Margot und Waldemar Komorowski. Das Ja-Wort gaben sie sich am 31. Mai 1958 in der Ratzeburger Stadtkirche St. Petri. Gestern feierte das Paar mit Familie und Freunden einen Dankgottesdienst in der St. Georgsberger Kirche – Diamantene Hochzeit.

02.06.2018

Viele schmucke Vehikel wie dieser Austin Healey 3000 MK I, Baujahr 1958, waren in und um Ratzeburg anlässlich der 48. Int. RAC-ADAC Veteranen-Rallye zu bewundern.

02.06.2018

Es ist erstaunlich, wie sich unser größtes einheimisches Wild, das Rotwild, auch außerhalb des Waldes „unsichtbar“ machen kann, zum Beispiel im Schilf, das besonders gute Deckung bietet.

02.06.2018