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Lauenburg „RubiN“: Damit Senioren möglichst lange zu Hause bleiben können
Lokales Lauenburg „RubiN“: Damit Senioren möglichst lange zu Hause bleiben können
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19:41 13.06.2019
Claudia Sieh (re.) berät die Möllner Seniorin Helga H. über die Möglichkeiten einer geriatrischen Reha-Maßnahme. Vorher hatte sie ihr schon beim Antrag auf Erhöhung der Pflegestufe geholfen. Quelle: Joachim Strunk
Mölln

Welcher Mensch möchte nicht so lange wie möglich im Alter seine Selbstständigkeit behalten und im eigenen Zuhause bleiben? Die Alternative wäre ein Senioren- oder Pflegeheim. Für manche ist das möglicherweise die beste Lösung. Doch einigermaßen Rüstige können auch ihren eigenständigen Weg gehen.

Nur ist das so eine Sache, wenn man schon älter ist und sich dann um so komplizierte Sachen kümmern soll wie Pflegegrade oder Leistungen im Gesundheitswesen und sich durch die Bestimmungen des Sozialgesetzbuches quälen soll. Das verstehen oft nicht einmal Menschen, die auf dem Höhepunkt ihrer geistigen und körperlichen Schaffenskraft sind.

Hier hilft nun ein neues Projekt, das gesetzlich Krankenversicherten ab 70 Jahre eine kostenlose Beratung anbietet. Der Name des Projektes ist etwas sperrig: „Regional ununterbrochen betreut im Netz“. Die Abkürzung RubiN prägt sich besser ein.

Über RubiN

Das dreijährige Versorgungsprojekt für geriatrische Kassen-Patienten ab 70 Jahre wird in insgesamt fünf Modellregionen – in Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, Sachsen und Schleswig-Holstein (hier: Herzogtum Lauenburg) – angeboten. Die Projektkosten belaufen sich auf rund 8,1 Millionen Euro. Die teilen sich zur Hälfte der Bund mittels seines Innovationsfonds’ und die gesetzlichen Krankenkassen.

Derzeit nehmen bereits mehr als 3500 Patienten an dem für sie kostenlosen Beratungsangebot teil. Nach zwei Jahren erprobter Testphase folgt im dritten Jahr die wissenschaftliche Auswertung (Evaluation). Das übernehmen medizinische Institute der Universitäten Greifswald, das UKHS Lübeck, die Goethe-Uni in Frankfurt sowie das Institut für angewandte Versorgungsforschung. Als Konsortialführerin hat die Barmer-Krankenversicherung „den Hut auf“.

Bei Erfolg soll das Case Management dauerhaft und flächendeckend in der Regelversorgung der Krankenkassen angeboten werden.

Christina Möllmann, Projektleiterin für RubiN in Mölln, erklärt das Anliegen des Projektes: „Viele Senioren sind im Alltag auf sich allein gestellt und überfordert. Die kompetente Unterstützung durch unsere Case-Manager bei RubiN ist dabei eine große Hilfe. Auch Angehörige der Teilnehmer und beteiligte Hausärzte werden so entlastet.“

Weitere Informationen über RubiN im Internet unter www.rubin-netzwerk.de. Konkrete Anfragen von interessierten Senioren oder deren Angehörigen können telefonisch über die Möllner Nummer 04542/9001610 oder per E-Mail an casemanagement@pnhl.de erfolgen.

Worum geht es genau? In dem bundesweiten Projekt – insgesamt gibt es fünf Modellregionen mit acht Ärztenetzen in Deutschland, die daran teilnehmen – wird erprobt, ob und wie speziell geschulte Versorgungskoordinatoren, so genannte Case-Manager, Senioren bei einer selbstständigen Lebensweise im häuslichen Umfeld unterstützen können.

„In der Regel ist es so, dass wir beteiligten Hausärzte im Praxisnetz Herzogtum Lauenburg (pnhl) Patienten, die es betrifft, auf dieses Angebot hinweisen“, erklärt Dr. Ulrich Berghof, der seine Praxis im Wasserkrüger Weg in Mölln betreibt.

Christina Möllmann (v. l.) vom Praxisnetz Herzogtum Lauenburg und Projektleiterin von RubiN, Case-Managerin Claudia Sieh und der Möllner Arzt für Allgemeinmedizin Dr. Ulrich Berghof stellen das neue Gesundheitsangebot "RubiN" für Senioren ab 70 Jahre vor. Quelle: Joachim Strunk

Das Praxisnetz hat zu diesem Zweck vier Case-Managerinnen geschult. Sie nehmen ihre Aufgabe in enger Zusammenarbeit mit den behandelnden Hausärzten wahr – beginnend mit einer gemeinsamen Einschätzung des individuellen Unterstützungsbedarfs.

Dabei wird für jeden Patienten ein Versorgungsplan erstellt, der beispielsweise Hilfe bei der Beantragung eines Pflegegrades oder Hilfsmittels umfasst. Auch der Zugang zu sozialen Angeboten und die Abstimmung der Versorgung zwischen Krankenhaus, Arztpraxis und Pflegedienst spielen eine Rolle.

Case-Managerin mit Pflegeerfahrung

Claudia Sieh ist eine der vier Case-Managerinnen. Sie kommt ursprünglich aus der Pflege, kennt sich insofern bestens mit dieser Materie aus. „In einem ein- bis zweistündigen Aufnahmegespräch stelle ich erst einmal fest, wie es um den Patienten steht. Vom Arzt habe ich zuvor schon die Medikamentenpläne bekommen. Durch meine pflegefachliche Erfahrung weiß ich, welche Maßnahmen notwendig sind, um der Person ihren Wunsch nach Selbstständigkeit zu erfüllen.“

Keine Kontrolle, sondern Hilfe zur Selbsthilfe

Wichtig ist ihr und auch Dr. Berghof zu betonen: „Bei den Besuchen handelt es sich um keine Kontrolle!“ Manche befürchteten, dass in den Gesprächen geprüft würde, ob sie möglicherweise in ein Heim eingewiesen müssten.

Weiteres Angebot

Der Pflegestützpunkt im Kreis Herzogtum Lauenburg bietet einen ähnlichen Service für ältere Mitbürger an. Allerdings nicht wie das Projekt „RubiN“, das sich vor allem um die Beratung in enger Zusammenarbeit mit den Ärzten kümmert, sondern im Bereich der ehrenamtlichen Nachbarschaft.

Einzelhelfer/innen engagieren sich hier ehrenamtlich in ihrer Nachbarschaft. Sie helfen Menschen mit Unterstützungsbedarf, wie etwa Pflegebedürftigen, in der Aufrechterhaltung sozialer Kontakte, bei Arztbesuchen, bei der Haushaltsführung und/oder Freizeitgestaltung. So tragen Sie dazu bei, dass hilfebedürftige Menschen ihren Alltag möglichst selbstständig bewältigen und somit möglichst lange in ihrer häuslichen Umgebung verbleiben können.

Der Servicepunkt dient Einzelpersonen und Hilfebedürftigen als Unterstützungs- und Anlaufstelle. Zur Eröffnung des ersten Servicepunktes im Nordkreis lädt der Pflegestützpunkt alle Interessierten zu einer Informationsveranstaltung am Montag, 17. Juni, um 17 Uhr ins Trauzimmer des Ratzeburger Rathauses ein.

„Das Gegenteil ist der Fall“, so Claudia Sieh. „Ich entscheide nichts, ich biete nur meinen Rat an – etwa eine Tendenz über den zu beantragenden Pflegegrad. Ich gebe Kontakte zu verschiedenen Diensten weiter – gewissermaßen als Hilfe zur Selbsthilfe.“

„Zeit, um das sacken zu lassen“

Es handele sich auch um keine Produktberatung. Wenn jemand etwa an einer Schlafapnoe (Atemaussetzer während des Schlafes) leide oder einen Treppenlift benötige, könne sie grundsätzlich dazu etwas sagen. „Die Beratung, welches Gerät das beste wäre, erledigt dann ein Fachmann.“

Nach dem ersten Gespräch, an dem auch Angehörige, Kinder oder Ehepartner, teilnehmen können, gebe Sieh den Leuten erst einmal etwas Zeit, „um das sacken zu lassen“. Bei Interesse würden sich die Leute dann bei ihr wieder melden.

„Tolle Sache, hat mir sehr geholfen“

Die Möllnerin Helga H. kannte Claudia Sieh bereits, als diese noch für die Pflege ihres Mannes zuständig war. Zufällig trafen sich die beiden letztens und Claudia Sieh erzählte von ihrer neuen Aufgabe. Helga H. wurde aufmerksam und vereinbarte ein Gespräch mit der Case-Managerin.

„Mittlerweile haben wir schon vier oder fünf Termine gehabt. Das ist eine ganz tolle Sache, sie hat mir sehr geholfen“, erzählt sie. Als es einem noch gesundheitlich gut ging, in jüngeren Jahren, habe man sich um solche Dinge nicht gekümmert. Jetzt, wo es akut wird, brauche sie aber Hilfe und Unterstützung.

Nervosität und Angst vor MDK-Gutachten

Claudia Sieh habe ihr geholfen, um in eine höhere Pflegestufe zu gelangen. Sie übernahm den Antrag bei der Pflegekasse. Bei der entsprechenden Begutachtung von Frau H. durch den Medizinischen Dienst der Krankenversicherung (MDK) war Sieh dabei, gab ihr die Sicherheit in dem Gespräch.

„Man ist ja dann sehr nervös und hat Angst, dass man wichtige Dinge vergessen könnte“, erklärt die Seniorin. Das aber war durch die Anwesenheit der Case-Managerin kein Problem. Alles klappte hervorragend.

Bindeglied zwischen Arzt und Patient

Von der Beratung und Betreuung profitieren viele. Erst einmal die Patienten, die sich nicht mehr allein gelassen oder hilflos fühlen angesichts vieler bürokratischer Hürden. Dann aber hilft es auch den Ärzten. „Die Case-Managerin ist ein Bindeglied zwischen Arzt und Patient. Ich sehe doch gleich, was nötig ist – etwa eine Verordnung über Stützstrümpfe beziehungsweise das Anlegen der Strümpfe oder auch die Einstellung mit Medikamenten durch einen Pflegedienst. Das gebe ich dann an den Arzt weiter, der anschließend schnell die richtige Entscheidung treffen kann.“

Das kann Helga H. nur voll und ganz bestätigen. „Diese Form der kostenlosen Beratung ist eine Supereinrichtung. Zum Beispiel wusste ich gar nicht, dass ich auch Anspruch auf eine geriatrische Reha-Maßnahme, eine Art Kur, habe.“ Die wird sie dank Claudia Sieh in nächster Zeit antreten.

Joachim Strunk

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