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Lauenburg „Gradlinige Verwaltungsführung“
Lokales Lauenburg „Gradlinige Verwaltungsführung“
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21:10 27.05.2015
Pokerface Brackmann: Äußerlich lässt sich der Politikstratege nur selten etwas anmerken.
Ratzeburg

Wenn heute um kurz nach 18 Uhr Kreispräsident Meinhard Füllner in der Ratzeburger Jugendherberge Dr. Christoph Mager (CDU) zum neuen Landrat ernennt , beginnt in der Kreisverwaltung eine neue Ära. Gleichzeitig endet die Amtszeit von Interims-Verwaltungschef Norbert Brackmann (CDU). Seit September vergangenen Jahres hat der 60-jährige Erste Kreisrat den dauererkrankten Amtsinhaber Gerd Krämer ohne Pause vertreten — und in dieser Zeit mehr als nur seinen politischen Ziehsohn, fraktionsinternen Stellvertreter und DLRG-Kameraden Mager inthronisiert. Eine Zeit, in der der auf Bundesebene erfahrene Politikstratege, Jurist und Hauptmann der Reserve kaum etwas dem Zufall überließ.

Eine mögliche längerfristige Vertretung schon ahnend habe er sich nach der Kommunalwahl 2013 trotz seines Bundestagsmandates erstmals zum Ersten Kreisrat wählen lassen, sagte Brackmann auf Nachfrage während der Pressekonferenz zu Krämers Ausscheiden. Und auch der Abgang Krämers selbst — mit eingefädelt vom Hauptausschuss als Krämers Dienstvorgesetztem mit Brackmann an der Spitze — war augenscheinlich etwas, was man heute neudeutsch als Deal bezeichnen würde: Krämer ließ sich auf einen — wenn auch nicht sofortigen aber vorzeitigen — Abschied ein. Und als sich Krämers Fehlzeiten weiter häuften, verzichtete der Hauptausschuss auf die Anordnung einer Untersuchung durch den Amtsarzt. Die Politik akzeptierte eine mehr als halbjährige Ausfallzeit ohne weitere Prüfung.

Mit der getroffenen Entscheidung habe der Hauptausschuss „eine einheitliche und gradlinige Verwaltungsführung“ sichergestellt, sagte Brackmann im November. Und „gradlinig“ bedeutete fortan vor allem „Linie Brackmann“. Mit der größten Kreistagsfraktion als deren Vorsitzender im Rücken ohnehin Meinungsbildner, der Gestaltungsmöglichkeit als Hauptausschuss-Vorsitzendem und nun auch noch bislang verschlossenen Einblicken in Verwaltung und deren Prozessabläufe hatte Brackmann fortan praktisch alle Fäden in der Hand. „Man hat schon ganz erheblich mehr Einblick als nur als Kreistagsabgeordneter“, so Brackmann. Schon in einer sehr frühen Phase sei man in Vorgänge eingebunden und könne diese richtungsweisend beeinflussen, gibt er zu.

Deutlich wurden diese „gradlinigen“ Entscheidungen auch im Rettungsdienst und im Katastrophenschutz — neben der Haushaltspolitik eines der großen Steckenpferde des ehrenamtlichen Rettungsassistenten der DLRG Oberelbe. Die Druckerschwärze auf den Seiten der üblicherweise nicht öffentlichen Fortschreibung des Forplan-Rettungsdienstgutachtens war noch warm, da standen zwei zusätzliche Rettungswagen — einer davon bei der DLRG in Brackmanns Heimatort Lauenburg — in den Rettungswachen. Fahrzeuge, wie sie üblicherweise nur mit monatelangen Lieferzeiten zu bekommen sind.

Und auch die Verwaltung in diesem Bereich wurde unter Brackmanns Regie umstrukturiert. Ein erfahrener Mitarbeiter im Katastrophenschutz muss seinen Platz räumen. Statt um Elbehochwasser wird sich der wenige Jahre vor seiner Pensionierung stehende Verwaltungsmitarbeiter künftig auf einer neu geschaffenen Stelle um die Heimaufsicht kümmern. Die so freiwerdende Katastrophenschutzstelle ließ

Brackmann für einen Rescue-Ingenieur ausschreiben. „Damit werden der Rettungsbereich und der Katastrophenschutz strukturell in der Verwaltung angepasst“, begründet Kreissprecher Karsten Steffen die strukturellen Veränderungen kurz vor Ende der Amtszeit von Interims-Landrat Brackmann. Die Verstärkung der Heimaufsicht war von der SPD bereits im vergangenen Jahr gefordert und damals unter anderem von der CDU blockiert worden. Unter Brackmanns Regie wurden 2015 fast 30 Stellen neu besetzt oder sollen demnächst besetzt werden.

Doch der multifunktionale Einsatz hat bei dem Bundesabgeordneten und Teilzeit-Landrat Brackmann auch Spuren hinterlassen. In den sitzungsfreien Wochen in Berlin sei er neben seiner politischen Wahlkreisarbeit praktisch vier Tage in der Woche in der Kreisverwaltung gewesen und habe zusätzlich an Wochenenden diverse Termin wahrnehmen müssen. Doch auch während der Sitzungswochen in Berlin habe er immer wieder Rücksprache mit dem Kreis halten müssen. „Das war nicht immer einfach, weil man in Berlin thematisch in einer ganz anderen Welt ist“, sagt Brackmann. Viel habe dann in der Nacht oder am Wochenende stattfinden müssen. Ingesamt sei er mit Zeit aber zufrieden. Er sei immer eher um den Ausgleich bemüht gewesen, was seiner eigenen Fraktion nicht immer einfach zu vermitteln gewesen sei, so Brackmann. Er selbst verstehe viele Vorgänge nun ein Stück weit mehr. Erkenntnisse, die dem Machtmenschen auch gegenüber dem politischen Gegner helfen? „Im Zweifel ist es immer besser, man hat einen Wissensvorsprung als andersherum“, sagt Brackmann. Vor allem aber eines habe er gelernt: Die Kreisverwaltung sei besser als ihr Ruf.

Nach der Vereidigung von Neu-Landrat Dr. Christoph Mager heute Abend habe er aber erst einmal eines auf dem Terminplan: Familie. „Ich habe meiner Frau versprochen, ab Freitag mit ihr ein verlängertes Wochenende wegzufahren“, sagt der scheidende Interims-Landrat Brackmann.

Das Netzwerk Brackmann
Im Kreistag sitzt Norbert Brackmann seit 1978. Den Fraktionsvorsitz hat er von 1986 bis 1990 sowie seit 1998 inne und ist aktuell zusätzlich Hauptausschuss-Vorsitzender.
Seit 1991 ist er Aufsichtsrats-Vorsitzender der Raiffeisenbank Lauenburg.
Im Bundestag sitzt Brackmann seit 2009. Außerdem ist er Vorsitzender des Bundesfinanzierungsgremiums, stellvertretender Vorsitzender des Verwaltungsrates der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben.
Ehrenamtlich ist Brackmann bei der DLRG Rettungsassistent, Organisatorischer Leiter Rettungsdienst des Kreises und Mitglied der Technischen Einsatzleitung.

Holger Marohn

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