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Lauenburg Grambek: Integrative Kita wünscht sich eine Wassersäule
Lokales Lauenburg Grambek: Integrative Kita wünscht sich eine Wassersäule
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12:18 02.12.2019
Teamleiterin Anja Ilmenau liest Nele (4) und Neyla (2) im Snoezelen-Raum vor. Die Kita "Heidepünktchen" des Lebenshilfewerkes in Grambek wünscht sich eine beleuchtete Wassersäule für den Entspannungsraum. Quelle: Florian Grombein
Mölln

Plätzchenbacken in der Kindertagesstätte Heidepünktchen: Maxim (6) und Neyla (2) legen bunte Streusel auf den Teig. Ein Vormittag in der integrativen Kita kann für die Mitarbeiter ganz schön turbulent sein. Fragen der Kinder sprudeln auf Erzieher Stephan Wegener (36) und Heilerziehungspflegerin Kristin von Borstel (30) ein. Hier und da wird gekleckert und ab und an muss eines der jüngeren Kinder gewickelt werden.

Gerade die Kinder mit Behinderungen brauchen viel Aufmerksamkeit, weil es ihnen an Konzentration oder motorischen Fähigkeiten mangelt. Vier von ihnen und elf Regelkinder werden in Grambek in einer von zwei Gruppen gemeinsam betreut. Weil zu hohe Lautstärke für Mitarbeiter und auch Kinder schnell ungesund werden kann, wird mit einer Lärm-Ampel gearbeitet – ein griffiges Bild für Kinder. Denn bei „Rot“ heißt es Stopp – so kann es nicht weitergehen.

Snoezelen heißt nicht nur dösen

Snoezelen ist ein Phantasiewort, in dem die englischsprachigen Verben „snooze“ und „doze“ (engl. dösen, ein Nickerchen machen) vereint sind. Es wurde in den 80er Jahren in den Niederlanden in Einrichtungen für schwerst behinderte Menschen entwickelt. Hinter dem Snoezelen steht ein multifunktionales Konzept.

In einem besonders ansprechend gestalteten Raum (vorwiegend „Weißer Raum“) werden über Licht-, Klang- und Tonelemente, Aromen und Musik Sinnesempfindungen ausgelöst. Diese wirken auf die verschiedensten Wahrnehmungsbereiche entspannend, aber auch aktivierend.

Das gezielt ausgesuchte Angebot steuert und ordnet die Reize, es weckt Interesse, es ruft Erinnerungen hervor und lenkt Beziehungen. Das Snoezelen soll immer Wohlbefinden erzeugen. In der ruhigen Atmosphäre werden den Menschen Ängste genommen, sie fühlen sich geborgen.

Quelle: International Snoezelen Association (www.snoezelen-professional.com)

Mediale Reize und Hektik lassen Kinder schwer zur Ruhe kommen

Um Ruhe in den Alltag der Kinder zu bringen, die durch mediale Reize wie Internet, Spielekonsolen und Smartphones in der heutigen Zeit immer schwerer zur Ruhe kommen, setzen die Erzieher auf einen Raum zur Entspannung. Im Snoezelen-Raum, ein Konzept aus den Niederlanden, soll durch die Anregung aller Sinne mit Licht und Musik Ruhe einkehren.

Mit vorhandenen Mitteln und mithilfe der Eltern ist schon einiges geschafft, um einen solchen Raum der Ruhe und Sinneserfahrungen einzurichten. Klassische Musik und an die Wand projizierte Sterne bewirken schon eine Menge. Doch ein sehr wichtiges Element fehlt noch immer: Eine Wasser-Lichtsäule. „Die Farbwechsel und das Tanzen der Luftblasen in solchen Säulen, helfen den Kindern, sich zu entspannen aber auch ihre Sinne anzuregen“, erklärt Teamleiterin Anja Ilmenau. Leider sind diese Säulen zu teuer für eine kleine Kita mit nur zwei Gruppen.

Hilfe im Advent: So können Sie helfen

Liebe Leserinnen und Leser, dazugehören, mitmachen, hilfreich sein: Wer kein Handicap hat, kann sich schwer vorstellen, wie wichtig das für Menschen mit einer Einschränkung ist. Dabei macht es keinen Unterschied, ob diese geistiger oder körperlicher Natur ist.

Das Lebenshilfewerk Mölln-Hagenow hilft Menschen mit Handicap, am Leben teilzunehmen. Und wir wollen mit der Leser-Aktion „Hilfe im Advent“ gemeinsam mit unserem Kooperationspartner Kreissparkasse Herzogtum Lauenburg dem Lebenshilfewerk

helfen, lang gehegte Träume der betreuten Menschen wie eine Spezialschaukel oder eine Reise ans Meer Wirklichkeit werden zu lassen – oder eben den Kindern der Tagesstätte „Heidepünktchen“ aus Grambek eine Wassersäule für den Entspannungsraum spendieren. Helfen Sie helfen!

Ihr Hanno Hannes, Lokalchef Lauenburgische Nachrichten

Das Spendenkonto

Verwendungszweck: „Hilfe im Advent

Kontoinhaber: Lebenshilfewerk Kreis Herzogtum Lauenburg gemeinnützige GmbH

IBAN : DE12 2305 2750 0086 0860 30

Kreissparkasse Herzogtum Lauenburg.

Autismus und Entwicklungsverzögerungen

Autismus, Epilepsie oder etwa sozial-emotionale Auffälligkeiten wie ADHS sind bei den Förderkindern festgestellt worden, erklärt Petra Wagner, Leiterin der Kitas Schneideschere in Mölln und der Kita in Grambek. Die Kinder brauchen mehr Betreuungsaufwand. Dabei dürften auch Regelkinder nicht zu kurz kommen. Auch diese hätten Ihr Päckchen zu tragen und ständen, was ihre Entwicklung betreffe, unter Beobachtung.

Es müsse hinter einer Fördermaßnahme nicht immer eine Diagnose wie „ADHS“ oder „Autismus“ stehen. Für die Heilerziehungspfleger käme außerdem für die Integrativkinder eine größere Vor- und Nachbereitungszeit hinzu. Berichte müssten für die zuständigen Behörden geschrieben werden, auf deren Grundlage Fördermaßnahmen bewilligt werden können. Denn der Staat zahlt für Therapien, die Kindern mit Behinderungen oder Entwicklungsverzögerungen helfen sollen, sich zu integrieren oder weiter zu entwickeln.

Weitere Informationen zu „Hilfe im Advent“

Klicken Sie hier, um auf einer Themenseite alle Berichte zur LN-Aktion „Hilfe im Advent“ zu lesen

Leben mit Behinderungen: So meistert eine Lübecker Familie die Barrieren des Alltags (große LN-Reportage)

Der Landesbeauftragte für Menschen mit Behinderung im Interview: Warum Schleswig-Holstein Nachholbedarf hat

Diese Initiativen unterstützen wir 2019 mit Ihrer Spende – in den Artikeln steht, wie Sie helfen können:

Lübeck: Die Marli GmbH hilft schwerbehinderten Menschen. Mehr Informationen zum Projekt.

Ostholstein: „Die Ostholsteiner“ helfen Menschen mit Behinderung zu mehr Selbständigkeit und Bewegungsfreiheit. Mehr Informationen zum Projekt.

Segeberg und Stormarn: Die „Lebenshilfe“ hilft Menschen mit Behinderungen, dass sie an alltäglichen Aktivitäten wie Disco oder Kegeln teilnehmen können. Mehr Informationen zum Projekt.

Herzogtum Lauenburg: In der integrativen Kindertagesstätte Heidepünktchen werden Kinder mit und ohne Handicap gemeinsam aufs Leben vorbereitet. Mehr Informationen zum Projekt.

Die Spender werden in den LN genannt. Wenn Sie das nicht möchten, vermerken Sie im Verwendungszweck „bitte anonym“. Falls Sie eine Spendenbescheinigung wünschen, geben Sie Ihren Namen und Ihre Adresse bei der Überweisung an. Bei Spenden bis 200 Euro reicht der Überweisungsbeleg als Bescheinigung.

Defizite der Kinder spielerisch therapieren

„Wir versuchen die Kinder so weit wie möglich in der Gruppe betreuen, damit sie voneinander lernen können“, erklärt Anja Ilmenau, Teamleiterin in Grambek. Doch es gebe auch Einzelmaßnahmen, für die Förderkinder aus der Gruppe genommen werden.

Das Lebenshilfewerk Mölln-Hagenow hat auch einen mobilen Dienst und eine Integrationsberatung, die Fördermaßnahmen umsetzen. Heilerziehungspfleger oder ähnlich kompetentes pädagogisches Personal fahren in Kitas, die keine integrativen Gruppen haben und fördern die Kinder mit Handicap in ihren Einrichtungen nach bestimmten Stundenkontingenten.

Sie betrachten die Defizite der Kinder und wählen auf spielerische Art passende Therapieren aus. „Den meisten Kindern fällt das Entspannen in der heutigen Zeit sehr schwer", sagt Anja Ilmenau. Die Lautstärke und Hektik der Zeit führten dazu. Und Petra Wagner ergänzt: „Wir sehen, wie viele Termine Kinder auch am Nachmittag nach der Schule noch haben.“

Ein wenig finanzielle Unterstützung für die Ausstattung der Kita in Grambek, die zum Amt Breitenfelde gehört, könnte also nicht schaden. 800 Euro wird allein die Wassersäule kosten. Die optimale Ausstattung so eines Snoezelen-Raumes schlage mit mehreren tausend Euro zu Buche. Die Vibrationen einer Wassersäule sorge auch für taktile Reize. Anfassen und spüren, auch wenn es beispielsweise einem Autisten schwer fällt, sich darauf einzulassen. Mit einer Wassersäule lassen sich diese Sinneserfahrungen ganz behutsam erweitern, weiß Anja Ilmenau.

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Von Florian Grombein