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Lauenburg Groß Weeden: Zehn Häuser für 100 Flüchtlinge bis zum Herbst
Lokales Lauenburg Groß Weeden: Zehn Häuser für 100 Flüchtlinge bis zum Herbst
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09:08 27.01.2016
Auf dem eingekreisten Gebiet sind zehn Baugrundstücke geplant. Die Grundstücke für zehn eingeschossige Doppelhäuser im Bungalow-Stil und mit je zwei Wohneinheiten haben eine Größe zwischen 560 und 750 Quadratmeter. Quelle: Fotos: Bernd Koop/joachim Strunk
Sierksrade

Bis zum vergangenen Herbst hätte das Thema „Windkraft“ für die Gemeinde Sierksrade wohl solche Sprengkraft besessen, dass ein turbulenter Abend im Rahmen einer Einwohnerversammlung zu erwarten gewesen wäre. Denn die Erfahrungen mit „den Spargeln“ in den Nachbarorten Kastorf/Siebenbäumen haben bei etlichen Unentschlossenen für eine klare Haltung gegen die „Windmühlen“ gesorgt. Doch am Montagabend blieb es bei dem Thema ruhig, als Verwaltungschef Frank Hase das Prozedere im Vorfeld des für den 28. Februar beschlossenen Bürgerentscheids erklärte. Die entscheidende Frage wird lauten: „Sind Sie dafür, dass auf Sierksrader Hoheitsgebiet Windkraftanlagen entstehen sollen (Ja/Nein)?“

Die Stimmung im Dorf ist anscheinend eher dagegen. allerdings gab es keine eindeutigen Äußerungen aus der Zuhörerschaft — weder pro noch kontra. Hase wies zudem darauf hin, dass die Bürgerentscheidung für das Land keine größere Bedeutung hat. Letztlich entscheide Kiel. Der Investor (WKA-Hersteller/Betreiber) hat zumindest bislang noch keinen Bauantrag gestellt.

Viel interessierter lauschten die rund 60 Bürgerinnen und Bürger Hases Ausführungen zum Thema Flüchtlingsunterkünfte. Maximal zehn eingeschossige Häuser (Stein auf Stein und Holzrahmenbau mit Verblender) sollen im Bungalow-Stil mit insgesamt 20 Wohnungen für maximal 100 Flüchtlingen entstehen. Baubeginn ist voraussichtlich ab 1. April, die Fertigstellung wird für Anfang Oktober angestrebt.

Das Amt möchte in den zehn Häusern — mehr sind nach den Vorgaben der Landesplanung trotz des 35000 Quadratmeter großen Grundstücks der ehemaligen Diskothek „Ziegelei“ gar nicht erlaubt — einen Mix von „alten“ und „neuen“ Flüchtlingsfamilien ansiedeln. Hase: „Für uns ist es wichtig, diese Menschen möglichst schnell zu integrieren.“

Die Chance darauf sei gegeben, weil die bisher zugewiesenen Familien gut untergebracht und betreut werden konnten. Diese seien durch die intensive Betreuung durch Nachbarn und Paten des Runden Tischs Willkommenskultur einer Integration sehr aufgeschlossen. Marc Hamdorf, Andrea Fernandes und Annelie Tesche vom Runden Tisch erläuterten ausführlich ihre Erfahrungen mit den Neubürgern und über die Ziele und Wünsche für ihre weitere Arbeit. Diese Ausführungen wurden mit Applaus belohnt.

Nach dem Bau der zehn Häuser gibt es beim Amt für 2017 im Moment keine weiteren Bauplanungen. „Wir gehen davon aus, dass die Aufnahme und Betreuung weiter gut klappen werden“, erklärte Frank Hase.

Zum Bürgerentscheid
344 Sierksrader sind für den Bürgerentscheid am 28. Februar zum Thema Windkraftanlagen auf Sierksrader Hoheitsgebiet stimmberechtigt.



Für eine Entscheidung Pro oder Kontra ist zum einen eine einfache Mehrheit notwendig. Außerdem müssen sich mindestens 69 Bürgerinnen und Bürger (entspricht 20 Prozent der Stimmberechtigten) an dem Entscheid beteiligen. Beide Voraussetzungen müssen erfüllt sein.

Joachim Strunk