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Lauenburg Großes Interesse an Hospizbau in Mölln
Lokales Lauenburg Großes Interesse an Hospizbau in Mölln
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19:18 20.11.2019
Mehr als 120 Menschen sind zur ersten Informationsveranstaltung des Hospiz-Fördervereins Mölln gekommen. Quelle: Holger Marohn
Mölln

Vor nicht einmal einem Jahr hatte eine Gruppe um Ärztin Karina Zühlsdorf, dem langjährigen Geschäftsführer des Lebenshilfewerkes und Netzwerker Joachim Grätsch und Elke Heitmann die Idee, ein Hospiz in Mölln aufzubauen. Im Sommer gründeten sie mit 14 weiteren Mitstreitern einen entsprechenden Förderverein. Nun ging der inzwischen auf 53 Unterstützer angewachsene Verein mit einer ersten Informationsveranstaltung an die Öffentlichkeit. Und das Interesse war groß. Etwa 120 Interessierte kamen in den Robert-Koch-Park.

Landesweit fehlen 80 bis 90 Plätze

„Es ist wichtig, dass der Förderverein möglichst viele Mitglieder hat, um der Politik zu zeigen, dass das Interesse hier groß ist“, sagte Joachim Grätsch. Denn es sei wichtig, auch im nördlichen Teil des Kreises eine Einrichtung zu haben, die den Menschen ermögliche, den letzten Lebensweg anders in Würde und Selbstbestimmung zu gehen. Gerade wenn Angehörige täglich zu Besuchen kämen, sei eine gute Erreichbarkeit wichtig.

Mit weiteren Hospizen in Geesthacht, Lübeck und Bad Oldesloe ist der Weg für Angehörigen zwar weit, gerade wenn es um die täglichen Besuche im allerletzten Lebensabschnitt geht. Gleichzeitig ist die Dichte an Hospizen angesichts von derzeit – nach einigen Statistiken –neun Hospizen landesweit bei 16 Kreisen und kreisfreien Städten eben aus Kieler Politikersicht möglicherweise vergleichsweise hoch. Dennoch fehlen derzeit landesweit geschätzt 80 bis 90 Plätze.

Kosten im Millionenbereich

Geht es nach dem Förderverein mit seinen lokal prominenten Unterstützern wie Bürgervorsteher Jan Frederik Schlie oder Bürgermeister Jan Wiegels, sollen in Mölln acht bis zehn Plätze entstehen. 800 bis 1000 Quadratmeter Fläche müsste ein entsprechendes zu bauendes oder umzubauendes Gebäude haben. „Die Kosten dafür muss ein Architekt ermitteln, aber sie werden sicherlich nicht bei 2500 Euro pro Quadratmeter liegen, sondern eher darüber“, prognostiziert Grätsch. Es geht also um einen Investitionsbereich, der schnell in einem mittleren einstelligen Millionenbereich liegen könnte. Für die erforderliche Betreuung würden etwa 20 Arbeitsplätze entstehen – oder eben auch 20 Fachkräfte benötigt.

„Zu Hause zu sterben ist aufgrund der erforderlichen Betreuung immer schlechter möglich“, sagte Bürgermeister Jan Wiegels. Wenn es dann nicht im Krankenhaus sein soll oder muss, könne es nur ein Hospiz sein. Die Stadt sei bereit, bei der Suche nach Gebäuden oder Grundstücken zu unterstützen. Finanzielle Entscheidungen seien dann Sache des Ausschusses.

Fachkräftemangel ein Problem

Auch Landespastor Heiko Naß warb für die Hospiz-Idee. „Menschen wechseln in den letzten Lebensmomenten zwischen dem eigenen Heim und dem Krankenhaus hin und her, um letztlich im Krankenhaus zu versterben“, sagte Naß. Das müsse nicht sein. Dabei seien die Hospize auch eine Reaktion auf die Veränderungen im Ländlichen Raum. So gebe es immer weniger Hausärzte und die Krankenhäuser seien aufgrund des Fachkräftemangels mit Pflegekräften häufig unterversorgt und dadurch eine Betreuung, wie sie der Mensch auf dem letzten Lebensweg verdient habe, häufig nicht möglich. „Ein Hospiz verspricht, das Beste für die verbleibende Lebenszeit zu geben“, sagte Naß.

Testament zugunsten eines Hospizes

Neben öffentlichen Zuschüssen hofft der Förderverein, zumindest einen Teil der Investitionskosten auch über Spenden aufbringen zu können. Daher bittet der Förderverein, Geburtstage, Jubiläen „und ähnliche Feierlichkeiten zu nutzen, um Spenden für den Förderverein einzuwerben. So spendete die Kreissparkasse Herzogtum Lauenburg während der Informationsveranstaltung 1000 Euro für die Arbeit des Fördervereins.

Sparkassen-Vorstand Udo Schlünsen (m.) überreicht eine Spende an Vorsitzende Dr. Karina Zühlsdorf und Hans-Joachim Grätsch. Quelle: Holger Marohn

Eine andere Möglichkeit sei es, den Förderverein in seinem Testament zu bedenken. So etwas machen viele Menschen beispielsweise im Bereich des Tierschutzes und auch das Möllner Naturparkzentrum Uhlenkolk profitierte einst von der Berücksichtigung in einem Testament. Denn, um die Investition nachhaltig unterstützen zu können, sind noch viele Spenden wie die der Kreissparkasse nötig.

Gespräche mit Kostenträgern

Für den Möllner Förderverein ist laut Grätsch allerdings klar, dass er selbst nicht Träger eines Hospizes werden wird. Das sei für einen ehrenamtlich geführten Verein schnell eine Nummer zu groß. Für eine Trägerschaft kämen vielmehr Organisationen wie die Vorwerker Diakonie oder auch das Lebenshilfewerk in Frage, sagt Grätsch. Von letzterer Einrichtung für Menschen mit Behinderung war Grätsch selbst lange Geschäftsführer. Entsprechend erinnerte er auch daran, diesen Teil der Gesellschaft nicht bei der Hospizarbeit zu vergessen.

Allerdings sei man noch lange nicht so weit, ein Gebäude oder gar einen Business-Plan zu haben. Zunächst gehe es darum, Gespräche mit möglichen Betreibern und Kostenträgern wie dem Land Schleswig-Holstein und den Pflegekassen zu führen. Und auch dazu sei es wichtig für den Verein, weiter zu wachsen und an Relevanz zu gewinnen. Angesichts der 120 Gäste und derzeit 53 Mitglieder scheint da noch einige Luft nach oben zu sein.

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