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Lauenburg Grüne sehen Bevölkerung aufnahmebereit
Lokales Lauenburg Grüne sehen Bevölkerung aufnahmebereit
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20:10 04.11.2014
Viele Zuhörer waren zu der AfD-Veranstaltung gekommen, zu der die Möllner AfD-Ortsbeauftragte Andrea Gaidetzka (re.) eingeladen hatte.
Mölln

Ratzeburg/Mölln/Wentorf b. Hmb. — Flüchtlinge finden im Lauenburgischen ein ausgeprägtes Netz an Willkommenskultur. Auf Basis ehrenamtlicher Kräfte und Institutioneller Hilfe werde viel für die betroffenen Menschen getan, so das Resümee des Grünen-Landtagsabgeordnete Burghard Peters nach Besuchen in Ratzeburg, Mölln und Wentorf b. Hmb. Allerdings gebe es auch Defizite, vor allem seien die Sprachkurse überfüllt.

Bei seiner Bereisung verschaffte sich Peters, der in der Kieler Grünen-Fraktion für Innen-, Rechts- und Flüchtlingspolitik zuständig ist, ein Bild über den aktuellen Stand bei Unterbringung und Betreuung von Flüchtlingen.

Laut Kreisverwaltung sind es (Stand Ende September) 472 Menschen im laufenden Anerkennungsverfahren, schwerpunktmäßig aus Syrien, Afghanistan und Serbien. Für 2015 sind 6700 Flüchtlinge prognostiziert.

Positiv sei, so Peters weiter, dass sich in allen drei Orten Initiativen zu Unterstützung der Zuwanderer gegründet haben. Dabei stelle die Vermittlung der deutschen Sprache einen Schwerpunkt dar, gestalte sich häufig aber schwierig. Die Lehrkräfte sein ausgebucht. Die Asylsuchenden seien unterschiedlich vorgebildet, was einen einheitlichen Unterricht erschwere. „Vom Analphabeten bis zu Hochschulabsolventen ist alles vertreten“, so Peters. Hinzu kämen die weiten Wege des Flächenkreises. Zudem bestehe ein Mangel an Dolmetschern. Da diese vom Land nicht zur Verfügung gestellt werden, müssen die Betreuer in den Kommunen sich meist ohne behelfen. Eine große Hilfe sei das Starterpaket für Flüchtlinge (STAFF), ein Projekt der Volkshochschulen, vom Innenministerium des Landes und vom Europäischen Flüchtlingsfonds finanziert.

Ratzeburgs Bürgermeister Rainer Voß betonte, die Willkommenskultur habe sich weiterentwickelt. Es bestehe eine „Kultur des Machbaren“. Hochkompliziert sei die Betreuung traumatisierter Menschen. Hierzu fehlten Fachkräfte.

In Mölln seien neben der Stadt viele weitere Akteure in die Willkommenskultur eingebunden. Einen Teil der Sprachkurse hat das Berufsbildungszentrum übernommen. Wie der stellvertretende Direktor Mathias Links berichtete, sei die Nachfrage erheblich größer als das Angebot. Die Kurse würden überquellen. Burkhard Peters hat zugesichert, sich in Kiel für Hilfe einzusetzen. Inga Steinfatt von der Diakonie berichtete Peters, die Behörden seien unterbesetzt und nicht auf die Flut der Asylsuchenden vorbereitet.

Inakzeptabel sei die Unterscheidung zwischen guten und schlechten Flüchtlingen, wie sie von Migrationskritikern vorgenommen werde, betont Peters. „Die unselige Maxime der 90er Jahre, ein abweisendes Klima zu schüren, ist vorbei und darf nicht wiederkehren“, so der Grünen-Landespolitiker. Ihm sei übrigens nicht ein einziger Fall bekannt geworden, dass ein Asylsuchender einen Antrag auf Zahnersatz gestellt habe.

Wenn der gesunde Menschenverstand spricht
Die Stühle reichen nicht, der Raum im Hotel Schwanenhof am Möllner Schulsee ist zu klein für die Info-Veranstaltung der AfD zum Thema Migration. Dicht gedrängt sitzen fast 60 Frauen und Männer, überwiegend im Seniorenalter, dem Herren im Anzug und mit Mikro in der Hand gegenüber. Hasso Füsslein, Vize-Kreischef der AfD, beginnt gut gelaunt und gut gewappnet seinen „Brennpunkt“-Vortrag zum Thema Migration. Nach einem lockeren Einstiegsplauderton wird schnell auch dem letzten Willkommenskultur-Gutmenschen klar, dass er sich nun warm anziehen sollte. Hier spricht nämlich der gesunde Menschenverstand, wird Füsslein gleich mit strengem Blick betonen.
Mit plakativen Power-Point-Bildern macht der 66-jährige Dipl.-Ing. aus Schwarzenbek deutlich, wohin die Reise der AfD-Argumentesammlung in Sachen Migration geht: „Das ist mein Bild von Deutschland
. . .“, zeigt Füsslein auf das Foto einer schmucken Villa — die sich auf der Leinwand sogleich in einen rauchenden Trümmerhaufen verwandelt. „. . . und so darf Deutschland nicht werden“, erhebt Füsslein Stimme und Zeigefinger. Zustimmendes Raunen im Saal. Der Zuhörer nimmt erstaunt zur Kenntnis, wer so alles schon immer auf AfD-Linie war. Der bekennende Sarrazin-Fan („Deutschland schafft sich ab“) Füsslein hat jede Menge Kronzeugen parat, die irgendwie in die politische Richtung der Alternativ-Partei zu passen scheinen. Von Kurt Tucholsky oder auch Otto Schily (Grüne, später SPD-Innenminister) prangen Zitate auf der Leinwand, die auch von AfD-Chef Bernd Lucke hätten stammen können.
Immer wieder von Beifall und „Sehr richtig!“-Rufen unterbrochen, spult der wortgewandte Ingenieur die AfD-Positionen zum Thema Einwanderung ab: Mehr Steuerung, baldmöglichste Volksabstimmung, Abschiebungsvollzug abgelehnter Asylanten. So heißen die Flüchtlinge bei der AfD, und überhaupt, sagt jemand aus dem Publikum, wieso eigentlich immer der Begriff Flüchtlinge? Aber Füsslein will korrekt bleiben: „Natürlich muss Menschen in Not geholfen werden, dafür stehen wir!“ Aber die AfD verschließe eben nicht die Augen vor der anderen Seite des Migrationsthemas: Asyl-Missbrauch, Arbeitsmigration, Kriminalität. Wer es noch nicht wusste, hat jetzt gelernt: Es gibt gute und weniger gute „Asylanten“, richtige Flüchtlinge und solche, die vielleicht nur wegen des kostenfreien Zahnersatzes und anderer Vorzüge nach Deutschland kommen.
Nach Vortrag und Diskussion herrscht im Saal schlechte Luft und viel Einigkeit: Die AfD sagt das, was viele denken und sich andere (Parteien) nicht zu sagen trauen.
Etwas zu sagen traute sich unter den Zuhörern auch nicht die frisch gewählte Kreis-Grünen-Sprecherin Mechtild Rosker. Sie geht vorzeitig und murmelnd: „Das hat hier keinen Sinn.“wr

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