Handwerkskammer Lübeck fordert Semesterticket für Auszubildende
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Lauenburg Handwerkskammer fordert Semesterticket für Auszubildende
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17:05 22.01.2020
Ralf Stamer ist seit Sommer 2019 Präsident der Handwerkskammer Lübeck.
Ralf Stamer ist seit Sommer 2019 Präsident der Handwerkskammer Lübeck. Quelle: HWK Lübeck
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Ratzeburg/Lübeck

Die Handwerkskammer Lübeck fordert eine stärkere Wertschätzung der beruflichen Bildung. Dazu gehöre auch der finanzielle Bereich. Das Ziel müsse eine Gleichstellung von beruflicher Bildung und dem kostenfreien Hochschulstudium sein, sagte Ralf Stamer, Präsident der Handwerkskammer Lübeck beim Neujahrsempfang in der Kreishandwerkerschaft Lauenburg. „Das ist eine Frage von Fairness und Gerechtigkeit“, so Stamer. Dabei gehe es nicht allein ums Geld.

Für die Studenten hatte das Land im vergangenen Jahr das landesweit und in Hamburg nutzbare Semesterticket eingeführt. Damit können alle Busse und Bahnen – sogar bis nach Sylt – das ganze Jahr über ohne weitere Kosten genutzt werden.

Frage der Wertschätzung

„Es geht auch um die Wertschätzung für die qualitativ hervorragende Ausbildung im Handwerk“, sagte Stamer. Und um die generelle Attraktivität der dualen Berufsbildung für junge Menschen, die ihre Entscheidung Studium oder Lehre danach ausrichten würden, welche Anreize sie dabei jeweils mit auf den Weg bekommen würden. Weitere Forderungen seien die Gleichbehandlung zwischen Azubis und Studenten in den Bereichen Kranken-, Pflege- und Unfallversicherung. Studenten seien in diesen Bereichen bis zu dem 25. Lebensjahr auf dem Ticket ihrer Eltern versichert.

„Neben der kostenfreien Meisterausbildung wäre ein wichtiger Schritt, Auszubildende zu unterstützen, die in weit entfernten Berufsschulen beschult werden und weite Fahrtwege haben, aber auch Unterkunft und Verpflegung finanzieren müssen“, sagt Stamer. Es sei bedauerlich, dass die Landesregierung die betroffenen Berufsschülerinnen und Berufsschüler bei diesem Thema bisher im Regen stehen lasse. „Eine finanzielle Unterstützung würde die Attraktivität der dualen Ausbildung gerade in kleinen Berufen verbessern“, heißt es von der Handwerkskammer Lübeck.

Konditionen sich wichtig

Die Kammer verweist auf Regelungen in anderen Bundesländern. In einigen gebe es bereits ein sogenanntes Azubi-Ticket, mit dem Lehrlinge den öffentlichen Nahverkehr günstig nutzen könnten. „Es wäre ein starkes Signal für die Gleichwertigkeit der beruflichen Bildung und damit förderlich für die Nachwuchsgewinnung, wenn Auszubildende auf ein ähnliches Angebot zurückgreifen könnten, das Studierende mit dem Semesterticket bereits nutzen“, so Stamer.

Semesterticket

Das Landhat im vergangenen Jahr in Zusammenarbeit mit der Studentenvertretung AStA das landesweite Semesterticket eingeführt. Alle Studierenden können damit Busse und Bahnen des ÖPNV in Schleswig-Holstein und Hamburg sowie eines kleinen Teils Nordniedersachsens nutzen.

Das Ticketkostet 153 Euro pro Semester und muss von allen Studenten bezahlt werden. Das landesweit gültige Semesterticket ersetzt bisherige Semestertickets, die nur in den jeweiligen Städten für die jeweils dort Studierenden galten und ebenfalls verpflichtend waren.

Im Vorfeldhatte es unter anderem Diskussionen um die Kosten und die verpflichtende Abnahme gegeben, da aus Sicht einiger Studenten das Ticket nicht von allen benötigt würde.

Für die Akzeptanz käme es aber ganz klar auf die Konditionen an, unter denen ein solches Ticket angeboten würde. „Auch wäre wichtig, dass den Auszubildenden die Wahlfreiheit bliebe, ein solches Ticket zu erwerben“, so Stamer.

Politik denke nur selten an die Berufsbildung

Ulrich Keller ist Leiter des Berufsbildungszentrums Mölln. Quelle: Holger Marohn

Ulrich Keller, Direktor des Berufsbildungszentrums Mölln, würde eine Einführung ausdrücklich begrüßen. Von den Schülern kämen immer wieder die Aussagen, dass die öffentlichen Verkehrsmittel sehr teuer seien, um zur Schule zu kommen. „Die Politik denkt immer an die Studierenden, aber selten an die Berufsbildung. Das ist ein gravierender Nachteil“, sagt Keller. „Es könne nicht sein, dass nur die Studenten von so etwas profitieren.

Keller geht sogar noch einen Schritt weiter. Er fordert, die Semestertickets auf die gesamte berufliche Bildung auszuweiten. Am Berufsbildungszentrum gehen derzeit 3763 junge Menschen zur Schule. Etwa 58 Prozent davon sind reine Berufsschüler, also in der dualen Ausbildung oder der Berufsvorbereitung.

Die Grünen hatten vor drei Jahren ein verpflichtendes Nahverkehrsticket für alle Bürger gefordert. 99 Euro sollte das Solidar-Jahresticket kosten – unabhängig, ob der ÖPNV genutzt wird oder nicht. Zuletzt hatte es dann den Vorschlag gegeben, nach den Studenten auch Bundesfreiwilligendienst-Leistenden und FSJlern ein Semesterticket anzubieten. Auch gibt es immer wieder Forderungen in verschiedenen Kreisen nach einem Mobilitätsticket für Schüler.

Auch IHK unterstützt Forderung des Handwerks

Unabhängig von der Diskussion um das Nahverkehrsticket für die Auszubildenden, plant die Landesregierung, zum Sommer ein neues Jobticket einzuführen. Derzeit gibt es das Nah-SH-Firmenabo mit günstigen Konditionen, wenn mindesten zehn Mitarbeiter einer Firma mitmachen.

Unterstützung für die Forderung kommt auch von der Industrie- und Handelskammer. „Wir begrüßen alle Maßnahmen, die den ÖPNV für Auszubildende und Jugendliche attraktiver machen“, sagt IHK-Sprecher Can Özren. Gerade im ländlichen Raum sei es wichtig, die betriebliche Ausbildung mit solchen Maßnahmen zu stärken. „Wie so ein Ticket am Ende heißen wird, ist dabei absolut nachrangig“, sagt Özren.

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Von Holger Marohn