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Lauenburg Heiße Diskussion: Wer schützt Düchelsdorfer bei Feuer?
Lokales Lauenburg Heiße Diskussion: Wer schützt Düchelsdorfer bei Feuer?
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21:29 12.11.2014
Bürgermeister Adolf Kaths (r.) wollte die Entscheidung seiner Gemeindevertreter erklären. Links der Leitende Verwaltungsbeamte Frank Hase.
Düchelsdorf

Die Ankündigung aus der Düchelsdorfer Gemeindevertretung Anfang Oktober, künftig den Brandschutz nach Kastorf und nicht wie bisher nach Sierksrade zu geben, sorgt in der Einwohnerschaft des Dorfes, vor allem aber bei den Bewohnern des Nachbarortes Sierksrade, für Unverständnis. Zumal auch nach einer knapp zweistündigen Einwohnerversammlung am Dienstagabend die Gründe für den Wechsel weitgehend im Verborgenen blieben.

Immerhin 25 Düchelsdorfer und neun Sierksrader Bürger waren der Einladung von Bürgermeister Adolf Kahts zur Versammlung gefolgt. Unter den Zuhörern befanden sich auch Amtswehrführer Andreas Koop aus Berkenthin, Düchelsdorfs ehemaliger Bürgermeister Hans Voss und Sierksrades Bürgermeister Christian Prüsmann. Der amtierende „Dorfchef“ Adolf Kahts versuchte zunächst, die Gründe für die Entscheidung der Lokalpolitiker pro Kastorf zu beschreiben. Allerdings blieb es dabei nur bei einem Rückblick, wie es überhaupt zu diesem Schritt gekommen war.

Der Bürgermeister las auch die Kündigung der Sierksrader vor, ließ aber zunächst den letzten, durchaus wichtigen Satz des Schreibens weg. Erst nach Aufforderung durch Sierksrades Bürgermeister Christian Prüsmann las er diesen vor. Darin heißt es, dass sowohl Gemeinden als auch die Feuerwehr Sierksrade bereit seien, im Rahmen ihrer Möglichkeiten bei den anstehenden Problemen konstruktiv mitzuarbeiten.

Bei ihrer Entscheidung am 10. Oktober gingen Kaths und sein Gemeinderat offenbar von falschen Mitgliederzahlen aus. Es sei um die Mindeststärke einer Feuerwehr gegangen. Da habe man eine Mindestpersonalstärke in der Gemeinschaft mit der Freiwilligen Feuerwehr Sierksrade von insgesamt 35 Einsatzkräften angenommen. Gefordert seien aber lediglich 27. Und die hätte man beisammen. „Wir wollen aber nicht immer am unteren Limit bleiben. Die Feuerwehr Kastorf besteht aus 60 Einsatzkräften. Da werden wir viel besser versorgt“, sagte Kahts. Das sei einer der Gründe gewesen, weshalb man überhaupt in Kastorf nachgefragt hätte.

Im Übrigen werde niemand gezwungen, mit nach Kastorf zu wechseln, erklärte Kahts. Die verbliebenen fünf aktiven und auch die Ehrenmitglieder könnten frei entscheiden, welcher Wehr sie künftig angehören wollten. Die Gemeinde Düchelsdorf werde weiterhin die Urkunden für Geburtstage ausstellen und die Kosten für die Kameradschaftshilfe (Sterbekasse) übernehmen.

Kaths verschwieg, dass bei einem Einsatzalarm grundsätzlich die Feuerwehren aus Kastorf, Düchelsdorf, Sierksrade und Rondeshagen alarmiert werden. Denn keine Feuerwehr kann garantieren, dass zu jeder Zeit genügend Kameraden verfügbar sind, gerade am Tage.

Feuerwehrmann Jörg Dahmke aus Düchelsdorf konnte dieses Hickhack nicht nachvollziehen. „Warum sollen andere unser Feuer ausmachen? Wenn es so kommt, dass der Brandschutz nach Kastorf geht, war meine ganze Ausbildung für die Katz‘.“ Amtswehrführer Andreas Koop: „An der Sicherheit wird sich nichts ändern, egal wie die Entscheidung ausgeht. Aber der Brandschutz kostet Geld.

Und das wird in Kastorf deutlich teurer als in Sierksrade.“ Prüsmann erneuerte noch einmal sein Angebot, eine gemeinsame Feuerwehr mit der Gemeinde Düchelsdorf zu gründen. Das erschien Bürger Harald Jeschke, früher selbst Gemeinderatsmitglied und stellvertretender Bürgermeister, eine gute Idee zu sein. Jeschke monierte aber, dass der Gemeinderat nicht mit offenen Karten spiele. „Ihr seid gewählte Volksvertreter und habt uns nicht mit einbezogen. Transparenz sieht anders aus!“ Gemeindevertreterin Heike Sichau widersprach ihm. Die stellvertretende Bürgermeisterin Heike Siem gab zu, dass sie bei ihrer Entscheidung von falschen Zahlen geleitet worden sei.

Zwei junge Männer aus dem Publikum erklärten sich noch in der Sitzung bereit, in die Feuerwehr einzutreten, wenn es zu einer Einigung mit Sierksrade komme. Doch nicht nur die Sierksrader Feuerwehrmänner, die der Einwohnerversammlung beiwohnten, gehen davon aus, dass der Gemeinderat alle Bemühungen um eine Lösung für Sierksrade ablehnen wird.

So gab Heike Sichau zu, dass es zwar gute Verbindungen zu Sierksrade gebe, dass man aber auch Verwandte in Kastorf habe. Ob das allerdings ein Kriterium zur Entscheidung sein kann, blieb an diesem Abend genauso im Verborgenen, wie der Ausgang der Sache an sich. Vielmehr gehen viele Bürger davon aus, dass hier das Wort „Kündigung“ wohl die übergeordnete Rolle spiele und offenbar am Stolz der Düchelsdorfer Gemeindevertreter gekratzt habe.

Teurer Wechsel
Der Leiter der Amtsverwaltung Berkenthin, Frank Hase, klärte über die Mehrkosten auf, die sich für die Gemeinde Düchelsdorf bei einem Wechseln der Feuerwehr von Sierksrade nach Kastorf ergeben: In Kastorf kostet der Brandschutz pro Jahr 7500 Euro — 1800 Euro mehr als bisher. Wenn die Beschaffung der beiden neuen Fahrzeuge und der Neubau eines Gerätehauses in Kastorf mit eingerechnet werden, müssten die Düchelsdorfer sogar 4000 Euro mehr nach Kastorf überweisen.

Jens Burmester

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