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Lauenburg Henning Scherf: Alte Menschen wollen beteiligt werden
Lokales Lauenburg Henning Scherf: Alte Menschen wollen beteiligt werden
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14:33 08.11.2019
Zum Auftakt einer Vortragsreihe im Seniorenwohnsitz Ratzeburg diskutierten Dr. Verena Hilmer-Krywka, Henning Scherf, Christiane Harthun-Kollbaum, Sophie Rosentreter, Klaus Schlie (v.l.) Quelle: Silke Geercken
Ratzeburg

Wenn der ehemalige Bremer Bürgermeister Henning Scherf Teilnehmer einer Talkrunde ist, ist beste Unterhaltung garantiert. So war es auch am Donnerstag beim Auftakt einer Gesprächsreihe im Ameos-Seniorenwohnsitz Ratzeburg. Moderatorin Christiane Harthun-Kollbaum hatte Mühe, den 81-Jährigen zu bremsen, um die weiteren Gäste zu Wort kommen zu lassen. Thema: Niemand wird alleine alt.

Viele Anregungen, wenig Lösungsvorschläge

Gut 100 Besucher hatten sich Zeit für die Veranstaltung genommen. Das gewählte Thema „Niemand wird alleine alt“ als Auftakt der Ratzeburger Gespräche klang vielversprechend. Es gab einige Anregungen und Wünsche, was man tun sollte, um auch im Alter ein menschenwürdiges, zufriedenstellendes Leben führen zu können, aber nur wenig Lösungsvorschläge. Welchen Weg er gehen will, muss jeder Mensch letztlich selbst entscheiden. Ob er diesen Weg auch gehen kann, hängen aber von Vitalität und Gesundheit ab, die einen unerwarteten Strich durch die Lebensrechnung machen können.

„Alte Leute wollen beteiligt werden“

„Wir wollen Anregungen geben, keine Lösungen“, sagte die Moderatorin. Hier grätschte Scherf gleich dazwischen. „Meine Phantasie ist, dass alte Leute nicht in Häusern wie diesen wohnen möchten, sondern selbstbestimmt leben wollen. Sie wollen etwas tun, beteiligt werden und nicht immer mit Krankheit in Verbindungen gebracht werden“, so der 81-Jährige, der bereits seit rund 30 Jahren in einer Senioren-WG wohnt und bundesweit mit diesem Modell unterwegs ist. Sophie Rosentreter, die als „Demenzaktivistin“ vorgestellt wurde und über die Krankheit ihre Großmutter zu der intensiven Auseinandersetzung mit diesem Thema kam, teilte ihre besorgten Beobachtungen mit. „Die Gesellschaft muss ein wärmerer Ort werden.Wir müssen wieder hingucken, wer der Nachbar ist, und was er braucht.“ Dazu bedürfe es einer Stärkung und Wertschätzung des Ehrenamtes. Hierzu konnte Landtagspräsident Klaus Schlie (65) Zahlen nennen. „47 Prozent der Bevölkerung sind bereits ehrenamtlich tätig. Schleswig-Holstein nimmt einen Spitzenplatz ein.“ Dennoch: Das Ehrenamt müsse mehr Wertschätzung erfahren, sagte Michael Stark, der Leiter des Pflegestützpunktes im Kreis. Statt einfacher Tipps für den Alltag, gehe es immer mehr um Unterstützung der Angehörigen in Fragen des Managements anstehender Leistungen. „Es gibt 4200 Demenz-Betroffen im Kreis, dazu die Angehörigen. Wir brauchen eine Koordinierungsstelle.“

Dr. Verena Hilmer-Krywka, Chefärztin im Ameos Reha-Klinikum Ratzeburg, berichtete aus der Praxis, dass viele Patienten versuchten, die Erkrankung zu verbergen. „Wir brauchen mehr Aufklärung. Die Krankheit ist keine Schande, die Einforderung von Hilfen kein Versagen.“ Henning Scherf (11 Enkel) forderte die Einbindung von Kindern und Jugendlichen. „Wenn sie früh Erfahrungen mit Kranken machen, kommen sie in der Erwachsenenwelt besser zurecht, da sie unvoreingenommen sind.“ Der Kampf gegen Alter und Einsamkeit könne nur eine zentrale Aufgabe der Bürger in den Gemeinden sein, das sei nicht Aufgabe der Politik. „Wir müssen die Leute erreichen, damit sie in Schwung kommen, anstatt in ihren Wohnungen zu versauern.“

Die Gesprächsreihe wird am 6. Februar fortgesetzt. Als Gäste wurden der ehemalige Ministerpräsident Björn Engholm und Wetterexperte Meno Schrader eingeladen.

Zitat: Die Gesellschaft muss ein wärmerer Ort werden. Sophie Rosentreter, Demenzaktivistin

Von Silke Geercken

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