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Lauenburg Landsmannschaften im Kreis rücken zusammen
Lokales Lauenburg Landsmannschaften im Kreis rücken zusammen
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19:52 26.04.2019
Margit Kindermann (85) aus Ratzeburg ist Sprecherin der Vereinigung der Landsmannschaften Herzogtum Lauenburg. Quelle: Joachim Strunk
Ratzeburg

 „Es ist kein neuer Verein, und es gibt auch keinen Vorstand“, stellt Margit Kindermann klar. Die langjährige Vorsitzende der Schlesischen Landsmannschaft in Ratzeburg (dieses Amt behält sie auch weiterhin) ist auf der jüngsten Zusammenkunft fast aller Vorsitzenden der verschiedenen Landsmannschaften im Kreis Herzogtum Lauenburg zur Sprecherin der „Vereinigung der Landsmannschaften Herzogtum Lauenburg“ gekürt worden. Ihr Stellvertreter ist Peter Gerigk, Vorsitzender der Ost- und Westpreußen in Schwarzenbek.

Vorher hieß diese umfassende Partnerschaft noch „Vereinigte Landsmannschaften Kreis Herzogtum Lauenburg“ und war ein Kreisverband des BdV, des Bundes der Vertriebenen. Doch dieser Kreisverband hat sich zum Ende des vergangenen Jahres aufgelöst. Warum? Kindermann: „Zuletzt waren nur noch vier Landsmannschaften im Kreis-BdV vertreten, die anderen aufgrund schwindender Mitgliederzahlen nach und nach ausgetreten“.

Landsmannschaften im Kreis

Aktuell gibt es laut Margit Kindermann und Peter Gerigk, beide Sprecher der Vereinigung der Landsmannschaften Herzogtum Lauenburg, zehn Gruppierungen.

Die Ost- und Westpreußen haben sich in den drei Städten Schwarzenbek (knapp 100 Mitglieder), Mölln (knapp 80) und Ratzeburg (65) etabliert. Insbesondere die Schwarzenbeker Gruppierung ist sehr aktiv und wächst auch durch jüngere Mitglieder.

Die Pommern gibt es noch in Ratzeburg, Lauenburg und Schwarzenbek. Allerdings haben alle drei große Probleme in der Rekrutierung von Mitgliedern und erwägen daher derzeit eine Auflösung.

Die Danziger sind mit 120 Mitgliedern in Mölln noch recht aktiv.

Die Schlesier mit Sitz in Ratzeburg zählen derzeit nur noch 19 Mitglieder, in Lauenburg, so Peter Gerigk, handele es sich allenfalls „um ein Kaffeekränzchen“.

Schließlich gibt es in Mölln noch die Landsmannschaft der Massower und Umgegend, die von Siegfried Projahn geleitet wird. Maszewo ist die Partnerstadt von Mölln im ehemaligen Pommern, heute Polen.

Mit der Auflösung des BdV-Kreisverbandes wollen die verbliebenen Mitglieder der Weltkriegsflüchtlinge und Heimatvertriebenen aus den Ostgebieten des ehemaligen Deutschen Reiches, also aus Ost- und Westpreußen, Pommern und Schlesien (sowie kleineren, zum Teil städtischen Gebieten; siehe Beistück), „auf Kreisebene eine engere Zusammenarbeit aller Landsmannschaften anstreben“, so Margit Kindermann.

Grund: „Als die alliierten Siegermächte – USA, Frankreich, Großbritannien und Russland – 1949 (mit Gründung der beiden deutschen Staaten Bundesrepublik und DDR) die Gründung von Landsmannschaften erlaubten, trafen sich geflüchtete und vertriebene Landsleute und schlossen sich zusammen, sodass in diesem und im nächsten Jahr die noch bestehenden Landsmannschaften ihr 70-jähriges Bestehen feiern können“, so Margit Kindermann.

Peter Gerigk (86), Vorsitzender der Landsmannschaft der Ost- und Westpreußen in Schwarzenbek Quelle: Joachim Strunk

Doch es würden zwangsläufig immer weniger, „die als Zeitzeugen sowohl von den Kriegs- als auch von den Nachkriegszeiten und den ehemaligen Ostgebieten berichten“ könnten. Die Verbliebenen, so Kindermann, sehen daher „als Zeitzeugen und Erlebnisgeneration unsere Aufgabe darin, Tradition zu pflegen, Kultur, Brauchtum, Geschichte, Überlieferungen, Sagen und Liedgut zu erhalten, an Erfindungen, Forschungen und Wissenschaftler sowie Nobelpreisträger zu erinnern und weiter zu geben, was es an Mundarten, Kleidung, Trachten und besonderen Festtagen in den betreffenden Landstrichen und Regionen gab“.

Wie das konkret gemeint ist, darüber haben die LN bereits vor fünf Jahren einmal berichtet. 

Betrübt sei sie unlängst gewesen, als sie bei einem Gespräch über ihre Heimat von einem Erwachsenen (!) gefragt worden sei, „wann wir denn die deutsche Sprache erlernt hätten, wir kämen ja aus Tschechien und Polen! Das Bewusstsein, dass es deutsche Ostgebiete waren, geht inzwischen bei der jüngeren Generation verloren. Auch das ist unsere Aufgabe als Zeitzeugen, dem Vergessen und der Verfälschung vorzubeugen.“

Woran viele Flüchtlinge und Vertriebene heute noch denken . . .

Durch die partnerschaftliche Verabredung im Kreis behalte übrigens „jede Landsmannschaft ihre Eigenständigkeit“, so die 85-Jährige aus Ratzeburg, die fast 30 Jahre in der Stadtvertretung der Kreisstadt engagiert war und noch heute als beliebte Stadtführerin unterwegs ist.

Neu sei eben, dass die beiden Sprecher, Kindermann und Gerigk, zwischen den einzelnen Landsmannschaften vermitteln und die Kontakte aufrecht erhalten wollen.

Neben den angesprochenen Feierlichkeiten zum 70-jährigen Bestehen der meisten Landsmannschaften, die im nächsten Herbst stattfinden sollen, sind jährlich auch verschiedene Ausflüge, Führungen oder Vorträge geplant.

Als nächster Termin ist der 14. Juni anvisiert, zu dem die Vorsitzenden der Landsmannschaften nach Ratzeburg kommen, um die Kaserne der heutigen Bundespolizei an der Mechower Straße zu besichtigen. Diese Kaserne war von 1944 bis 1959 als Flüchtlingsunterkunft eingerichtet.

Außerdem ist noch eine Wanderausstellung mit dem Titel „In Lagern, Schicksale deutscher Zivilisten im östlichen Europa 1941-1955“ in Planung. Hier steht der Termin noch nicht fest.

Joachim Strunk

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