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Lauenburg „Omas gegen Rechts“ beziehen Stellung
Lokales Lauenburg „Omas gegen Rechts“ beziehen Stellung
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08:08 24.11.2019
Der „harte Kern“ der „Omas gegen Rechts“ aus dem Kreis Herzogtum Lauenburg: Sie wollen ab sofort Gesicht und Courage zeigen. Hinten von links: Dagmar, Sylvia, Karin, Doris, Elke, Ulrike und Marlies, vorn von links Kirsten, Renate und Renate. Quelle: Joachim Strunk
Ratzeburg

„Frauen im Alter von 50+ Jahren haben die Zeiten des Hitler-Regimes entweder noch selbst miterlebt oder aber von ihren Müttern erzählt bekommen“, sagt Elke Hagenah, Gleichstellungsbeauftragte des Kreises Herzogtum Lauenburg. Vor einem Jahr etwa habe sie sich „zunehmend unwohler gefühlt“ angesichts dreister werdenden Lügen und Behauptungen aus einer rechtsradikalen Ecke der Gesellschaft, die offensichtlich auch bei immer mehr Menschen Gehör fänden.

Menschen in den 1930ern waren naiv

Es habe schon einmal solch eine Zeit hasserfüllter Äußerungen und „Fake News“ gegeben. Damals, in den 1920er und 1930er Jahren, „waren die Menschen einfach zu naiv. Sie wussten nicht, was auf sie zukommen würde, ihnen fehlte die Fantasie für die dann folgenden Gräueltaten“, so Hagenah. Heute aber brauche man nur in die Geschichtsbücher zu schauen – oder eben ältere Leute, zum Beispiel die „Omas“, nach den Ereignissen und Folgen zu fragen.

Elke Hagenah, Gleichstellungsbeauftragte des Kreises Herzogtum Lauenburg, mit dem Logo, das die „Omas“ auch als Button tragen und an Interessierte verteilen. Quelle: Joachim Strunk

„Wir haben die Zeit und den Mut, uns jetzt zu Wort zu melden, wir sind die Hälfte der Gesellschaft!“, ergänzen Sylvia und Kirsten, zwei weitere engagierte „Omas“ von insgesamt zehn Frauen, die sich im Büro der Gleichstellungsbeauftragten erstmals mit ihrem Ansinnen präsentieren.

Woher haben die Kinder den Jargon?

„Mir macht der Hass Angst, das Gepöbel, die Verallgemeinerungen und Unwahrheiten, das ufert gerade völlig aus“, sagt Dagmar. Schlimm sei beispielsweise, was auf vielen Schulhöfen abginge. „Da wird ein zum Teil übler Jargon benutzt, Kinder und Jugendliche ziehen über Juden oder Homosexuelle her. Da frage ich mich, woher haben die das? Die meisten kennen nicht einmal einen Juden. Kommt das dann aus den Familien?“, fragt Kirsten.

Kontaktaufnahme

Die „Omas gegen Rechts“ sind im Internet unter der Seite www.omasgegenrechts-nord.de zu finden. Die jetzt neu gegründete Gruppe im Kreis Herzogtum Lauenburg ist per E-Mail über omas-gegen-rechts-krs-hzgt-lauenburg@ok.de erreichbar.

Bei Facebook haben die Damen ebenfalls eine eigene Gruppe eröffnet, die allerdings geschlossen agiert. „Wir wollen einen offenen Dialog mit den Menschen führen, aber keine Energie reinstecken, um auf Hasskommentare zu antworten. Das kostet zu viel Zeit und Kraft“, erklärt Renate Schächinger.

Für Anfragen können sich interessierte Omas – auch Opas, Kinder, Enkelkinder und FreundInnen sind willkommen! – bei Elke Hagenah im Gleichstellungsbüro der Kreisverwaltung in Ratzeburg, Herrenstraße 5-7, melden unter Telefon 045 41/888 284 sowie Mail Hagenah@Kreis-RZ.de.

Derzeit treffen sich die „Omas“ jeden dritten Mittwoch im Monat in Ratzeburg um 16 Uhr.

Auffällig bei den Sprüchen vieler Rechtspopulisten und Antidemokraten sei zudem, dass sie versuchten, die Rechte der Frauen zu beschneiden. Viele wollten Frauen am liebsten wieder an Heim und Herd zurück. Sie sprächen vom „Genderwahn“, äußerten sich abfällig über Homosexualität. Hier wollen die Omas einschreiten und kommunikativ gegenhalten.

Erster Auftritt bei Demo in Ratzeburg

Gesehen hat man die „Omas gegen Rechts“ bereits am Reformationstag, am 31. Oktober, als sie an der Demonstration für (Mit-)Menschlichkeit, Toleranz und gegen Rassismus und Fremdenfeindlichkeit teilnahmen. „Das war unser erster öffentlicher Auftritt als Gruppe“, erklärt Hagenah, die Anfang des Jahres gleichgesinnte Frauen ansprach und auf große Zustimmung traf.

Die „Omas gegen Rechts“ beteiligten sich erstmals mit großem Erfolg bei der Demonstration am Reformationstag, 31.10.2019, hier beim Start am Ratzeburger Rathaus. Quelle: Joachim Strunk

Mittlerweile haben sich zwischen 30 und 40 Damen gemeldet, die an weiteren Aktionen teilnehmen wollen. „Wir sind kein Verein und wollen auch keiner werden“, sagt die zweite Renate in der Gruppe. Frau wolle den offenen Dialog mit den Mitmenschen und keine Vereinsmeierei betreiben.

Lauenburger Gruppe besteht schon länger

In den zehn Monaten ihres Bestehens haben die lauenburgischen „Omas“, die aus dem ganzen Kreisgebiet kommen – nur in Lauenburg/Elbe gibt es eine weitere, eigenständige Gruppe, die sich aber mehr in Richtung Lüneburg und Niedersachsen orientiert –, schon erste Fortbildungsmaßnahmen ergriffen und sich beispielsweise „Fit gegen rechte Sprüche“ machen lassen.

Die „Omas gegen Rechts“ mittendrin bei der Demo in Ratzeburg. Hier bei der Ankunft am Ratzeburger Markt. Quelle: Joachim Strunk

Sie wollen sich aber nicht nur selbst fortbilden, sondern auch anderen interessierten Menschen, Schülern, Studenten, Frauen Argumente und Überzeugungen näher bringen. „Uns interessiert, wieso es so viele junge Mädchen gibt, die bei den Rechten mitmachen. Was bewegt die?“

Zu alt, um feige zu sein!

Ihre wichtigsten Grundsätze und Kernziele prangen auf der Tafel im Gleichstellungsbüro: „Unsere Demokratie schützen. Wir trauen uns – wir sind zu alt, um feige zu sein. – Kein Wiedererstarken von nationalsozialistischem Gedankengut – wir erinnern uns noch! Wir sehen viele Parallelen. – Frauenrechte sichern.“ Nach dem ersten großen Auftritt am Reformationstag, wollen die Omas künftig verstärkt „immer mal irgendwo auftauchen, bei Veranstaltungen, auf Weihnachtsmärkten, bei Spaziergängen“, so Elke Hagenah. Dabei wollen sie möglichst gemeinsam auftreten, denn: „Aus dem Ich wird ein Wir. Und gemeinsam sind wir stark!“

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Von Joachim Strunk

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