Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Lauenburg Mit dem Staub von 400 Jahren
Lokales Lauenburg Mit dem Staub von 400 Jahren
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
10:00 03.08.2019
Blick in den Innenraum von St. Jürgen: Sitzbänke und Emporen entsprechen noch der Originaleinrichtung von 1873. Quelle: Lothar Kullack
Schlamersdorf

Es riecht ein wenig modrig, aber im nicht allzu großen Raum ist es angenehm kühl. Diesen Eindruck, diesen Anblick darf zurzeit noch nicht jeder genießen: Für unsere Serie „Hinter alten Mauern“ sperrte uns Pastor Thomas Meyer die weit über 400 Jahre alte Gruft unter der Schlamersdorfer Kirche St. Jürgen auf. Hier ruhen die Herren des Gutes Seedorf aus dem späten 16. Jahrhundert. Die Gruft selbst ist noch um einiges älter.

Wer sich die Kirche St. Jürgen ansieht, mag auf den ersten Blick gar nicht an eine solche Gruft glauben. Richtig: Dieses Gotteshaus ist keineswegs aus dem 16. Jahrhundert. Die alte Kirche, wahrscheinlich bereits um 1150 erbaut, brannte am 27. Mai 1870 ab. Das ganze Dorf wurde zum Opfer der Flammen – bis auf das Pastorat, ein einziges Wohnhaus und eben die Gruft unter der Kirche.

Gruft darf nicht betreten werden

Betreten werden darf die Gruft gewöhnlicherweise nicht, das wäre schon allein wegen des Zustands des Fußbodens zu gefährlich. Nur die Konfirmanden führt Pastor Thomas Meyer einmal pro Jahrgang in die kühle Gruft. Und 2017, zum „Tag des Denkmals“, wurde St. Jürgen von der Lichtkünstlerin Katrin Bethge eindrucksvoll illuminiert, einschließlich der um die 470 Jahre alten Gruft. Und als der Konfirmandenjahrgang 2016 dort hineinging, empfing eine knapp einen Meter lange Ringelnatter die Schüler. . .

Der große Brand von Schlamersdorf

Der große Brand vom 27. Mai 1870 war im Schmiedehaus am westlichen Ortsrand ausgebrochen. Heutige Kameraden der Jugendwehr veranstalteten während eines Gottesdienstes eine Lesung nach den Überlieferungen des Hauptlehrers Hermann Kasch, die dieser nach seinen Erinnerungen um 1898 festgehalten hatte.

Hermann Kasch war beim Pflügen, als er von weitem die Schmiede brennen sah. Innerhalb einer Viertelstunde habe das halbe Dorf gebrannt, auch der mit Schindeln gedeckte Kirchturm.

Um die Kinder machte man sich große Sorgen. Hermann Kasch schrieb: „Es war nachmittags, da die Kinder in der Schule waren, als plötzlich auf der Straße Lärm entstand und man Rauch spürte. Die Sturmglocken wurden geläutet und die Leute riefen, die Schmiede und die Wagnerei brennen. (. . .) Nun stürmten die Kinder hinaus, aber in der Tür saßen sie fest, denn schon war das Dach niedergestürzt und die Kinder mussten über brennendes Stroh laufen.“

Zum Ende des Großfeuers, das elf Wehren von Plön bis Neumünster bekämpften, waren 29 Gebäude samt der Kirche Schutt und Asche. Menschen aber kamen zum Glück nicht ums Leben.

Gewöhnlich ist die Gruft gut verschlossen. Das war aber nicht immer so. Im Dorf erzählt man sich, dass einige Särge nach Kriegsende von befreiten Zwangsarbeitern aufgebrochen worden seien, die darin nach Wertgegenständen suchten. Für die Dorfjugend war die Gruft unter St. Jürgen bis in die späten 70er hinein ein Abenteuerspielplatz; denn sie war nicht verschlossen. Das dürfte den Särgen nicht gut bekommen sein. Um 1980 entfernten die Schlamersdorfer Bürger Moje und Schwien morsche Holzsärge und die verrotteten Eichenbohlen, aus denen zuletzt der Fußboden bestand.

Gemeinde fehlt das Geld für eine Sanierung

„Gern würden wir heute einen neuen Fußboden einziehen und die ganze Gruft aufbereiten lassen, damit wir sie regelmäßig präsentieren können“, sagt Pastor Meyer. Dafür fehlt der Gemeinde aber das Geld. So kann man den einen steinernen Sarkophag und die Handvoll erhaltener Holzsärge nur nach Anmeldung besichtigen. In einem der Särge lag sogar ursprünglich eine mumifizierte Leiche - sie ist jetzt im Landesmuseum Schloss Gottorf zu bestaunen.

Zehn eindrucksvolle Fenster

Die nach dem großen Schlamersdorfer Brand neuerbaute Kirche wurde am 27. Mai 1873 eingeweiht. Wegen dieses jüngeren Datums ist sie größer als die alten Vicelin-Kirchen der Umgegend. „Und wir haben zum Glück nicht solche Probleme mit falsch restaurierten Mauern wie die Kirchen ringsum“, sagt Thomas Meyer. Geld ausgeben musste die Kirchengemeinde – außer für kleinere Sanierungen – vor allem für die Fenster: Die zehn eindrucksvollen großen Fenster, fünf auf jeder Seite des langen Kirchenschiffs, hat der Stuttgarter Künstler Lukas Derow geschaffen. Zugleich mit dem gesamten Innenputz, der Elektrik und der Lampen wurde die Kirchenerneuerung erst in diesem Mai abgeschlossen.

Ältester „Einrichtungsgegenstand“ ist das Taufbecken, und auch dazu gibt es eine kleine Geschichte: Das Becken galt lange Zeit als verschollen – bis es auf einer Weide entdeckt wurde. Ein Bauer benutzte es dort als Viehtränke.

Lothar Hermann Kullack

Vermutlich wegen eines Defekts am Stauwehr bei Geesthacht strömt das Wasser der Elbe ungebremst in Richtung Nordsee. Der Pegel sinkt rapide, die Schifffahrt ist eingestellt.

03.08.2019

Die Aussichtsplattform ist fertig, auch die Info-Tafeln sind komplett. Der Verein Duvenseer Moor e. V. lädt zur Erkundung einer ganz besonderen Landschaft.

02.08.2019

Am Montag kommen die Bagger, um die alte Post abzureißen. Dort entsteht ein Edeka-Markt. Der Neubau des Supermarktes gilt mit der Marktgalerie als Herzstück der Innenstadtentwicklung Lauenburgs.

02.08.2019