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Lauenburg Neues Leben für Einhüllentanker
Lokales Lauenburg Neues Leben für Einhüllentanker
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19:29 27.02.2019
Hitzler-Werft baut Einhüllentanker um
Hitzler-Werft baut Einhüllentanker um Quelle: TIMO JANN
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Lauenburg

Der ursprünglich 86 Meter lange Tanker „Dettmer Tank 51“ wird auf der Lauenburger Hitzler-Werft jetzt geschrumpft. Zum 23,50 Meter langen Schub-Schlepper. Im Auftrag des Transportunternehmens Rüdebsuch (Braunschweig) haucht die Werft dem Einhüllentanker ein neues Leben ein. Denn Einhüllentanker dürfen seit Jahresbeginn keine Gefahrstoffe mehr transportieren. Zahlreiche Schiffe wurden deshalb außer Dienst genommen. „Fürs Abwracken ist diese 30 Jahre alte Flotte einfach noch nicht reif“, sagt Werner Büker, technischer Leiter der Werft. Er hat zusammen mit Markus Brömmel, dem technischen Betriebsleiter von Rüdebusch, das Umbaukonzept entwickelt.

Markus Brömmel (links) und Werner Büker haben die Idee für den Schub-Schlepper entwickelt. Quelle: TIMO JANN

Bug und Heck des Tankers mit der einfachen Hülle wurden von dem Mittelschiff mit den Tankkammern abgetrennt. Das mittlere Stück liegt nun ungenutzt an der Südwerft,Bug und Heck werden auf der Reparaturwerft an der Bahnhofstraße neu miteinander verbunden. Brömmel: „Wir profitieren vor allem davon, dass der Bug bereits über Anschlussmöglichkeiten für einen Schubleichter verfügt. Denn wir wollen solche Leichter künftig mit dem neuen Schiff bewegen.“ Bis zu 2700 Tonnen Ladung auf einem Leichter wird das verkürzte Schiffe mitnehmen können.

Rüdebusch verschifft unter anderem Splitt für den Straßenbau. „Transporte per Lastwagen machen auf vielen Strecken einfach keinen Sinn mehr, weil überall nur noch Staus herrschen. Wir haben Anfragen für so große Mengen, die wir per Lkw gar nicht mehr vernünftig im gewünschten Zeitfenster bewegen können“, sagt Brömmel. Deshalb könnte der Splitt aus dem Harz gut auf dem Wasserweg nach Hamburg, Kiel oder Flensburg zu den Mischwerken transportiert werden. „Man muss neue Wege denken, da ist unser Unternehmen schon immer sehr kreativ gewesen“, sagt Brömmel.

Der Einhüllentanker „Dettmer Tank 51“ wird auf der Hitzler-Werft umgebaut. Quelle: TIMO JANN

Und solche neuen Wege beschreitet man auch bei Hitzler. Eigentlich hatte man ein Konzept entwickelt, die alten Einhüllentanker zu Gülletransportern umzubauen. „Allein aus Ostfriesland müssen pro Jahr etwa 600.000 Tonnen Gülle abtransportiert werden“, weiß Büker. Zum Teil in die Region Magdeburg, wo sie als Dünger eingesetzt wird. Der Wasserweg wäre ein geeigneter Transportweg. „Es fehlt nur leider jemand, der sich der Tanklogistik am Start- und Zielhafen annimmt“, sagt Büker. Investoren zögern noch. Im Gespräch mit Brömmel kam dann die Idee, den Schub-Schlepper zu realisieren. Brömmel: „Die Maschine und die große Wohnung sind gut, deshalb haben wir überlegt, was wir aus den Tankern noch machen können.“

Bisher setzt Rüdebusch zwei eigene Schiffe ein, auf fast 20 kann zurückgegriffen werden. „Die Logistik von und zur Baustelle muss per Lkw erfolgen, aber zum Mischwerk beispielsweise können wir gut Schiffe nutzen“, sagt Brömmel. Er wartet jetzt auf die Endabrechnung für den Umbau des „Dettmer Tank 51“. „Dann wissen wir ganz genau, was es kostet und was wir machen können“, berichtet Brömmel.

Das Mittelteil des Einhüllentankers wurde rausgetrennt, es könnte noch zum Beispiel für einen Ponton genutzt werden. Quelle: TIMO JANN

Voraussichtlich Ende März wird die Werft das neue Spezialschiff ausliefern können. „Es ist ein Prototyp, aber auf Basis eines Konzepts, das fortgeführt werden könnte“, meint Büker. „Wir wollen mit diesen neuen Ideen die Schifffahrt interessant halten“, macht er deutlich. Zuletzt hatte Hitzler 2018 einen Frachter so verlängert, dass er eine Reihe Container mehr transportieren kann. Das steigert für den Reeder die Wirtschaftlichkeit beim Transport.

Am Bug besitzt das Schiff schon immer den Anschluss für Schubleichter. Quelle: TIMO JANN

Timo Jann