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Lauenburg Extrem viele Eicheln im Norden
Lokales Lauenburg Extrem viele Eicheln im Norden
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07:28 18.10.2018
2018 ist auch und gerade im Lauenburgischen mit seinen vielen frei stehenden Eichenbäumen, wie entlang der Kreisstraßen und Landwege zwischen Klein Sarau, Berkenthin und Behlendorf, ein gutes Eicheljahr. Quelle: Matthias Wiemer
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Behlendorf/Groß Disnack

Wer an diesen milden Herbsttagen vielleicht eine schöne Radtour oder eine gemütliche Autofahrt über die wenig befahrenen Landwege und Kreisstraßen im Lauenburgischen unternommen hat, hörte es oft bedenklich häufig knacken unter den Reifen. Alles in Ordnung?

Die Kinder des Kindergartens Spatzennest in Mölln freuen sich wie Venera und Mia Katrin (beide 4): Eicheln im Überfluss. Quelle: Ulf-Kersten Neelsen

Keine Sorge, in den allermeisten Fällen überlebten die Pneus, denn sie haben lediglich diverse Eicheln und ab und zu auch ein paar Kastanien platt gemacht. In diesem Herbst ist es kaum möglich, den Baumfrüchten auszuweichen, denn sie finden sich fast überall in der Landschaft zuhauf.

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Die besonders auffällige Eichelmast dieses Jahres sowie die markantesten Eichen am Wegesrand im Bild.

Was wir bereits beim Obst, vor allem bei den heimischen Äpfeln erlebt haben, wiederholt sich bei Eicheln und Kastanien. Der Supersommer 2018 ist Schuld. Das bestätigt Thomas Schwichtenberg, Leiter der Kreisforsten Herzogtum Lauenburg in der Försterei Brunsmark: „Ja, es ist dieses Jahr ähnlich wie mit allen Früchten. Es lag hauptsächlich an der Frühjahrswitterung mit den optimalen Bedingungen für eine üppige Blühknospenbildung. Da hat sich alles wunderbar entwickelt, so auch die Eicheln.“

Viele Eicheln waren früher selten

Klimawandel? Sicherlich lässt sich nicht jede Abweichung von Normen und Durchschnitten auf eine von der Wissenschaft mehrheitlich angenommene Klimaveränderung zurückführen. Ein wenig auffällig sei die Entwicklung aber auch in unserer Region, meint der Forstexperte Schwichtenberg. Lange Zeit habe die Faustregel gegolten: alle sieben Jahre viele Eicheln. Von einer „echten Eichelmast“ spricht dann der Waidmann. „Seit einiger Zeit stellen wir aber fest“, sagt der Förster, „dass wir jetzt im Grunde gut alle zwei Jahre eine fette Eichelmast haben.“

Thomas Schwichtenberg, Leiter der Kreisforsten. Quelle: HFR

Die Gründe dafür lassen sich nicht eindeutig verifizieren, allerdings führen die bekannten Veränderungen in der Umwelt zu klaren Rückschlüssen. So steht für Fachleute ziemlich fest, dass der Wald heute verstärkt „gedüngt“ wird. „Damit sind Stickstoffeinträge gemeint“, sagt Schwichtenberg. Stickstoff, der aus der Luft unter anderem durch allgemein verstärktes Verkehrsaufkommen in die Wälder getragen wird und für einen Beschleunigungseffekt des Wachstums ausreicht.

Möglich und durchaus unter Forstleuten bekannt ist auch die sogenannte Stressfruchtifikation. Die tritt auf, wenn sich der Baum aufgrund bestimmter Umwelteinflüsse quasi „unter Druck“ fühlt, nervös wird und „meint“, sich verstärkt vermehren zu müssen.

Übrigens: Das Sammeln von Eicheln im Wald, woran sich manche ältere „Jungs“ von früher erinnern, um sich ein paar – damals noch Mark – nebenbei durch die Abgabe beim Förster zu verdienen, ist mittlerweile Geschichte. Auch das hat wohl ein wenig mit der Veränderung des Klimas zu tun, erklärt Thomas Schwichtenberger: „Heute gibt es praktisch keine Wildfütterungen mehr, weil es keine durchgängige winterliche Schneedecke in den Wäldern mehr gibt.“ Man würde praktisch die Eicheln einsammeln, um sie unsinnigerweise an Futterstellen woanders wieder auszubringen.

Allerdings fallen die vielen Millionen Eicheln doch nicht ganz sinnfrei auf den Waldboden und Straßenrand. Die Förstereien sammeln Eicheln als wertvolles Saatgut von ausgewählten Bäumen ein, um es zu guten Preisen zu verkaufen. Und schließlich freuen sich die vielen Kita-Kinder, die lustige Figuren aus Eicheln basteln.

Eichenbäume als markante Wegmarken

Wer mit dem speziellen Blick auf der Suche nach Eicheln durch die Region streift, dem wird in diesen Tagen vielleicht stärker bewusst, wie viele Eichen es als einzelne, frei stehende Bäume als markante Randbepflanzung in den Knicks entlang der Landwege und Kreisstraßen gibt. Besonders oft zu finden beispielsweise zwischen Klein Sarau, Groß Disnack und Berkenthin. Auch entlang der Kreisstraße 199, zwischen Behlendorf und Mölln, finden sich teils imposante Eichenbäume. In der Dorfmitte von Gr. Disnack gibt auf einer Grüninsel neben einem übergroßen Findling eine stattliche Eiche dem Ortskern den besonderen Charakter. Auch dort bilden die vielen Eicheln einen regelrechten Teppich von Baumfrüchten.

Mehr Laub- als Nadelbäume

Im Lauenburgischen liegt der Anteil an Eichen bei etwa 18 Prozent (Landesdurchschnitt etwa 16 Prozent). Insgesamt liegt das Verhältnis Nadel- zu Laubgehölzen im Kreis Herzogtum Lauenburg bei 65 zu 35.

Matthias Wiemer