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Lauenburg Coworking: Arbeitsmodell der Zukunft jetzt in Bliestorf
Lokales Lauenburg Coworking: Arbeitsmodell der Zukunft jetzt in Bliestorf
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12:33 30.07.2019
In den kommenden vier Wochen kann in Bliestorf im Coworking-Camp gearbeitet werden. Quelle: Holger Marohn
Bliestorf

Schreibtisch, Kaffee, Wasser und ein schneller Internetzugang. Ab sofort kann in Bliestorf „gecoworked“ werden. In Zusammenarbeit mit der Heinrich-Böll-Stiftung hat die Initiative Coworkland am Montag ein mobiles Büro mit sechs Arbeitsplätzen errichtet. Vier Wochen lang können sich Interessenten dort einmieten, arbeiten und gegenseitig inspirieren.

CoWorkLand

Zur Verfügung gestellt werden die mobilen Coworking-Container von CoWorkLand. Popup bezeichnet dabei das zeitlich begrenzte Vorhalten des Infrastruktur-Angebotes.

Im Februar 2019 ist die CoWorkLand Genossenschaft von Menschen gegründet worden, die einen Coworking-Space im ländlichen Raum gründen und basierend auf den Coworking-Werten betreiben wollen.

Das Ziel der Genossenschaft ist es, ihre Mitglieder bei der Gründung und im Betrieb von Coworking-Spaces auf allen Ebenen zu unterstützen und ihren Kunden und Kundinnen die Möglichkeit zu geben, an möglichst vielen Orten im ländlichen Raum ortsunabhängig zu arbeiten.

Sie will ihre Mitglieder untereinander vernetzen, sodass ein breiter und stetiger Erfahrungsaustausch entsteht, von dem alle profitieren. Sie qualifiziert und berät, unterstützt durch überregionales Marketing sowie eine Buchungs- und Abrechnungsplattform.

Dabei steht eine nachhaltige und gemeinwohlorientierte Unternehmensführung im Vordergrund. So heißt es in einer eigenen Projekt-Beschreibung.

Zwei Jahre hatten Juliane Lietzau und Florian Matzke von der ersten Idee bis zur tatsächlichen Umsetzung an dem Projekt gearbeitet. „Hier wird man nicht vom Abwasch oder dem Fernseher abgelenkt und wir müssen dennoch nicht zur Arbeit in die Stadt fahren“, sagt Matzke. Die Vision der beiden: Handwerksbetriebe treffen sich mit einer Marketingexpertin nicht in der Stadt, sondern im Coworking-Space um die Ecke.

Der „Torfhub“, das Coworking-Camp in Bliestorf ist eröffnet. Bis Ende August können sich Bürger für einen Tag in dem Container einbuchen.

In den Köpfen von Ulf Hahn, Geschäftsführer der Wirtschaftsförderung im Kreis Herzogtum Lauenburg, und einigen Politikern war die Idee von modernen Arbeitsmöglichkeiten im Kreis schon länger vorhanden. Sogar im Haushalt des Kreises wurden 20 000 Euro für entsprechende Projekte bereitgestellt. Als dann im Juni auf Initiative der Grünen und mit Unterstützung der CDU ein entsprechender Antrag in den Kreistag eingebracht und beschlossen wurde, ging alles ganz schnell. Die Gemeinde Bliestorf stellte die Fläche bereit, die Vereinigten Stadtwerke sorgen für schnelles Internet und die Coworkland-Genossenschaft für den Popup-Coworking-Container.

Zur Eröffnung mit etwa 40 Gästen schaltete sich auch Wirtschaftsförderer Hahn per Video-Live-Schaltung auf dem Segelurlaub zu. Insgesamt sei der Arbeitsmarkt in einem großen Wandel. „Es ist wichtig, niedrigschwellige Angebote gerade im ländlichen Raum zu schaffen“, sagt Hahn. Mit Coworking vor Ort würden auch Autofahrten gespart und damit ein Beitrag zum Klimaschutz geleistet. „Coworking passt ideal in die neue Arbeitswelt und ist gerade auch für Menschen interessant, die nicht jeden Tag nach Hamburg pendeln wollen, aber auch nicht von zu Hause aus arbeiten wollen.“ Auf der Basis der Erfahrungen müssten dann entsprechende Konzepte entwickelt werden, die auch in den Kreis passen.

Kreispräsident Meinhard Füllner lobte die Initiative. Früher sei es normal gewesen, dass alle auf dem Dorf zusammengearbeitet hätten. Von den vielen Betrieben seien heutzutage aber viele nicht mehr vor Ort. Das Coworking könne diesen Zusammenhalt nun wiederbeleben. Dafür bedürfe es „Idealisten, die jede Chance nutzen, um die Zukunft zu gestalten“, sagte Füllner.

Modernes Arbeiten

„Heute haben die Bürger seltener den einen Job fürs Leben“, sagt Prof. Dr. Ulrich Reinhardt. Die Arbeitswelt ist geprägt von schnellen Veränderungen und hoher Flexibilität. Im Coworking Space hat man direkt ein Netzwerk zu anderen Unternehmen, man kann Synergien nutzen und sich gegenseitig unterstützen. Zudem erlaubt so ein Büro sehr flexible und spontane Anpassung an die eigene Situation sowie die Möglichkeit Kosten zu sparen – heute Büro, morgen Kundentermin, übermorgen Urlaub.

Coworking wird unterstützt durch zahlreiche gesellschaftliche Entwicklungen. So wünschen sich immer mehr Bürger im Job vor allem Spaß und eine gute Atmosphäre. Zudem ist das Heimatgefühl stärker ausgeprägt, mehr Kinder ziehen wieder in die Nähe ihrer Eltern. Und auch der Wunsch nach Geselligkeit nimmt in unserer anonymen Welt stetig zu.

Die Stiftung für Zukunftsfragen, eine Initiative von British American Tobacco, will einen Beitrag zur Zukunftsfähigkeit der Gesellschaft leisten. Zu diesem Zweck initiieren wir die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit Zukunftsfragen sowie die Entwicklung von Ansätzen zur nachhaltigen Lösung künftiger Herausforderungen unserer Gesellschaft, heißt es in der Selbstbeschreibung.

Während die mobilen Büros nun vom 26. Juli bis 25. August in Bliestorf sind, wird vom 16. September bis zum 11. Oktober in Schwarzenbek gecoworked. Einbuchen in die Camps kann sich in die Camps jeder über die Internetseite der Heinrich-Böll-Stiftung www.boell-sh-digital.de/coworkland/arbeits-buchen/.

Mehr Informationen

Hier gibt es mehr Infos zum Thema Coworking:

Das steckt hinter Coworking-Spaces

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Holger Marohn

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