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Lauenburg Bruterfolg bei den Seeadlern in Schleswig-Holstein
Lokales Lauenburg Bruterfolg bei den Seeadlern in Schleswig-Holstein
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12:42 27.07.2019
Es gibt immer mehr Seeadler. Quelle: Heinz Thoms /WWF
Mölln

Groß war die Freude, als 1969 am Mechower See erstmals wieder ein Seeadlerpaar einen Horst bezog. Doch der Euphorie über das erste Brutpaar seit dem Krieg folgte die Ernüchterung. Das einzige Ei lag am Ende verfault im Horst. Wie sich später herausstellen sollte, war das Insektizid Dichlordiphenyltrichlorethan, kurz DDT, schuld. Heute, 50 Jahre später gibt es wieder einen stabilen Bestand.

Wardersee Musterbeispiel

„Ich bin damals mit Steigeisen den Baum zum Horst hoch und habe dort das Ei gefunden“, erinnert sich Seeadler-Beauftragter Thomas Neumann vom WWF. Das Ei sei geborgen und zur Untersuchung in ein Labor in die Niederlande gebracht worden. Dort wurde dann wenig später die erschreckende Diagnose gestellt.

Sieben Seeadlerpaare gab es damals gerade einmal in Schleswig-Holstein. Trotz des 1972 beschlossenen DDT-Verbotes ging der Bestand bis 1980 sogar auf vier Paare zurück. „Wir dachten damals, das hat sich mit dem Seeadler hier erledigt“, erinnert sich Neumann, der sich als junger Mensch zunächst mit dem Fahrrad und später motorisiert mit einer Kreidler in ganz Schleswig-Holstein auf die Suche nach Seeadlerhorsten gemacht hatte und diese somit erstmals erfasste. Das Problem sei offenbar gewesen, dass das DDT noch lange in der Nahrungskette verblieben war.

Doch die konsequente Bewachung der Horste, um sie in der Brutzeit vor unbeabsichtigten Störungen durch Wanderer zu schützen, und die Zusammenarbeit von Jägern, Grundeigentümern und Naturschutzverbänden sorgten dafür, dass sich die Population seitdem kontinuierlich erholt habe. „Ein Musterbeispiel für diese Zusammenarbeit ist der Seeadlerhorst am Wardersee“, sagt Neumann.

Erfolgreiche Brut

Dort, im Kreis Segeberg, wo der Seeadler „wohl nie ganz weg war“, habe es das erste Projekt in Deutschland von privatem und staatlichem Naturschutz gegeben. Der Grundeigentümer ließ einen alten Baumbestand stehen und ein Sperrgebiet kam sowohl dem Seeadler als auch den Interessen des Eigentümers entgegen. In diesem Jahr haben im Segebergischen von neun Brutpaaren sieben erfolgreich gebrütet und acht Junge großgezogen.

Auch im benachbarten Stormarn wird der Seeadler zunehmend heimisch. Gab es 2013 nur ein Brutpaar, seien inzwischen fünf Brutpaare in Stormarn heimisch. Drei davon hätten in diesem Jahr erfolgreich gebrütet und vier Jungvögel großgezogen, sagt Biologin und Seeadlerbetreuerin Sabine Reichle. Auffallend sei allerdings, dass sämtliche Brutreviere im Nordteil Stormarns liegen würden – obwohl es auch im Süden große Wasserflächen gebe.

Für die Erfolge beim Seeadler seien laut Reichle auch die natürlichen Gegebenheit mitverantwortlich. Mit dem Herrenteich bei Reinfeld, dem Moorteich bei Heilshoop oder dem Strukteich bei Zarpen aber auch der Trave als Jagdrevier finde der Seeadler einen passenden Lebensraum vor. Wenn es dann gelinge, wie am Beispiel Herrenteich, einen Interessensausgleich zwischen Mensch und Seeadler zu finden, seien die Voraussetzungen für eine ungestörte und somit erfolgreiche Brut und Jagd gut, so Reichle.

Am oberen Herrenteich gebe es keine Wanderwege, sodass sich der Seeadler auch nach der Jagd ausruhen könne und Zeit habe, sein Gefieder zu säubern. Auch würden keine Geocacher das Brutpaar unter dem Horst stören. Der untere Herrenteich stehe den Menschen zur Naherholung zur Verfügung.

Seeadlerschutz

In allen Ostsee-Anrainerstaaten war der Seeadler ursprünglich ein verbreiteter Brutvogel. Zudem waren in historischer Zeit auch die Auwälder an Elbe, Rhein und Donau besiedelt. Durch menschliche Verfolgung durch Abschuss, Fang und Vergiftung erloschen die Brutbestände in einigen Ländern wie Litauen, Dänemark und West-Deutschland oder wurden wie in Polen, Estland, Schweden und Finnland stark reduziert.

Ziele des internationalen Seeadlerschutzprogramms sind daher die Wiederbesiedlung des ehemaligen Verbreitungsgebietes sowie der Aufbau und die dauerhafte Sicherung stabiler Brutbestände. Vor diesem Hintergrund hat sich die Projektgruppe Seeadlerschutz Schleswig-Holstein das Ziel gesetzt, einen langfristig gesicherten Brutbestand im Land aufzubauen und dadurch die Wiederausbreitung nach Norden und Westen zu fördern.

Als ein wichtiger Teilerfolg ist daher die Ansiedlung eines Seeadlerpaares 1995 in Dänemark zu nennen. Im Jahr 2000 haben hier bereits sechs Paare gebrütet, woran nachweislich auch schleswig-holsteinische Vögel beteiligt waren. Um 1850 brüteten in Dänemark noch etwa 50 Paare, danach hatte der Bestand jedoch rasch abgenommen und erlosch 1956.

In Deutschland erweitert sich seit Mitte der achtziger Jahre das Verbreitungsgebiet des Seeadlers zunehmend nach Westen. 1997 wurden die Meißendorfer Teiche in Niedersachsen und der Unterelberaum westlich von Hamburg besiedelt. Im Jahr 2000 gab es dann eine Neuansiedlung am Steinhuder Meer/Niedersachsen.

Zudem sind in den Niederlanden in den letzten 20 Jahren zahlreiche Auenlandschaften im Rheinmündungsbereich renaturiert worden, die eine noch weiter westwärts gerichtete Ausbreitung möglich erscheinen lassen. Der vorhandene Fischreichtum, das Vorkommen vieler Wasservogelarten und die weitgehende Unzugänglichkeit dieser Gebiete ermöglichen schon jetzt ein regelmäßiges Überwintern von jungen Seeadlern.

Quelle: Projektgruppe Seeadlerschutz

Alter Baumbestand erforderlich

Im Lauenburgischen gibt es inzwischen zwölf Seeadler-Brutpaare. Neun davon hätten in diesem Jahr erfolgreich gebrütet. „Das ist eine tolle Reproduktionsrate, wie sie auch in freier Wildbahn nicht besser sein könnte“, sagt Neumann. Voraussetzung dafür, dass sich ein Brutpaar überhaupt ansiedele, sei ein Altbestand an Bäumen. Denn nur, wenn die Kronen der Bäume stark genug seien, könnten sie auch die schweren, im Durchmesser bis zu zwei Meter großen Horste tragen.

Trockenheit schadet dem Kranich

Die Situation für den Kranich ist laut Thomas Neumann eine „Katastrophe“. Die Trockenheit habe viele Brutreviere vernichtet. Daher seien viele ohne Junge geblieben. „Noch nicht einmal jedes zehnte Paar hat erfolgreich gebrütet“, sagt Neumann.

Während Kraniche an Seen auf das sich zurückziehende Ufer noch einigermaßen reagieren könnten, sehe das in Erlenbrüchen häufig anders aus. Dort seien ganze Bäche trockengefallen, sodass der Kranich keine Nahrung mehr finde.

Ähnlich schlecht sehe es für den Schwarzstorch aus. Lediglich ein Paar habe drei Junge großgezogen. Im Sachsenwald, eigentlich ein traditionelles Schwarzstorch-Revier, gebe es schon seit Jahren kein Brutpaar mehr, sagt Neumann.

So würden von den zwölf Seeadler-Brutpaaren im Lauenburgischen sieben ihren Horst auf einer Buche, eines auf einer Eiche und zwei auf einer alten Kiefer haben. Vor einigen Jahren hätten zwei Adler bei Linau auch mehrfach versucht, ihren Horst auf der Spitze einer Fichte zu errichten. Doch bei Sturm habe der Horst in der hin und her wiegenden Krone keinen Halt mehr gefunden und sei samt der Jungvögel und Eier abgestürzt, erinnert sich Neumann.

Er vermutet, dass es im Raum Wotersen vielleicht sogar noch ein 13. Seeadler-Brutpaar im Kreis geben könnte. „Das Revier eignet sich eigentlich hervorragend, aber wir haben da bislang ein großes Loch“, so Neumann.

Landesweit gibt es inzwischen wieder mehr als 100 Seeadler-Brutpaare. Auch auf der Insel Föhr gibt es laut Neumann inzwischen wieder ein erstes Brutpaar. „Das zeigt uns, dass die historischen Gebiete wiederbesiedelt werden“, sagt Neumann. Eine Entwicklung, die ihn – 50 Jahre nachdem der Seeadler in West-Deutschland als ausgerottet galt – mehr als zuversichtlich stimmt. „Da dürfte eigentlich nichts mehr schiefgehen“, sagt Neumann zufrieden.

Thomas Neumann

Nach elf Jahren als Vorsitzender des Kreisnaturschutzbeirates gab Thomas Neumann am Donnerstag sein Amt an seinen frisch gewählten Nachfolger Eckhard Kropla ab.

Thomas Neumann wird sich auch künftig weiterhin im Naturschutzbeirat des Kreises Herzogtum Lauenburg engagieren, auch wenn er nicht mehr die Aufgaben des Naturschutzbeauftragten übernimmt, die das Amt als Vorsitzender mit sich bringt. Als Fachmann für Zoologie und angewandte Biotoppflege war Neumann für den WWF im Bereich Naturschutzflächenmanagement tätig und war bereits seit 1985 als Naturschutzbeauftragter für den nördlichen Teil des Kreises Herzogtum Lauenburg aktiv. Durch seinen außerordentlichen persönlichen Einsatz und seine Beharrlichkeit, wenn es um den Naturschutz im Kreisgebiet ging, hat Thomas Neumann vor allem beim Schutz des Kranichs im Lauenburgischen viel erreicht und die Naturschutzarbeit mitgeprägt.

Rückblickend auf seine Tätigkeit schilderte Neumann: „Die schönste Zeit im Naturschutzbeirat war die Zeit, als ab 1985 die Naturschutzgebiete im Kreis eingerichtet wurden.“ Als Naturschützer war er als Neuling im Beirat seinerzeit noch ein wenig Fremdkörper zwischen den anderen Mitgliedern, die eher aus der Landwirtschaft stammten. Aber man habe gut miteinander arbeiten können. Von den heute vorhandenen 30 Naturschutzgebieten im Kreisgebiet, immerhin 7.500 Hektar, war der Beirat seit Neumanns Mitgliedschaft mit jedem davon befasst. Sei es die Errichtung, Erweiterung oder die Umstrukturierung einzelner Gebiete gewesen. Für ihn war ein wichtiger Erfolg des Beirates, dass die Fällung der Ratzeburger Linde auf dem Marktplatz verhindert oder die Jagd mit Bleimunition abgeschafft werden konnte. „Es ist schwierig heute interessierte Menschen zu finden, die bereit sind sich ehrenamtlich einzubringen. Deswegen bin ich froh, dass Eckhard Kropla das Amt des Vorsitzenden übernehmen möchte,“ sagte Neumann und übergab seinem gewählten Nachfolger eine gefundene Adlerfeder, die er zu einem Stift umgerüstet hat.

Landrat Christoph Mager bedankte sich bei Thomas Neumann für seine jahrelange Mitarbeit und überreichte symbolisch einen Eichensetzling. Wie die Eiche habe Thomas Neumann die Anliegen des Naturschutzes in seiner Amtszeit stets beharrlich vertreten. Eine Eiche soll daher für ihn an einem geeigneten Standort in den Kreisforsten gepflanzt werden.

Holger Marohn

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