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Lauenburg Corona-Inzidenz im Herzogtum über 100: Dennoch keine Verschärfungen zu Ostern erwartet
Lokales Lauenburg

Inzidenz im Herzogtum über 100: Dennoch keine Verschäfungen zu Ostern erwartet 

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20:32 31.03.2021
Die Möllner Innenstadt am Mittwoch. Händler und Kunden müssen wieder mit Verschärfungen rechnen, weil die Inzidenzzahl über 100 liegt.
Die Möllner Innenstadt am Mittwoch. Händler und Kunden müssen wieder mit Verschärfungen rechnen, weil die Inzidenzzahl über 100 liegt. Quelle: Florian Grombein
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Mölln

Die Coronazahlen schraubten sich langsam aber stetig nach oben. Und nun ist es so weit: Die Zahl der Neuinfektionen auf sieben Tage und 100 000 Menschen steigt im Kreis Herzogtum Lauenburg zu Donnerstag auf einen Wert von 106,6. Bis Mittwoch um 16 Uhr sind dem Gesundheitsamt in Ratzeburg 36 Neuinfektionen gemeldet worden. Sollte die Inzidenzzahl drei Tage in Folge über der kritischen Marke bleiben, muss der Kreis die Notbremse ziehen. So sieht es seit Kurzem die Landesregierung vor. Dann müssen Handel, Tourismus und alle Bürger wieder Verzicht üben. Vor allem der Tourismus, der jetzt zu Ostern traditionell Hochkonjunktur hat, verharrt nahezu im Pausemodus. Übernachtungsgäste aus anderen Kreisen, Bundesländern oder dem Ausland dürfen weder im Hotel übernachten noch in einem Restaurant einkehren. Von Tagestouristen profitieren nur wenige Anbieter der Tourismusbranche. Wir erklären, warum die Kreisverwaltung trotz hoher Inzidenz nicht vor Mittwoch mit Verschärfungen rechnet.

Landrat appelliert: Verzichten sie Ostern auf Kontakte

„Ich gehe davon aus, dass es feiertagsbedingt deutlich weniger Tests geben wird und sich dadurch ein verzerrtes Bild über die Entwicklung der Inzidenzwerte im Kreis ergeben wird. Ähnliches haben wir auch zu Weihnachten und Silvester erlebt, erst ein bis zwei Tage nach Ende der Feiertage wird sich zeigen, auf welchem Niveau sich das Infektionsgeschehen tatsächlich bewegt,“ erklärte Landrat Christoph Mager. Mager bittet deshalb eindringlich darum, auf persönliche Kontakte zum Osterfest zu verzichten. „Wenn wir das Ziel haben, nach Ostern Schulen und Kitas wieder öffnen zu können, müssen alle konsequent mitwirken, die Ausbreitung des Virus durch Kontaktvermeidung einzudämmen“, sagte Mager am Mittwoch.

Tourismus und Handel zeigten sich verständnisvoll jedoch auch enttäuscht. „Wir hatten uns zu Ostern viel mehr erhofft. Es ist das erste wichtige Wochenende für die Branche im Jahr“, erklärte Günter Schmidt, Chef der Tourismusagentur HLMS. Er versteht die medizinische Notwendigkeit von Regeln. Doch gleichzeitig betonte er, dass das Robert-Koch-Institut (RKI) die Gastronomie als geringes Risiko bei Übertragungen einschätze. Von daher sei es schwer zu vermitteln, dass die Außengastronomie nicht öffnen dürfe. „Gastronomen sind Profis in Hygiene“, so Schmidt. Seine große Hoffnung sei es, dass die heimische Gastronomie mit ihren Außer-Haus-Angeboten genutzt werde. „Jede Art von Lockdown ist und bleibt eine Katastrophe. Es tut uns weh, dass wir unseren Partnern im Moment nur wenig helfen können“, sagt Schmidt. Man sei derzeit hauptsächlich beratend tätig, auch wenn im Hintergrund schon Kampagnen geplant werden.   

Gesundheitsamt arbeitet über Ostern

Die Mitarbeitenden des Kreisgesundheitsamteswerden auch am Osterwochenende an der Eindämmung der Pandemie arbeiten. Fragen an das Gesundheitsamt können an gesundheitsdienste@kreis-rz.de gestellt werden.

Am Ostersonntag und Ostermontagist die Hotline des Gesundheitsamtes unter 0 45 41/88 83 80 jeweils von 10 bis 16 Uhr erreichbar.

Hoffnung, dass Kraft von Handel und Gastronomie reicht

„Wir betrachten die Entwicklung mit Sorge und wünschen uns sehr, dass die Kraft der Leistungsträger für einen etwaigen erneuten Lockdown reicht“, sagt Jochen Buchholz, Kurdirektor in Mölln. Selbstverständlich habe er gehofft, zu Ostern wieder mit dem Tourismus starten zu können. Leider sei dies nicht möglich aber auch verständlich. Man unterstütze Partner im Rahmen der bescheidenen Möglichkeiten, wo es geht. Sei es mit einer Hilfestellung für die Einrichtung der Luca-App, bei der Vergabe von Testterminen oder mit Plakaten für den Einzelhandel. „Der Möllner Einzelhandel und die Gastronomie sind gut aufgestellt, jedoch zehren die Schließungen an der Substanz jedes Einzelnen“, sagt Buchholz. Verständlicherweise seien die Umsätze beim ausschließlichen Außerhausgeschäft nicht vergleichbar mit einer Geschäftssituation unter normalen Umständen. Buchholz: „So appellieren wir natürlich an die Kundinnen und Kunden, in der wohl schwersten Phase weiterhin die Partner vor Ort aktiv zu unterstützen.

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Geschäftsinhaber Jürgen Landau ist nach wie vor der Meinung, dass Corona wohl kaum im Einzelhandel übertragen wird. Er sei mit über 100 Geschäften aus ganz Deutschland vernetzt, die ein ähnliches Sortiment böten wie er und Ähnliches beobachten. Insofern ist er nicht gerade begeistert von den ständig wechselnden Auflagen. „Click & Meet funktioniert gut“, sagt Landau. Auf diese Weise können sich Kunden noch immer relativ frei und recht spontan in seinem Laden umsehen. Er hofft sogar, dass sich das Infektionsgeschehen nach Ostern wieder entspannt.

Mit diesem Plakat signalisiert das Tourismus- und Stadtmarketing Mölln Kunden, welche Geschäfte offen haben. Hier das Modegeschäft Hasenkamp. Quelle: Florian Grombein

Britische Corona-Variante weiter auf dem Vormarsch

„Wir haben uns eigentlich über das Signal gefreut, dass es wieder losgehen darf“, sagt Oliver Morgenroth, Bootsvermieter und Kapitän eines Ausflugsschiff in Mölln. Dass es nach Ostern oder womöglich früher schon wieder verboten werden könnte, mit zwei Haushalten und insgesamt fünf Personen in einem Boot zu sitzen, fände er sehr schade. Im Augenblick registriert er etwa je zur Hälfte Tagestouristen und einheimische Gäste. Das Infektionsrisiko sei auf dem Wasser sehr gering, sagt er. Er arbeite bereits mit der Luca-App.

Mit Stand von Mittwochnachmittag, 16 Uhr zählte das Kreisgesundheitsamt insgesamt 3779 labordiagnostisch bestätigte Infektionen mit SARS-CoV-2. 3158 Personen gelten zwischenzeitlich wieder als genesen, 101 Personen verstarben aufgrund ihrer Covid-19-Erkrankung. 397 Mal wurde bei Infizierten die sogenannte britische Mutation B.1.1.7 des Virus festgestellt. Dies entspricht 40,8 Prozent (39,6 am Vortag) aller Neuinfektionen der vergangenen 14 Tage.

Von Florian Grombein