Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Lauenburg Jäger wollen Sumpfbiber grillen
Lokales Lauenburg Jäger wollen Sumpfbiber grillen
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
06:20 24.03.2019
Vor einigen Jahren hatte es sich eine Nutria in einem großen Gartenteich in Ratzeburg sichtlich wohl gefühlt. Quelle: LN-Archiv
Anzeige
Basthorst/Flintbek

Die Nutria, auch Sumpfbiber genannt, ist eine nicht heimische Tierart. Doch die einst für Pelztierfarmen aus Südamerika eingeführten Tiere vermehren sich rasant. Das wird zunehmend zu einer Gefahr für Deiche und Dämme.

Umweltmisterium fordert Nutria-Jagd

Daher fordert das Kieler Umweltministerium eine intensive Jagd auf die putzigen Tierchen. Die Jäger wollen die Sumpfbiber nicht nur schießen, sondern auch das Fleisch verwerten. Es gilt als wohlschmeckend. Einen buchstäblichen Vorgeschmack dazu gibt es beim Jägersilvester auf Gut Basthorst.

Anzeige

„Die Nutria ist ein reiner Pflanzenfresser und hat ein zartes und saftiges Fleisch“, sagt Veranstalter Sebastian Seeliger. „Ich habe sie schon ein paar mal auf dem Grill gehabt.“ Und dieses Erlebnis möchte er nun mit anderen neugierigen Menschen teilen. So soll am Sonnabend, 30. März, auf Gut Basthorst zum Jägersilvester Wild gegrillt werden – nicht nur Nutria.

Zubereitung in Outdoorkitchen und auf dem Grill

„Ich habe Freunde eingeladen, die etwas Besonderes sind und vor allem können“, schreibt Seeliger in seiner Ankündigung. So sollen Conrad Baierl, besser bekannt als der Wilde Metzger, und Sebastian Kaphus vom Wild-auf-Wild-Team zwischen 14 und 17.30 Uhr Wildes aus der Natur vom letzten Bissen zum Leckerbissen verzaubern. Themen seien invasive Arten wie der pflanzenfressende Nutria und das bekannte Wildschwein, welches gerade im Lauenburgischen und Stormarn „sehr umtriebig“ sei. Und passend zur anstehenden Grillsaison würden Outdoorkitchen und Grill angeheizt.

Nutrianuggets

Das Team von Wild-auf-Wild um Sebastian Kaphus stellt auf der gleichnamigen Homepage zahlreiche Rezepte zur Zubereitungvon Wildfleisch vor. Als Fleisch von einem reinen Pflanzenfresser gilt das Nutriafleisch al sbesonders zart und saftig. Ein Rezept sind „Nutrianuggets mit Topinamburpüree, Cumberlandsoße und Rote-Beete-Chips“.

Zutaten: 1 Nutria (küchenfertig, etwa 6 Kilogramm), 2 KilogrammTopinambur, 3 Rote Beete, 1 SchussMilch, 1 EsslöffelButter, 1 Muskatnuss, 125 MilliliterLemonbier, 2 Eier, 150 Gramm Mehl, 1 LiterRapsöl, 1 Salz und Pfeffer, 100 GrammSemmelbrösel (Vollkorn), 1 Schalotte, 1 Bio-Orange, 1 SchussRotwein (trocken), 125 Gramm Johannisbeergelee, 1 Teelöffel Senf, 2 Teelöffel Portwein, 1 Zweig Rosmarin, 1 Schuss Schwarzkirschbalsamico

Zubereitung 1. Bierteig: Zwei Eier trennen. Eigelb, 150 Gramm Mehl, eine Prise Salz und 125 Mililiter Lemonbier verrühren und 15 Minuten quellen lassen. Das Eiweiß steif schlagen und Löffelweise unter den Teig heben.

2. Rote Beete Chips: Den Backofen auf 160 °C vorheizen. Die Rote Bete schälen und in dünne Scheiben schneiden. Aufgrund der Farbstoffe sind Einmalhandschuhe empfehlenswert. Die Scheiben auf einem mit Backpapier ausgelegtem Backblech verteilen, mit Öl beträufeln und mit etwas Meersalz würzen. Nun für zirka 40 Minuten backen. Zwischendurch einmal wenden.

3. Cumberlandsoße: Schalotte in dünne Ringe schneiden, Orange halbieren und den Saft auspressen. Ein Schuss Wein, 6 Esslöffel Orangensaft, Schalotte, etwas Orangenschalen-Abrieb und ein Rosmarin-Zweig in einen Topf geben und kurz aufkochen. Bei geringer Wärmezufuhr zirka fünf Minuten köcheln lassen. Anschließend durch ein Sieb abseihen. Johannisbeergelee, ein Teelöffel Senf, zwei Teelöffel Portwein und ein Schuss Schwarzkirschbalsamico zugeben und zu einer glatten Sauce verrühren. Mit etwas Salz abschmecken.

4. Topinamburpüree: Die Topinamburknollen schälen, in gleichmäßig große Würfel schneiden und mit kalten Wasser abspülen. In leicht gesalztem Wassernzirka 20 Minuten kochen. Wasser abgießen, den entstandenen Schaum abspülen. Mit einem Kartoffelstampfer zerstampfen, etwas Milch und Butter dazugeben. Zuletzt mit Salz, Pfeffer und einer Prise Muskat würzen.

5. Die küchenfertige Nutria: Das Fleisch von den Knochen lösen. Hierzu Keulen und Schultern abtrennen und die Knochen auslösen. Rückenfilet ebenfalls auslösen, Bauchlappen abtrennen. Das Fleisch nun in mundgerechte Stücke schneiden, weitesgehend von Sehnen und Silberhaut befreien.

6. Das Fleisch mit Salz und Pfeffer würzen. Nun nacheinander durch den Bierteig ziehen und anschließend mit Semmelmehl ummanteln. Rapsöl in einer großen Pfanne erhitzen. Die Nuggets frittieren, bis sie goldgelb sind. Anschließend auf Küchenpapier kurz abtropfen lassen.

„Wir wollen, wenn wir jagen gehen, das erlegte Tier möglichst zu 100 Prozent nutzen“, sagt Seeliger. So werde nicht nur das Fleisch des Sumpfbibers verwertet, sondern auch die Felle, die sogenannten Bälge, würden weiterverarbeitet. „Jedes Stück Fell, das wir an die Betriebe zur Weiterverarbeitung abgeben, würde sonst von einer Pelztierfarm kommen“, rechnet Seeliger vor.

Kostenlose Snacks von Nutria und Wildschwein

Und auch beim Fleischkonsum sei ein sicher sinnvolles Ziel, insgesamt weniger Fleisch zu essen. Gleichzeitig sei es aber auch sinnvoll, das Fleisch, welches weiterhin gegessen werden, verstärkt den natürlichen Ressourcen zu entnehmen, also zu jagen, als in Massentierhaltung zu produzieren. „Das ist die Jagd der Zukunft“, sagt Veranstalter Seeliger. Die kleinen Snacks von Nutria und Wildschwein werden kostenlos sein. Allerdings bitten die Veranstalter um eine kleine Spende für die Tafel. In Ratzeburg wurde 2016 eine Nutria nicht nur gesichtet, sondern auch gefilmt.

Doch es wird nicht nur geschlemmt, sondern auch kräftig gefeiert. Etwa 1000 Gäste werden zur abendlichen Party erwartet. Und die kommen auch ganz Europa, unter anderem der Schweiz, Österreich, Polen, Holland, Frankreich, Schweden und Dänemark. „Es sind alles Menschen, die irgendwie etwas mit der Jagd zu tun haben“, so Seeliger.

Zum Rahmenprogramm gehören auch eine Fotobox mit historischem Ambiente, Stände, Wildfleisch als Fingerfood, ein Schießkino und nicht zuletzt eine Tombola mit Preisen im Wert von 40 000 Euro. Gab es in früheren Jahren noch Karten an der Abendkasse, ist die Abendveranstaltung beim Jägersilvester 2019 diesmal restlos ausverkauft.

Landesjagdbericht

Im „Bericht zur biologischen Diversität“ wie der einstige Jagd- und Artenschutzbericht des Kieler Umweltministerium inzwischen heißt, wird der Nutria eine „rasante Entwicklung der Strecken“ bescheinigt. Seien bis vor zwei Jahren jeweils nur einzelne Exemplare erlegt worden, hätten die Strecken vor allem im südlichen Landesteil mit den Kreisen Herzogtum Lauenburg, Stormarn und Pinneberg. Im Jagdjahr 2017/2018 seien landesweit 84 Stück erlegt worden, im Vorjahr 19 Stück.

„Es bedarf großer Anstrengungen, um die weitere Ausbreitung des ebenfalls als invasive Art gemäß EU-Verordnung Nummer 1143/2014 eingestuften Nutrias zu verhindern. Nutrias können durch ihre Grab- und Wühltätigkeit empfindliche Schäden an Deichen verursachen“, heißt es in dem Bericht.

Holger Marohn

23.03.2019
Lauenburg Sauberes Schleswig-Holstein - Putzaktion in Ratzeburg großer Erfolg
23.03.2019