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Lauenburg Ratzeburg und Mölln beschließen Kastrationspflicht für Katzen
Lokales Lauenburg Ratzeburg und Mölln beschließen Kastrationspflicht für Katzen
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18:36 17.12.2018
Ein Plakat des Tierschutzbundes für die Kastrationspflicht. In Ratzeburg und wohl auch in Mölln gilt sie ab 2019. Quelle: hfr
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Mölln/ Ratzeburg

Laut Schleswig-Holsteinischen Städteverband haben von 1043 Kommunen im Land gerade einmal zwei eine Katzenschutzverordnung eingeführt. Das Amt Nordsee Treene und seit vergangener Woche auch die Stadt Ratzeburg. In Mölln soll die Verordnung am Donnerstag beschlossen werden. Damit sind die Städte im Nordkreis landesweit Pioniere. Und diese Maßnahme ist dringend nötig. Denn Schätzungsweise 75 000 wilde Katzen leben im Land zwischen den Meeren. Da sie oft unterernährt oder krank sind, soll nun eine Kastrationspflicht den Zustand abmildern.

„Wir sind im Nordkreis im Augenblick Vorreiter in Schleswig-Holstein“, sagt Gaston Prüsmann, Vorsitzender des Tierschutzvereines Mölln, Ratzeburg und Umgebung. Denn viele Städte und Gemeinden hätten sich noch nicht zu Katzenschutzverordnungen bekannt. „Wir wollen für diese Problem sensibilisieren“, erklärt Torsten Wendland, Leiter des Fachbereiches Bürgerdienste und Ordnung bei der Möllner Stadtverwaltung. Die Politik in der Eulenspiegelstadt habe in der ersten Sitzung zum Thema im zuständigen Ausschuss positiv auf die Einführung der Katzenschutzverordnung reagiert.

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Gesetze und Kosten

Eine Katzenschutzverordnung wurde in Ratzeburg bereits im Juli 2017 erlassen. Damals erfüllte sie nach Auffassung des Kreises jedoch nicht die Voraussetzungen der Landesgesetzgebung und wurde nun im zweiten Anlauf umgesetzt. Der Hintergrund der Novellierung ist eine Ermächtigung des Landesumweltministeriums. Durch eine Rechtsverordnung sollen Kommunen selbst über die Eindämmung von verwilderten Katzenpopulationen entscheiden.

Abgesehen von Krankheitenund Unterernährung stellen viele Katzen ein Problem für die Populationen von Wildvögeln und anderen Kleintieren dar.

Die Kastration einer weiblichen Katze kostet etwa 120 Euro. Ein Kater wird für etwa 70 Euro kastriert. Das Chippen kostet etwa 10 Euro beim Tierarzt, ein Chip selbst 25 bis 45 Euro.

Mehr Informationen zum Thema gibt es beim Tierärzteverband.

Ausgesetzte Hauskatzen haben Schmerzen

Der Tierschutzverein hat gegenüber der Verwaltung bestätigt, dass akuter Handlungsbedarf besteht. Trotz Kastrationsaktionen und trotz des Betriebes mehrere Wildfutterstellen im Stadtgebiet ist eine deutliche Zunahme der Population festzustellen. Der Tierschutz bestätigte, dass diese Katzen leiden. Die wilden Katzen seien entlaufene, ausgesetzte oder zurückgelassene Hauskatzen und deren Nachkommen. Anders als Wildkatzen gehörten sie einer domestizierten Art an und seien deswegen nicht an ein Leben ohne menschliche Unterstützung angepasst. Wenn sie dauerhaft außerhalb menschlicher Obhut leben, erleiden sie häufig Schmerzen und Schäden in erheblichem Ausmaß.

Wildlebende Katzen vermehrten sich in Mölln immer weiter. Auch mit Kastrationsaktionen und die Einrichtung von Futterstellen vermochte die unkontrollierte Vermehrung bislang nicht aufzuhalten.

35 Nachkommen pro Katze in einem Jahr

Prüsmann fordert entsprechende Katzenschutzverordnungen schon seit Jahren. „Die Fortpflanzung von Katzen geschieht unkontrolliert und mit großer Geschwindigkeit“, sagt Prüsmann. Eine weibliche Katze könne zwei- bis dreimal im Jahr etwa zwei bis sechs Junge bekommen, die bereits nach sechs Monaten geschlechtsreif sind. „Von einer weiblichen Katze und deren Jungen können so in einem Jahr bis zu 35 Nachkommen ausgehen“, sagt Prüsmann. Doch die neue Katzenschutzverordnung ist aufgrund der bereits 2014 eingeführten Gesetzesnovelle nicht ganz konsequent. „Das Tierschutzgesetzt sieht die Verhängung von Bußgeldern nicht vor. Das ist sehr schade“, sagt Wendland. Damit hätte der neue Druck auf Katzenbesitzer noch erhöht werden können, glaubt er. Kommunen müssten nun eigens Zwangsgelder einführen. Das behält sich die Stadt Mölln vor, falls die Katzenschutzverordnung nicht eingehalten werde. Doch das sei noch nicht entschieden, sagt er. So lange können die Behörden nur appellieren, das Haustierbesitzer an die Chip- und Kastrationspflicht für „Freigänger“ halten.

Flächendeckende Katzenschutzverordnungen gefordert

Aus Sicht des Tierschutzvereins müsse eine flächendeckende Regelung in besiedelten Gebieten geschaffen werden, um den unkontrollierten freien Auslauf fortpflanzungsfähiger Katzen zu beschränken oder zu verbieten. Dieses sei mit dem neue Tierschutzgesetz nicht gelungen. Katzen wanderten nun einmal. Bestimmte Gebiete in einer Stadt auszuweisen sei „totaler Blödsinn“. Das Land befürchtet seiner Vermutung nach Klagen von Tierhaltern bei flächendeckenden Katzenschutzverordnungen. Laut Prüsmann sind auch Lauenburg und Geesthacht kurz davor, Katzenschutzverordnungen zu beschließen.

Florian Grombein